Das Monumentalwerk
Die Ausgabe der Gazette de Berlin vom 15. Oktober 1757 kündigte ein neues Werk an, für das Subskribenten gesucht wurden.
Die neue literarische Gesellschaft von Limoges plante ein Projekt, welches größer oder wichtiger wohl noch nie von einer solchen Gesellschaft in Angriff genommen wurde. Die Akademiker, die sich selbst „Pantobiographen“ nannten, wollten über das Leben aller Menschen von Adam bis zum heutigen Tage berichten. Das entsprechende Werk sollte zwei Teile haben – Vergangenheit und Moderne.
Der erste Teil sollte chronologisch geordnet die Namen aller Männer, Frauen und Kinder enthalten, über die in jeglichen Arten von Büchern, aller Zeiten und aller Länder je gesprochen wurde. Wenn möglich sollten die Namen mit Abbildungen oder Informationen aus ihrem Leben ergänzt werden. Der Umfang des ersten Teils war auf 200 Foliobände angelegt.
Die Moderne - der zweite Teil sollte absolut alle damaligen Bewohner des Globus umfassen. Um dieser Aufgabe gerecht werden zu können, forderten die Autoren die entsprechenden Unterlagen von allen existierenden Städten, Dörfern und Wohnplätzen ein.
Auch dieser Teil sollte chronologisch geordnet sein, angefangen von der ältesten Person die momentan lebte bis hin zum jüngsten Kind, das gestern geboren wurde. Zur Illustration sollten von allen Menschen, von denen Gemälde oder Zeichnungen existierten, Abbildungen abgedruckt werden. Dieser Teil sollte 800 Foliobände umfassen.
Abschließend hieß es in der Gazette, dass es eine Freude ist, dass der Öffentlichkeit ein solcher Schatz zur Verfügung gestellte werden soll.
In dem ganzen Artikel fehlt jegliche Skepsis oder ein auch nur leiser Zweifel, wegen der Machbarkeit eines solchen Mammutvorhabens. Dem heutigen Autor ist leider nicht bekannt, ob je auch nur ein Band dieser Serie erschienen ist.
Frank Drauschke
Historische Miszellen von Facts & Files - Historisches Forschungsinstitut Berlin - www.factsandfiles.com