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 Demonstation von den "Ni putes, ni soumises"
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Seit April 2003 kämpft die Organisation „Weder Huren noch Unterworfene“ gegen die wachsende Gewalt und die spezifische Unterdrückung von Frauen in den Banlieues.
„Ich bin nicht deine Hure, ich bin nicht deine Sklavin (...) Ich möchte frei sein, heraus gehen ohne angegriffen zu werden (...) Ich will Freiheit, ich will Respekt.“ Diese Verse stammen von der Gruppe Tribu 9.4, sieben Jungen und Mädchen aus der Pariser Trabantenstadt Vitry-sur-Seine, geschrieben als Reaktion auf eine schreckliche Gewalttat. Am 4. Oktober 2002 wurde Sohane, 17 Jahre und Tochter kabylischer Einwanderer, von einem gleichaltrigen Kleinkriminellen mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leib verbrannt. Der Grund: Sohane hatte sich den „Normen des Viertels“ nicht unterwerfen wollen. In den Augen ihres Täter gehörte sie nicht zu „den anständigen Mädchen“, sondern zu den „putes“, den Huren. Der grausame Tod Sohanes war der Auslöser für eine Bewegung, die die besondere Unterdrückung der „filles des cités“, der „Mädchen der Siedlungen“ anprangert. Im Februar 2003 sollte ein „Marsch der Frauen aus den Vorstädten“ durch insgesamt 23 Städte Frankreichs mit dem Gesetz des Schweigens brechen, das bislang über den Gewalttaten in den Vierteln lag. Kurz darauf gründete Fadela Amara, selbst Tochter einer algerischen Einwandererfamilie, die Bewegung „Ni putes ni soumises“.
„Der Machismus ist in der ganzen Gesellschaft vorhanden, aber in den Banlieues tritt er besonders scharf zu Tage“ erklärt Sihem Habchi, Vize-Präsidentin von „Ni putes ni soumises“. „Die Gewalt den Mädchen gegenüber nimmt ständig zu. Sie werden von ihren Brüdern oder von den Freunden der Brüder kontrolliert. Sie sollen sich ‚ordentlich’ anziehen, nicht ausgehen und bis zur Ehe Jungfrau bleiben.“ Der Name „Weder Hure noch Unterworfene“ verweist auf die fatale Alternative, vor der die jungen Frauen oftmals stehen: entweder sie fügen sich in ihre traditionelle Rolle und werden früh verheiratet, oder aber sie gelten als Hure und Freiwild, dass nach Belieben begrapscht werden kann. In den von sozialer Desintegration gezeichneten Vorstädten wird Sexualität oftmals als eine „Sache“ angesehen, die man sich „aneignet“, notfalls auch mit Gewalt. „Viele Mädchen greifen zum Kopftuch, um ihre Ruhe zu haben. So signalisieren sie, dass sie nicht zu haben sind“ sagt Sihem Habchi. Sie selbst kennt Mädchen, die als Bestrafung für ihr „widerspenstiges“ Verhalten zu Opfern der so genannten „tournantes“, den Gruppenvergewaltigungen, wurden.
Die Besinnung auf autorität-machistisch Denkmuster unter den männlichen Banlieue-Jugendlichen, die sich selbst zu Tugendwächtern in ihren Vierteln ernannt haben, geht mit dem sozialen Zerfallsprozess der Vorstädte, dem Fehlen von Zukunftsperspektiven und nicht zuletzt mit dem Autoritätsverlust der Eltern durch langjährige Arbeitslosigkeit einher.
Oftmals haben die ältesten Söhne den Platz der Familienväter eingenommen und zwingen den Schwestern, aber auch der eigenen Mutter, die eigenen konservativen Wertevorstellungen auf.
In einer von Härte und Konkurrenz geprägten Umgebung werden Wut und Minderwertigkeitsgefühle leicht durch Gewalt und machistisches Verhalten schwächeren gegenüber kompensiert.
Sihem Habchi sieht eine Teilschuld bei der Regierung, die die Mittel zur Gewaltprävention und Aufklärung immer weiter kürzt. „Es kann nicht sein, dass wir unsren Jugendlichen in einer demokratischen Gesellschaft nichts anderes bieten können, als den Rückzug auf archaische Werte. Und die Frauen sind dabei die ersten Opfer. Sie verschwinden aus dem öffentlichen Raum und werden unsichtbar.“
Dennoch sind die Banlieues keine Enklaven der Rückständigkeit und des Sexismus in einer egalitären und emanzipierten Republik. Diese Darstellung würde die „Angstkampagne“ mancher Medien gegenüber Immigration, Kriminalität und Vorstädten nur bestätigen. Es gibt in Frankreich ca. 1,5 Millionen misshandelte Frauen. Sie leben keineswegs alle in den Banlieues.
Lisa Jandi
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