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Ohne Rauch kein Feuer? vielleicht, aber hier werden sicherlich Raucher gefeuert! (photo : Céline Decherchi)


Auch wenn der Sommer hierzulande schon fast vorbei ist (oder überhaupt nie angefangen hat), kann man sich in Südfrankreich noch ein paar Wochen gemütlich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und sich am Strand entspannen. Eine kleine Stadt in der Provence ist der Meinung, dass dies nur auf eine Weise möglich ist – rauchfrei! Ein Blick auf ein Fleckchen Erde, an dem Zigaretten gänzlich unerwünscht sind.





Geraucht wird vorher – Der Nichtraucher-Strand in La Ciotat (photo : Céline Decherchi)


Es ist der wohlverdiente Sommerurlaub, wohlgemerkt die einzigen Tage im Jahr, in denen man dem süßen Nichtstun frönen und entspannt die Beine hochlegen kann. Die meisten Urlauber zieht es dafür natürlich ans Meer, wo man am Strand die Zehen in den Sand versinken kann, sich über den alljährlichen Sonnenbrand ärgert und frische, salzige Meeresluft genießen kann …

 

Falsch gedacht! Denn kaum hat man sein Handtuch auf eine der heiß begehrten Liegen geworfen und will sich mit einem kühlen Getränk in der Hand einfach nur entspannen, riecht man es schon – den Mief und Gestank von Zigaretten, die sich die Liegenachbarn genüsslich zu Gemüte führen! Überall stinkt es nach Qualm, Asche weht durch die Luft an manchmal kann man keinen Schritt gehen, ohne auf einen Zigarettenstummel zu treten. Ärgerlich. Dabei möchte man doch einfach nur den Sommer da genießen, wo er dieses Jahr auch tatsächlich angekommen ist und nicht passiv schädlichen Teer und Tabak einatmen. Für manchen Urlauber kann diese Art von Situation schon reichen, um sich den Urlaub gehörig vermiesen zu lassen und diese Menschen gehen dann mit einem Stresspegel nach Hause, der den Vor-Urlaub-Zustand wegen des ständigen Ärgers noch überschreitet.

 

Um genau diese Art von Situationen zu vermeiden, gibt es jetzt den ersten offiziellen Nicht-Raucher Strand in Frankreich, in dem kleinen Städtchen La Ciotat (Provence) am Mittelmeer. Die Bilanz des Sommers, die ausnahmsweise mal nichts mit dem Wetter zu tun hat.




Qualmen verboten! (photo : Céline Decherchi)

Zigaretten – Nein Danke!

 

Wer zu Strand geht, hat bekanntlich vieles unterm Arm – Luftmatratzen, Essen und Getränke, Sonnenmilch… Doch eines dürfen Besucher des Strandes der französischen Stadt La Ciotat nicht in ihren Händen halten, wenn sie dort die Sonne genießen wollen: Zigaretten. Wer sich auf den Sand des Nicht-Raucher-Strandes legen möchte, muss seine Glimmstängel am Eingang in einem der zahlreichen Mülleimer oder Riesen-Aschenbecher in Form von Zigaretten entsorgen. Die Menschen, die die Schilder „aus Versehen“ übersehen, werden von Ordnungshütern freundlich darauf hingewiesen, dass Qualmer auf diesem Strand nicht erlaubt sind. Und wer sich dann doch mal eine Zigarette auf dem Strand genehmigt, muss blechen: 38 Euro Strafe blühen den Rauchsündern!

 

„Das funktioniert sehr, sehr gut“, sagte Vize-Bürgermeister Noël Collura. Die Initiative sei wohl überlegt und schon lange geplant. Ziel sei es, vor allem die Kinder vor dem Rauch und den überall herumliegenden Zigarettenstummel zu schützen, eben jene haben beim Spielen am Strand für die ganz Kleinen immer wieder eine Gefahr dargestellt. Außerdem würde so mehr zum Schutz des Strandes und damit der Umwelt getan werden, angedachte Alternativen wie das Verteilen von Aschenbechern wurden als uneffektiv gewertet. Alles in allem soll das Rauchverbot also die Umwelt und die Gesundheit schützen sowie zu einem entspannteren Strandbesuch beitragen. Mit Erfolg – denn laut Informationen der Stadt sollen die Besuche des Strandes seit dem Rauchverbot um 25% gestiegen sein!

 


Verbieten oder nicht verbieten – das ist hier die Frage

 

 

Zu diesen 25 % gehört aber eine Gruppe nicht – die der Raucher. Diese sind nämlich entrüstet und ärgern sich über das Verbot und sie beharren auf ihr Recht, ihre Nikotinsucht auf sonnigen Stränden in entspannter Atmosphäre weiter auszuleben. Diese Art von Maßnahmen reiht sich in die vorhergehenden Verbote ein, die zum Beispiel das Rauchen in Bars und Restaurants verbieten und löst damit weitere Diskussionen aus. Es stellt sich die Frage, wie viel „Freiheiten“ man den Rauchern lassen sollte. Viele Raucher, die das Rauchverbot in Bars zumindest nachvollziehen können, sind über das Rauchverbot am Strand mehr als empört:

„Es handelt sich um einen öffentlichen Raum, an der freien Luft! Wenn es um die Umweltverschmutzung geht, warum verbietet man dann nicht auch Dosen, Plastikverpackungen oder besser gesagt alles was die Urlauber zurück lassen?“, so ein empörter Raucher. Viele von ihnen fühlen sich durch solche Maßnahmen stigmatisiert, in Schubladen gesteckt. Sie fühlen sich wie (Umwelt-)Verbrecher…

 

 

Bei den Strandbesuchern, vor allem Familien, kommt das Rauchverbot allerdings ziemlich gut an:

„Das ist ideal für die Kinder und für mich, denn ich bin Nichtraucherin. Man kriegt keinen Rauch mehr ins Gesicht und die Kinder können Sandburgen bauen ohne bei jedem Schaufeln Zigarettenkippen aufzuheben“, sagt Virginie (28 Jahre), die den Tag am Strand mit ihren drei Kindern verbringt, ganz ohne Qualm. Diese positiven Stimmen überwiegen am Strand von La Ciotat und wenn wir mal ganz ehrlich und diplomatisch sind, sind es auch die Stimmen, die zu einer Zustimmung des Verbotes bewegen. Wer unbedingt am Strand rauchen möchte, kann dies auch weiterhin tun, man muss nur ein paar Meter gehen. Natürlich, die Zigarette auf der Luftmatratze im Liegen wird es an diesem Strand nicht mehr geben – aber wer dafür andere Menschen und vor allem Kinder vorm Passivrauchen bewahren UND der Umwelt etwas Gutes tun kann, der nimmt einen minimalen Fußmarsch doch gern in Kauf. Oder?

 




Das Rauchverbot lockt mehr Besucher an - vor allem Familien (photo : Céline Decherchi)

Julia Philine Leick (mit Céline Decherchi)

09. September 2011








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