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 Bild : ceedot
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Mohammed-Karikatur sorgt erneut für Eskalation. Diesmal wegen der dem tunesischen Islamismus gewidmeten Sonder-Ausgabe „Charia Hebdo“ der französischen Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo. Die Redaktion wurde in Brand gesetzt und die Webseite von Islamisten gehackt.

Gegen ein Uhr morgens ist gestern die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo mit von Unbekannten mit Molotov-Cocktails beworfen und angezündet worden. Bei dem Angriff kam niemand ums Leben, doch wurde das Redaktionsinnere materiell beschädigt.
Die Attacke könnte die Folge der Spezialausgabe der Zeitschrift mit dem Titel „Charia Hebdo“ zu sein, die auf ironische Weise den Wahlsieg der islamistischen Ennahda in Tunesien zelebriert und auf der Titelseite den Propheten Mohammed abbildet. Auf diesem Titelbild sagt die Comic-Version von Mohammed, den Finger mahnend hebend aber mit schelmischem Gesichtsausdruck, wer sich jetzt nicht totlache, würde mit 1000 Peitschenhieben bestraft.
Zusätzlich zum Brand-Anschlag, hatten es Islamisten geschafft, sich in die Web-Seite der Zeitschrift einzuhacken. Auf den Bildschirmen erschienen daraufhin Bilder von Mekka und Koranversen ebenso wie der auf Deutsch und Türkisch lesbare Schriftzug „Für den Islam“.


Charlie Hebdo schon häufiger mit Gläubigen aneinander geraten
Seit 1992 erscheint das Blatt unter der Leitung des Chefredakteurs Philippe Val. Mit ihren 140.00 gedruckten Exemplaren erreicht die Zeitschrift Menschen, die Investigativ-Journalismus schätzen und sich dafür interessieren, wie es in Frankreich und der Welt um rechtsradikale, radikal-katholische, radikal-islamische Strömungen in Politik und Kultur steht. Die Zeitschrift sieht sich, laut Herausgeber, als Stimme einer pluralistischen linken Presse.
2006 hatte Charlie Hebdo als eine der wenigen Zeitschriften entschieden, die dänischen Mohammed-Karikaturen mit dem Gesicht Mohammeds weiterhin zu veröffentlichen, woraufhin der muslimische Dachverband (Conseil français du culte musulman, CFCM) die Zeitschrift verklagte. Charlie Hebdo wurde allerdings freigesprochen. Zudem veröffentlichte die Zeitschrift im März 2006 das Manifest der 12 in dem sich islamische Intellektuelle gegen eine radikale Auslegung des Islam aussprachen.
Auch anlässlich der Angriffe auf verschiedene Pariser Theater (z.B. das Rond Point Theater oder das Théâtre de la Ville), die dieses Jahr von Radikal-Christen wegen ihrer Christusdarstellungen attackiert wurden, hatte die Zeitschrift einen Artikel veröffentlicht.



Französische Politiker äußern Solidarität und verteidigen Meinungsfreiheit
Der General-Sekretär der französischen Partei UMP, Jean-François Copé, verurteilte in einem Interview mit dem Radiosender Europe 1 das Attentat. In Frankreich, dem Land der das ihm zufolge die Meinungsfreiheit verkörpert, dürfe so etwas nicht geschehen. Der Front de gauche-Politiker Jean-Luc Mélenchon pochte darauf, das Grundprinzip der Meinungsfreiheit zu schützen. Blasphemie gebe es in einem laizistischen Staat grundsätzlich nicht. Deswegen müsse auch nicht darüber debattiert werden, ob Charlie Hebdo einen blasphemischen Artikel veröffentlicht habe, oder nicht. Das Recht auf Übertreibung sei der Meinungsfreiheit und dem Laizismus inne. Auch der Pariser Bürgermeister Betrand Delanoë (Parti Socialiste) versicherte der Zeitschrift seine Unterstützung und versprach der Redaktion, neue Arbeitsräume zu beschaffen.
Céline Deligny
02.11.2011