Im Mittelalter waren sie Troubadoure genannt. Ihre Rolle bestand darin, die Erfahrungen den älterer Generationen den Jüngeren ins Gedächtnis zu rufen. Inzwischen sind sie von dem Fernsehen ersetzt worden. Dennoch kommen sie in letzter Zeit aus dem Schatten. In Frankreich werden die Märchenerzähler wie Schauspielere von dem Staat anerkannt. In den 80er gab es nur 50 von denen. Heute sind sie mehr als 500. Sie bringen Geschichte, Träume, Abenteuer, genau wie damals. Dennoch ist es schwer, das Leben eines Märchenerzählers vorzustellen. Jan Dober wohnt in Berlin und hat sein Beruf daraus gemacht. Er hat angenommen, auf ein paar Fragen zu antworten:



1. Wie sind Sie darauf gekommen, Märchen zu erzählen?
Als Kind habe ich immer sehr viel gelesen und Hörspiele auf Kassette gehört. Mich hat das immer sehr fasziniert! Mein Großvater hat mir, bei meinen zahlreichen Besuchen, sehr viele Geschichten erzählt. Ich habe ihm immer sehr gerne zugehört und mir versucht vieles bildlich vorzustellen. Es waren Geschichten, die er im Krieg erlebt hat oder einfach nur welche, die er sich ausgedacht hatte, das waren die Anfänge. Mittlerweile arbeite ich hauptberuflich als Geschichtenerzähler und Kinderzauberer. Irgendwann bin ich auf die Idee gekommen, beides mit einander zu kombinieren. So ist der Märchenzauberer entstanden.
2. Haben Sie diesen Beruf allein gelernt? Was und wer hat Ihnen dabei geholfen?
Ich habe mit 9 Jahren angefangen Zaubern zu lernen. Habe mir Bücher gekauft, Videokassetten, um Zauberkunststücke zu lernen. Später habe ich dann einige andere Zauberkünstler kennengelernt und mich mit Ihnen ausgetauscht, so konnte man sich gegenseitig bestimmte Kniffe zeigen. Um besser Erzählen zu können, nahm ich Schauspielunterricht. Das war hilfreich für die Mimik und Körpersprache, um während der Erzählung einen stärkeren visuellen Eindruck zu hinterlassen. Später habe ich noch andere Geschichtenerzähler getroffen und mich auch mit Ihnen ausgetauscht.
3. Wie arbeiten Sie, um Sie vorzubereiten, eine neue Geschichte zu erzählen?
Ein Kinderprogramm muss gut vorbereitet sein, jeder Handgriff muss stimmen, sowie die Aufmerksamkeit gegenüber den Kindern. So müssen die Geschichten auch aufgebaut sein. Ich überlege mir ein Gesamtkonzept und eine Struktur einer Märchenzaubergeschichte. Während des Schreibens habe ich dann schon Ideen für Zauberkunststücke, die ich integrieren kann. So entwickeln sich dann auch während des Schreibens neue Wege in der Geschichte. Im Endeffekt merke ich mir dann nur den roten Faden der Geschichte, quasi die Rahmenhandlung. Und vergesse meine Ausarbeitung wieder. So kann ich besser auf die Kinder reagieren und dadurch wirken die Geschichten lebendiger. Oft passiert es, dass ich das eigentliche Ende noch eben umändere und dann spontan ein anderes erzähle.
4. Was suchen sie in einer Geschichte? Was ist das wichtigste für Sie? Was sind ihre Schwerpunkte? Wo finden Sie die Inspiration? Was mögen Sie am liebsten?
