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Garagiste français à Berlin

   19.05.2013 
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Die Kandidaten für das Präsidentenamt Jean-Luc Melanchon, François Hollande, Marine Le Pen, François Bayrou und Nicolas Sarkozy hielten alle eine Ansprache für die Opfer von Toulouse.

Am Montag, den 19. März 2012 hat ein junger Franzose, den Vermutungen zufolge Mohammed Merah eine jüdische Schule in Toulouse gestürmt. Hierbei kamen vier Personen zu Tode, unter diesen sich drei Kinder befanden. Mitten im Wahlkampf um des Amt des Präsidenten, wollen sich alle Kandidaten, angesichts des Massakers zusammen tun.

Dennoch wird nichts dem Zufall überlassen. Dieses Ereignis wird zwar nicht für den Wahlkampf verwendet, aber das überraschende Drama spielt trotzdem eine Rolle in dem Terminkalender der Kandidaten. Anlass, um ähnliche Fälle, die sich ebenfalls kurz vor den Präsidentschaftswahlen ereigneten, wieder auf zu decken.


Am 22. März wurde die erste Präsidentschafts- Umfrage veröffentlicht, durchgeführt von dem Umfrageinstitut CSA, nach den Attentaten in Toulouse. Dieser Befragung zufolge hat der amtierende Präsident Nicolas Sarkozy einen zweiprozentigen Vorsprung (30%) vor François Hollande (28%) ausbauen können, nachdem die beiden Präsidentschaftsanwärter bei der letzten Umfrage, die am 13. März durchgeführt wurde, bei 28 % lagen. Jean-Luc Mélenchon gewann ebenfalls an Stimmen (+ 2%) und liegt nun gleich auf mit François Bayrou (jeweils 13%). Beide sind auf den Fersen von Marine Le Pen, die einen Verlust von 2,5 % Stimmen erleiden musste und nun bei 13,5 % liegt.*




1981

Am 3. Oktober 1980, explodierte eine Bombe neben der Synagoge Rue Copernic in Paris. Bei der Explosion kamen vier Menschen ums Leben und circa 30 Menschen wurden dabei verletzt. Daraufhin wurden Demonstrationen von den linksorientierten Parteien organisiert. François Mitterrand befand sich, sechs Monate vor den Präsidentschaftswahlen, mitten im Wahlkampf. Er zeigte sich in der Öffentlichkeit an der Seite der Demonstranten und verurteilte den Antisemitismus, der durch dieses Blutbad verdeutlicht wurde.

 

Die damalige rechtsorientierte Regierung reagierte viel zurückhaltender. Valérie Giscard d’Estaing, der amtierende Präsident kam nicht zur Synagoge und reagierte nur, indem er sein Mitgefühl durch öffentliche Pressetexte publizierte. Jaques Chirac wiederum, ebenfalls Präsidentschaftsanwärter, nahm an der Trauerfeier für die Opfer teil.

 

Der damalige Premierminister, Raymond Barre, erregte Aufsehen, indem er unbeholfen verkündigte, dass dieses „ schreckliche Attentat, welches eigentlich die Israelis treffen sollte, die sich in der Synagoge befanden, letztlich unschuldige Franzosen getroffen hat“**. Sechs Monate später wurde François Mitterrand zum ersten sozialistischen Präsidenten der Republik gewählt.




Der damalige Premierminister Raymond Barre bei seiner Ansprache, die anschließend großes Aufsehen erregte.

1988

Am 22. April 1988, zwei Tage vor dem ersten Wahlgang für die Wahl des Präsidenten, tritt der Archipel Neukaledonien Frankreich bei. Als Reaktion auf diesen Beitritt wurde ein Polizeireviers in Ouvéa, der Hauptinsel von Neukaledonien, von einheimischen Unabhängigkeitskämpfern gestürmt. Hierbei wurden vier Polizisten getötet, 16 weitere wurden als Geiseln genommen und in eine Höhle verschleppt. Während der Kohabitation***, stehen sich Staatspräsident François Mitterrand und sowie Premierminister Jacques Chirac als Kontrahenten für das Präsidentenamt gegenüber.




Ein Gedenkstein für die Opfer von Ouvéa.
(Zum Vergrößern anklicken)
Bild : thierry llansades

Jaques Chirac entschied eine militärische Operation zu veranlassen. François Mitterrand lies seinen Gegenspieler dieses Vorhaben durchführen. Die Höhle wurde gestürmt, jedoch endet die Operation in einem Blutbad. 19 Einheimische von Neukaledonien und zwei Soldaten verloren ihr Leben. Dieses Ereignis versetzte Frankreich in Schock. Wenige Tage vor dem Wahltag hat dieser Zwischenfall sicherlich eine wichtige Rolle gespielt, denn François Mitterrand wurde erneut wiedergewählt.


