

Territoire des Îles Wallis et Futuna. Wallis und Futuna ? Dieser Name klingt fremd und geheimnisvoll, für viele Menschen ist er vielleicht sogar gänzlich unbekannt. Doch was sich dahinter verbirgt, ist mehr als spannend: Mitten im südpazifischen Ozean verstecken sich zwei kleine Archipele, die das französische Überseegebiet Wallis und Futuna bilden. Diese Inseln haben ihre ganz eigenen Geschichten und Besonderheiten – ein kaputter Geldautomat, Monarchien und Süßwasser haben unter anderem damit zu tun. Neugierig?

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 Karte von Wallis und Futuna
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Irgendwo im Nirgendwo im pazifischen Ozean, weit entfernt vom Rest der Welt, liegen Wallis und Futuna. Auf 274 km ² verstecken sich hier beeindruckende Tier- und Pflanzenwelten sowie zahlreiche Besonderheiten. Allerdings muten diese Inseln fremd und abgeschieden an, schließlich befinden sie sich ja am anderen Ende des Planeten. Sie liegen sogar noch 6 000 km von Australien entfernt, ganz zu schweigen von Paris, von dem sie 22 000 km trennen.
Kulturell und politisch gesehen ist die Distanz zu Frankreich allerdings gar nicht so groß, eher im Gegenteil. Die Inseln sind eine sogenannte „Collectivité d’outre mer (COM)“, ein Überseegebiet Frankreichs wie La Réunion oder Martinique. Dieser Status wurde 1959 in einer Volksabstimmung auf Wallis und Futuna beschlossen und machte die Bewohner der Inseln zu französischen Staatsbürgern. Genau genommen sind die Inseln also gar nicht so weit entfernt, zumindest nicht im Geiste.
Doch was macht sie aus, diese Inseln?

Vielfalt auf kleinstem Raum
Das Territorium von Wallis und Futuna umfasst zwei Inselgruppen, die 225 km voneinander entfernt liegen: Die Horn-Inseln mit den Hauptinseln Futuna und Alofi sowie die Wallis-Inseln mit der Hauptinsel Uvea. Auf der Letzteren liegt auch der Hauptort des Territoriums, Mata-Utu. Diese Archipele sind momentan das Zuhause von 15655 Einwohnern, ein eher kleines Territorium also. Dies bedeutet aber nicht, dass man dort nicht auf kulturelle Vielfalt treffen kann.
Gesprochen werden hier gleich mehrere Sprachen. Auf den Archipelen findet man Französisch, welches allerdings nur 10% der Bevölkerung als erste Muttersprache dient. Die meisten Bewohner verständigen sich in auf Wallisianisch und Futunisch, welche zur polynesischen Sprachgruppe gehören.
Eine der größten Besonderheiten ist wohl die Staatsform auf den 2 Archipelen – es gibt hier nämlich drei traditionelle Monarchien, ja wirklich, es sind drei an der Zahl (Uvea, Alo und Sigave). Die Könige dort regieren mit vom Volk gewählten Räten und Repräsentanten des französischen Staates. Ihr Amt erlangen sie nicht durch Erbe, sie werden von einer kleinen Anzahl einflussreicher Familienoberhäupter, den „aliki“, auf Lebenszeit gewählt. Diese Könige regieren gemeinsam mit vom Volk gewählten Räten und einem Repräsentanten des französischen Staates, der den Titel administrateur supérieur (oberster Verwalter) trägt.

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 Die Bewohner von Wallis und Futuna bei einer Zeremonie
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 Unterwasserwelt des Archipels
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Wem das noch nicht genug ist, kann sich weiterhin an zahlreichen traditionellen Bauwerken und einer beeindruckenden Flora und Fauna erfreuen. In geführten Touren oder Tauchausflügen lässt sich hier so manche Seltenheit entdecken, auch die typisch polynesische Kultur und Küche kann man auf Wallis und Futuna genießen.
Aber Achtung! Wen auf die Inseln verschlägt, sollte vor seiner Abreise genügend Geld mit sich bringen. Auf dem gesamten Territorium gibt es nämlich nur eine Bank, die „Banque de Wallis et Futuna“, diese hat nur zwei Mal im Monat geöffnet. Man sollte also bargeldtechnisch ausreichend vorbereitet sein, denn der einzige Bankautomat auf der Insel soll nur sehr selten funktionieren und eine Bankkarte wird nur in wenigen Geschäften angenommen… Und wer will schon in ein Paradies reisen und dort wegen Bargeldmangels auf beeindruckende Erlebnisse verzichten?

