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Einer der reichsten Männer Frankreichs: Xavier Niel
(Quelle:http://www.fotopedia.com/items/rodrigo-576e7c16f48089f4dfaa6981c6c2bc19)


Unbegrenzte Anrufe, SMS,MMS und Internetverbindung. Zu einem Preis von 20 Euro pro Monat. 60 Freiminuten, 60 SMS für 2 Euro monatlich. Seit dem dritten Januar 2012 unterbietet dieses Angebot der Gesellschaft Free die üblichen Preise auf dem französischen Mobilfunkmarkt und bringt damit das Oligopol der drei dort verwurzelten Firmengiganten Orange, SFR und Bouygues ins Wanken. Hauptverantwortlicher dafür ist der Milliardär und Revolutionär der Telekommunikationsindustrie Xavier Niel. Was bleibt hängen, wenn man sich näher mit der Geschichte um den französischen "Citizen Kane",wie der Nouvel Observateur schreibt, beschäftigt? Das Portrait eines Querdenkers.


Steve Jobs 2.0?



Xavier Niel bei der Präsentation von Free Mobile
(Quelle: www.youtube.com/watch)

Oftmals wird der Vergleich mit Steve Jobs herangezogen, wenn die Presse über Niel, einen der reichsten Männer Frankreichs, berichtet. Es gibt zahlreiche Bilder, die ihn in ähnlichen Posen wie den Gründer des Apple-Konzerns zeigen. Darauf zu sehen: Xavier Niel allein auf der Bühne, vor einer riesigen Leinwand, wie er mit weit ausgestreckten Armen sein neuestes Projekt präsentiert. Niel selbst hält nichts von solchen Vergleichen. "Ich bin nicht Steve Jobs.", betont er und verweist auf die Tatsache, dass es dutzende von Managern gibt, die ihre Produkte auf die gleiche Art und Weise präsentieren. Es gab Zeiten, in denen Xavier Niel, der Kopf der Marke Free, weitaus weniger schmeichelhaft betitelt wurde. Nikolas Sarkozy nannte ihn einst den "Peepshow-Mann", in Erinnerung an Niels Investitionen in zahlreiche Strip-Clubs und Sex-Shops Mitte der Achtziger Jahre. Dass er im Alter von 44 Jahren auf Platz 297 der Forbes-Rangliste der Milliardäre rangiert, hat er jedoch nicht nur seinen Geschäften mit Strip-Clubs zu verdanken. Vielmehr beginnt er Anfang der Achtziger Jahre seine Karriere damit, Inhalte für das Minitel, die französische Version des Bildschirmtextes, anzubieten. Mit Hilfe des Minitel war es möglich Dienstleistungen und Videomaterial über die Telefonleitungen von France Telekom zu empfangen. Im Falle des "Minitel rose", einem Angebot von Niels Firma Fermic Multimédia, waren dies hauptsächlich pornographische Inhalte. Als er Mitte der Neunziger die berühmte Pariser Diskothek "Palace" aufkaufen möchte, entrüstet sich die Betreiberin über die Übernahme ihres Clubs durch einen "Pornographen".


Kein Bedürfnis nach Elite



Immer im weißen Hemd: Xavier Niel im Interview mit "Le Figaro" (Quelle:http://www.youtube.com/watch?v=huRxAlkfPls)

Im Jahre 2004 kommt die Marke Free an die Börse und sein Chef vor Gericht. Die Anklage lautet auf Unterschlagung von Gesellschaftsvermögen und Zuhälterei. Von 2000 bis 2004 soll Xavier Niel circa 5000 Euro monatlich von den Einnahmen der Sex-Shops, an denen er bis Mitte der Achtziger hauptsächlich beteiligt gewesen war, bezogen haben. Außerdem soll es dort Fälle von Prostitution gegeben haben. Von dem Vorwurf der Zuhälterei wird er schließlich freigesprochen, für den anderen Anklagepunkt wird Niel zu zwei Jahren Haft mit Aussetzung auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 250 000 Euro verurteilt. "Pornokönig" wird er daraufhin in einer Sendung des größten französischen Privatfernsehsenders TF1 genannt. Trotz seines immensen Erfolges mit Free gilt Xavier Niel als Außenseiter in der französischen Wirtschaft. Im Gegensatz zur industriellen Elite des Landes hat er niemals studiert, niemals eine der "Grand Écoles", die französischen Eliteschmieden, besucht oder ein großes Vermögen und eine Firma geerbt. Dies scheint ihn selbst jedoch nicht wirklich zu beeindrucken. "Was bringt es mir, wenn mich diese Leute mögen?", erklärt er und macht sich daran, seine nächsten Projekte zu planen.


Xavier Niel erobert "Le Monde"

Eines davon ist die finanzielle Beteiligung an der französischen Pressewelt, sei es im Internet oder auf dem Papier. Er investiert in das Satiremagazin Bakchich, in die Online- Zeitung Mediapart und in das Magazin Terraeco, dass sich mit Nachhaltigkeit in Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft beschäftigt. Im Juni 2010 wendet er sich schließlich der Tageszeitung Le Monde, einer Institution in der französischen Pressewelt, zu. Zusammen mit den Unternehmern Pierre Bergé, dem Kunstsammler und ehemaligem Aktionär bei Yves Saint Laurent, und Mathieu Pigasse, einem Bankier und Besitzer des Magazins "Les Inrocks", kauft er die kurz vor dem Bankrott stehende Tageszeitung auf. Da Le Monde eine äußerst beliebte Zeitung ist, verschafft er sich damit einiges an Anerkennung. Des weiteren setzt er ein Zeichen seiner Macht: Nicht nur die großen Firmen wie Bouygues SA, die 40 % Prozent der Anteile an dem Fernsehsender TF1 halten, oder Orange, die den Gegenbieter zum Kauf von Le Monde unterstützten, können sich in die mediale Welt einkaufen.


Frei von Werbekampagnen

Mit seinem neuesten Coup, den billigen Handytarifen von Free, hat Xavier Niel seinen Konkurrenten eine weitere " wirtschaftliche Antwort" gegeben. Nach über 6 Jahren der detaillierten Planung und Entwicklung möchte er den Gegenentwurf zu den im Vergleich mit anderen europäischen Tarifangeboten teuren Gebühren von Bouygues, Orange und France Telecom zum Erfolg führen. Ohne auch nur einen Cent für Werbung ausgegeben zu haben, im Vertrauen auf seine Präsenz und auf die "Buschtrommeln" der sozialen Netzwerke und Medien, bringt er, der nun nicht mehr "Pornokönig", sondern "Citizen Niel" genannt wird, Free auf einen auf einen guten Weg dazu.

 

 

Laura Raveling

23.01.2012








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