2002

Die Präsidentschaftskampagne im Jahre 2002 wurde durch eine Anhäufung von mehreren Ereignissen umrahmt.

Am 8. März wollte ein Familienvater seinen Sohn vom Bahnhof Evreux in der Normandie abholen und wurde in einem Streit mit Jugendlichen zu Tode geprügelt. Bruno Mégret, Mitglied der rechtsextremen Partei und Kandidat für das Amt des Präsidenten verkündet in einer Mitteilung: „der wirkliche Schuldige ist Jospin“. Lionel Jospin war der damalige sozialistische Premierminister.

 

In der Nacht vom 26. zum 27. März, eröffnete Richard Durn eine Schießerei im Gemeinderat von Nanterre in der Pariser Region. Dabei kamen acht Abgeordnete ums Leben und 18 weitere wurden mehr oder weniger schwer verletzt. Am nächsten Tag nahm sich Richard Durn, festgenommen auf dem Kommissariat, das Leben.

 

Am 2. April, 20 Tage vor dem ersten Wahlgang, nahmen die beiden Favoriten, Jaques Chirac (Präsident der Republik) und Lionel Jospin (Premierminister) an der Gedenkfeier für die Opfer von Nanterre teil.

 

Die Papy Voise Affaire die sich im April 2002 unerwartet ereignete, ist zwar weniger dramatisch aber hat dafür eine große Bedeutung, einige Tage vor dem Wahltag.

 

Am 18. April wurde Paul Voise, Rentner im Alter von 72 Jahren, bei sich Zuhause von Jugendlichen angegriffen, die anschließend flüchteten und bis heute nicht ausfindig gemacht werden konnten. Ein Tag später, wurden auf TF1 in den 20 Uhr Nachrichten ein Bild von Paul Voise gezeigt, mit angeschwollenem Gesicht. Dieser Vorfall wurde bis ein Tag vor den Wahlen heftig umstritten im Fernsehen präsentiert. Am nächsten Tag, den 21. April 2002 überholte der Kandidat der Front National, Jean Marie Le Pen (rechtsextreme Partei) Lionel Jospin und fand sich so im zweiten Wahlgang gegenüber Jacques Chirac. Für die Zeitung „Libération“ (linksliberal) begründete die sozialistische Niederlage unter anderem mit dem beängstigendem Klima durch die Anhäufung der Dramen und weiteren Ereignissen. Die Ermittlungen wurden im Februar 2005 eingestellt, auf Grund mangelnder Hinweise, um die Täter ausfindig zu machen.




Paul "Papy" Voise bei einem Interview mit TF1 kurz nachdem er von einer Gruppe von Jugendlichen attackiert und verletzt wurde.

Und nun findet sich Frankreich erneut in einer dramatischen Situation wieder, kurz vor den Wahlen, die am 22. April stattfinden werden. Das Land ist mit Trauer überschattet, auf Grund der Schießerei in einer jüdischen Schule in Toulouse. Jedoch ist die Diskrepanz zwischen Mitgefühl und Instrumentalisierung der Ereignisse für die Kandidaten geringfügig. Im Moment haben die Präsidentschaftsanwärter ihre Auftritte auf relativ nüchterne Statements begrenzt. Die Auswirkung dieser Morde auf die kommende Wahl des Staatspräsidenten lässt sich nicht vorhersagen. Zudem ist das nicht die unmittelbare Frage. Nachdem der erste Schock einmal vorüber sein wird, werden Spezialisten die Möglichkeit haben, ausgiebig über diese Frage nachzudenken.


Marisa Hahn und Loïc Boissieu

21.03.2012


* Die Umfrage wurde am 19. und 20. März per Telefon durchgeführt. Befragt wurden stichprobenartig 1004 Personen ab dem 18. Lebensjahr.

 

** « attentat odieux qui voulait frapper les Israélites qui se rendaient à la synagogue et qui a frappé des Français innocents »

 

*** Von einer Kohabitation in der französischen Politik spricht man, wenn der amtierende Staatspräsident und der Premierminister nicht dem selben politischen Lager angehören. Der Staatspräsident hat somit keine absolute Mehrheit im Parlament.








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