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 Traditionelle Landwirtschaft
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Ein bedrohtes Paradies
Doch obwohl Wallis und Futuna eigentlich ein potentieller Touristenmagnet sein könnte, müssen die Inseln gegen zahlreiche Probleme kämpfen. Die Abgeschiedenheit und die eher traditionelle Lebensweise führen dazu, dass die Inseln immer größeren wirtschaftlichen Bedrohungen ausgesetzt sind.
Die Inseln sind vor allem durch die traditionelle Subsistenzwirtschaft geprägt, der autonomen Lebensführung oder Wirtschaftsweise, die vor allem durch landwirtschaftliche Tätigkeiten realisiert wird. Somit leben um die 80% der Bewohner vom Lebensmittelanbau von Kokosnüssen oder Gemüse, auch die Fischerei und Viehhaltung bilden wichtige Lebensgrundlagen. Der öffentliche Dienst ist nur wenig entwickelt, nur 4% der Bewohner verdienen damit ihren Lebensunterhalt.
Allgemein ist Wallis und Futuna also eher als arm zu bezeichnen, dies liegt vor allem an dem Mangel an natürlichen Ressourcen wie dem Süßwasser, welcher manche Stellen der Inseln unbewohnbar macht. Auch die Abholzung hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen.
Weiterhin leidet die Wirtschaft wegen der Distanz zu den potentiellen Märkten: Die Inseln sind schwer zugänglich, was zum einen mit den Gefahren der Meeresrouten dorthin zusammenhängt, es gibt praktisch keine Seewege zu den reichsten Ländern Ozeaniens wie Neuseeland und Australien. Zum anderen gibt es aber auch fast keine Luftwege um die ohnehin schon raren exportfähigen Produkte zu transportieren. Dieser Mangel an Transportwegen zu Wallis und Futuna führt natürlich auch dazu, dass der Tourismus nur schwer angekurbelt werden kann. Für Touristen sind die Inseln nur über Neukaledonien, Fidschi oder Tahiti erreichbar, dies ist auch nur zwei Mal wöchentlich möglich. Zwar gibt es auf den Wallis-Inseln 4 Hotels (44 Zimmer) und auf Futuna 2 Hotels (11 Zimmer), diese sind aber nur wenig besucht.
Wegen dieser Unzulänglichkeiten und dem Mangel an wirtschaftlicher Ankurbelung ist das Territorium auf permanente finanzielle Subventionen angewiesen. Diese bekommt es vor allem aus dem „Mutterland“ Frankreich, die sich jährlich auf ca. 100 Millionen Euro beläuft.
Auf Wallis und Futuna herrscht tropisches Klima, der Jahresdurchschnitt liegt bei 26,6 C°. Verbunden mit den zahlreichen Besonderheiten und der paradiesischen Natur eigentlich gute Bedingungen für einen Urlaubstrip dorthin, um mitten im Ozean, weit weg vom Rest der Welt, einfach mal die Seele baumeln zu lassen. Doch leider haben bis jetzt nur wenige Menschen dieses Paradies für sich entdeckt, eigentlich schade, wenn man bedenkt, was es dort zu sehen und zu erleben gibt.

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 Ein Paradies, das seine Bewohner verliert
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Aufbruchstimmung auf den Inseln
Obwohl die Bevölkerungszahlen der Inseln in den letzten zwei Jahren gestiegen sind (2008 waren es nur 13445 Einwohner), müssen die Inseln unter einem drastisch steigenden Altersdurchschnitt der Bevölkerung leiden: ganze 11% sind älter als 60 Jahre.
Dies hängt vor allem damit zusammen, dass junge Erwachsene keine großen Zukunftsperspektiven auf den Inseln sehen und wenig Arbeitschancen haben.
Ein Aspekt der Auswanderung zahlreicher Jugendlicher sind auch die mangelnden Bildungsmöglichkeiten. Die Schule wird nicht von allen Kindern und Jugendlichen besucht, viele bleiben bei den Eltern und helfen in traditionellen Familienbetrieben. Dies führt dazu, dass nur die Hälfte der über 15-Jährigen lesen und schreiben kann. Aber auch diejenigen, die die Schulen besuchen, haben nur begrenzte Möglichkeiten: auf den Archipelen ist nur eine Ausbildung bis zum lycée, also bis zur gymnasialen Oberstufe möglich.
Wer sich also darüber hinaus qualifizieren und studieren möchte, muss weg aus Wallis und Futuna. Dies nehmen zahlreiche Menschen war, allein in Neukaledonien sollen über 1600 Auswanderer in den letzten Jahren dazugekommen sein, was in Verbindung mit der kleinen Einwohnerzahl von Wallis und Futuna viel ausmacht.

Wallis und Futuna neu entdecken
Der Weg von Wallis und Futuna ist ungewiss. Vielleicht mag das Archipel im pazifischen Ozean bald in Vergessenheit geraten, vielleicht entdecken es aber auch viele Neugierige für sich und verhelfen dem Land so zu einem Aufschwung.
Diese geteilten Meinungen sind auch in der Politik vertreten. Victor Brial, Präsident des Assemblée territorial, befürchtet das Schlimmste: „Eines Tages wird der Niedergang unserer Bevölkerung das Verschwinden unserer Kultur zur Folge haben“. Der eher optimistisch eingestellte Robert Laufoaulu, Senator von Wallis und Futuna, unterstreicht im Gegenzug: „Wir sind an einem Punkt angelangt an dem es unvermeidbar wird, sich zu entwickeln. Viele Jugendliche sind bereits zurückgekehrt, bestärkt durch ihre Erfahrungen. Andere werden ihnen folgen“.
Dies bleibt zu hoffen, sowie die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Insel durch steigende Tourismuszahlen. Ein Ausflug auf die Insel kann in vielerlei Hinsicht spannend werden, denn wer genug Bargeld einpackt und drei Königen begegnen oder einfach nur die Seele baumeln lassen möchte, findet auf Wallis und Futuna den perfekten Ort dafür. Vielleicht sind ja auch Sie neugierig geworden…

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 Inseln, die zum träumen einladen
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Julia Philine Leick
27/07/2011
Credits
Die Bilder wurden zur Verfügung gestellt von:
www.lesilesrevees.com