Für die Kinder müssen in einer Geschichte Abenteuer stattfinden, um Ihre Aufmerksamkeit zu erhalten. Unbewusst vermittle ich aber in meinen Geschichten eine Menge über Freundschaft. Das Thema Natur spielt eine sehr wichtige Rolle. Es ist wichtig Sie zu schützen und nicht kaputt zu machen. Gemeinsam sind wir stark. Es ist auch so, dass ich immer einen kindlichen Helden habe, mit dem sich die Kinder identifizieren können. Somit ist die unbewusste Lernphase viel stärker ausgeprägt und sie können für sich mehr Werte herausziehen. Inspiration finde ich überall. Aber die meiste bekomme ich von den Kindern. Kinder sind ein wahrer Energiepool an Kreativität. Sie sagen ehrlich was sie doof finden und was nicht. Und das ist spannend. Man kann mit den Kindern wunderbar Geschichten entwickeln, spielerisch.

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 CD: Geschichten aus dem Elfenfabelwesenwald
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5. Ihrer Meinung nach, inwiefern ist es wichtig für ein Kind, Geschichte zu hören?
Für Kinder sind Geschichten das Wichtigste überhaupt. Sie dienen wunderbar zur Bildung der eigenen Phantasie. Tugenden werden den Kindern in den Märchen in Geschichten vorgelebt. Deswegen müssen diese auch immer ein gutes Ende haben. Die Kreativität wird gefördert. Geschichten dienen auch zu einer Menge Gemeinsamkeit in der Familie quasi als soziales Ereignis. Die Kinder können zuhören, während die Eltern erzählen, natürlich kann das Kind miterzählen. Leider haben sich in Deutschland die Fernsehgewohnheiten bei den Kindern stark verändert. Durch den übermäßigen Fernsehkonsum, sinkt z.B. die Aufmerksamkeitsspanne.
6. Kann man damit sein Leben verdienen?
Mann kann! Man muss es sogar. Man kann diesen Beruf nur hauptberuflich machen, da erst durch häufige Auftritte eine gewisse Routine eintritt. Und nur durch häufige Auftritte kann man den Umgang mit Kindern besser lernen. Jeder Auftritt und jedes Kind ist anders und diese Mannigfaltigkeit kann man eben nur durch häufige Auftritte lernen.
7. Was können Sie mir sagen über die Geschichte den Geschichteerzählern, und was ist ihre Rolle in der heutigen Gesellschaft? Man spricht von einer Entwicklung von diesem Beruf, den immer mehr anerkannt wird. Stimmt das in Deutschland? Sind sie von dem Staat betreut ?
Der Ursprung der Geschichtenerzählung liegt in der Nachrichtenübertragung. Informationen hat man sich nur mündlich weitergegeben. Später wurde dann die eigentlichen Informationen mit viel Fantasie ausgeschmückt und so entwickelte sich das immer mehr hin zu erdachten Geschichten. Am Anfang waren diese auch nur für Erwachsene, auf Grund teilweiser sehr detaillierten Beschreibungen, gedacht. Später wurden sie mehr verharmlost und so konnten auch Kinder den Geschichten lauschen. Für Kinder ist es einfach wichtig Geschichten zu hören bzgl. Ihrer Fantasie und Werteerlernung. Für Erwachsene hingegen dienen Geschichten mittlerweile nur noch zur Belustigung. Sei es bei Gruselgeschichten, dass sich bewusste erschrecken lassen oder einfach nur ComedyGeschichten. Vom Staat werde ich nicht betreut. Zum Anfang meiner freiberuflichen Tätigkeit habe ich noch ein Existenzförderungszuschlag erhalten, der ist aber schnell ausgelaufen.
8. Was wollen Sie den Kindern bringen, wann sie erzählen? Was wollen Sie mitteilen jenseits die Geschichte?
Meine Hauptambition bei meinen Geschichten ist die Wertschätzung der Natur und wie wichtig diese ist. Gerade Stadtkinder haben in der heutigen Zeit kaum Bezug zur Natur. Dieses kann man in Geschichten zumindest wecken. Auch Gemeinschaftsgefühle wie Freundschaft und Hilfsbereitschaft sind wichtige Werte, die ich gerne in meinen Geschichten verarbeite.
Gautier FERON