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Ein früher Morgen in Paris. Wir drehen hier für Arte in der Stadt, in der ich vor 15 Jahren studiert habe. Mit Schwung betrete ich die Bäckerei, mit Elan bestelle ich die Croissants fürs Team - und mit einem "Voilà, Mademoiselle !" reicht sie mir die Bäckerin.

 

Dieses "Fräulein" habe ich lange nicht mehr gehört. In Frankreich ist es noch an der Tagesordnung, aber warum bin jetzt ich, eigentlich unausgeschlafen, "une mademoiselle"? "Sie haben so viel Energie, sind so jugendlich, da kommt das Mademoiselle ganz automatisch!", erklärt sich die Dame hinterm Tresen.

 

Mademoiselle - das war ich bis zum Ende meines Studiums in Frankreich. Als ich nach Deutschland gegangen bin, war ich von einem Schlag auf den anderen "Frau". Das passte gut zum Alter, in dem man sich Respekt wünscht. Damals sagte in Deutschland kaum einer mehr "Fräulein". Einmal, noch im Studium, war ich zu Besuch in Berlin. Die Bibliothekarin sagte in meine Richtung: "Frau Elias" - und ich drehte mich um. Ich dachte, jetzt steht meine Mutter hinter mir.

 

Das "Mademoiselle" ist aber nicht nur ein Kompliment für jugendliche Energie. Es ist Teil der Sprache der Verführung und zeigt an, dass die betreffende Person weiblichen Geschlechts noch "zu haben" ist. In Frankreich gibt es jetzt eine Bewegung gegen das "Mademoiselle". Immer mehr Frauen empfinden es als diskriminierend, als mache erst der Ehemann aus einer Frau eine Frau. "Mademoiselle" taucht indes sogar in offiziellen Formularen auf, obwohl kein französisches Gesetz eine Unterteilung der Frauen in 'verheiratet' und 'unverheiratet' vorsieht.

 

In Deutschland ist das Fräulein inzwischen sogar politisch unkorrekt. Es ist fast ausgestorben. "Fräu-lein!" mit einer betonten Verlangsamung des betonten Umlauts, das ist eine Drohung, die manches kleine oder größere Mädchen hierzulande kennt. Übersetzt heißt es: "Mach' was ich sage, oder es setzt Konsequenzen!"

 

Mademoiselle aber finden viele noch heute charmant. Manche Französin hat aus der Familienstandsangabe einen Teil der eigenen Person gemacht. Mademoiselle Nathalie Baye durfte ich letztens in Berlin interviewen, ich war natürlich Frau Elias. Sie ist etwas jünger als meine Mutter. Das Gleiche hätte mir mit Mademoiselle Jeanne Moreau passiert sein können, die noch eine Generation älter ist.

Die berühmteste Mademoiselle von allen war aber Coco Chanel, sie hieß damals nur "Mademoiselle", ganz ohne Namen.

 

Abends, wieder beim Bäcker, nach einem langen Arbeitstag eine Quiche: "Vous voulez autre chose, Madame?"

Caroline Elias

 








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Orak /// Monday, 23-10-06 04:04

Jemand wird finden!

Sicherlich!!!

 

Caroline /// Saturday, 21-10-06 08:59

Durchschnittsalter der Producer DORT (in der Firma) meinte ich natürlich.

"Morgens Rosine, mittags Traube, abends ...

lässt sich über das Internet offenbar nicht rasch finden. Es ist eine Liedzeile aus der Zeit von vor dem Internet. Ich bin selbst überrascht, denn der Sänger (ein Mann) ist recht bekannt (gewesen) in der DDR, aber auch im Westen.

Nun Schluss. Viel spannender fände ich Ihre/Eure Vorschläge: Worüber soll ich hier in der Glosse schreiben?

 

Caroline /// Friday, 20-10-06 15:48

... gerade erhalte ich eine Mail aus Paris. Die Begrüßungsformel lautet "Mademoiselle". Ich beschwere mich mit scherzendem Unterton bei dem Kollegen, einem Filmproducer. Seine Antwort: "Wenn man nicht weiß ob 'Madame' oder 'Mademoiselle', sollte man immer 'Mademoiselle' wählen!" Das Durchschnittsalter der Producer liegt bei 40 Jahren.

 

caroline /// Thursday, 19-10-06 14:58

parce que. darum.

warum es sich bei dem ausgelobten preis plötzlich um ein geschäftsessen handele, fragt ein leser, das sei neu. wobei er mit dem wort affäre spielt - les affaires stehen auf französisch primär für handel und wandel.

piste : kleine spur: es geht um DDR-alltagskultur, c'est une citation tirée de la culture de la RDA.

wie ich schon sagte, das löst offenbar so schnell niemand hier. je regrette devoir me répéter, mais vous n'allez pas trouver !

bises, c.

 
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