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Schon die drei offiziellen Namen symbolisieren die Sprengkraft die dieser Staat besitzt. Obwohl Belgien im Herzen der Europäischen Union liegt und immer an der Vorfront des europäischen Einigungsprozesses stand, gären im Innern noch die alten Gegensätze zwischen Flamen und Wallonen. Eskaliert ist der Streit in diesem Jahr. Belgien befindet sich in einer tiefen Staatskrise. Selbst nach sechs Monaten ist es den belgischen Parteien nicht gelungen, eine neue Regierung zu bilden. Dabei sind es nicht die ideologischen Gegensätze die unüberwindbar scheinen, sondern Christdemokraten oder Liberale aus Flandern und Wallonien kommen nicht an einen gemeinsamen Tisch. Die Gründe dieses Konfliktes liegen wie so oft in der Geschichte:

Die spanischen und später österreichischen Niederlande blieben nach der Reformation katholisch und entwickelten sich sehr unterschiedlich von den im Norden liegenden protestantischen Landesteilen. 1815 wurden beide Gebiete im Vereinigten Königreich der Niederlande zusammengeführt. Besonders die Dominanz des Nordens, der niederländischen Sprache und der Kalvinistischen Religion schürte den Unwillen im Süden. 1830 kam es zur Revolution und zur Erklärung der Unabhängigkeit Belgiens. Der belgische Nationalkongress trug dem deutschen Fürsten Leopold von Sachsen-Coburg die Königkrone an. Am 21. Juli 1831 wurde er feierlich als Leopold I., zum König der Belgier gekrönt.

Der neue Staat stand auf wackeligen Beinen, die Wirtschaft lag am Boden und obwohl nun kein Religionskonflikt mehr bestand, wurde der Samen für den noch heute andauernden Sprachenkonflikt gelegt. Seither steht der flämisch sprechende Norden dem französisch sprechenden Süden gegenüber. Der Sprachenstreit hat sich im 20.Jahhundert immer weiter verschärft und die 1962 erstmals geografisch bestimmten Landesteile „Flandern“ und „Wallonien“ entwickeln sich immer weiter auseinander. Heute gibt es starke Autonomiebestrebungen in beiden Landesteilen und sogar separatistische Ideen wie etwa dem Anschluss Flanderns an die Niederlande oder Walloniens an Frankreich werden noch vertreten.

Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte. Profitiert von der Föderalisierung Belgiens hat die kleine deutsche Minderheit, die in Ostbelgien lebt. Die Gebiete um Eupen-Malmedy wurden nach dem Versailler Vertrag 1920 von Deutschland abgetrennt und vorerst nur von Belgien verwaltet. 1925 erfolgte die vollständige Eingliederung in den belgischen Staat. Heute bilden die Deutschen mit ca. 72 000 Menschen die dritte Sprachgemeinschaft und erfreuen sich einer weitgehenden Autonomie in Belgien.

 

Frank Drauschke

 








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