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„Kindergarten“ ist eines der wenigen deutschen Wörter, die international verständlich sind und sogar Einzug in die englische Sprache gehalten haben. Friedrich Fröbel, der 1840 im thüringischen Bad Blankenburg den ersten deutschen Kindergarten gründete, hatte diesen botanisch anmutenden Namen gewählt, da seiner Ansicht nach Kinder zarten Pflanzen gleich aufgezogen und in engem Kontakt mit der Natur allseitig geistig und körperlich angeregt werden sollten. Die althergebrachte Bezeichnung ist allerdings besonders in Berlin, durch das unschöne, von Bürokraten erfundene Akronym „Kita“, kurz für Kindertagesstätte, ersetzt worden.

 

Ungeachtet dessen hat die Idee der umfassenden persönlichkeitsfördernden Betreuung von Kleinkindern gerade nach dem PISA-Schock in Deutschland neue Aktualität erlangt. Der Bildungsauftrag der Kindergärten und die Frühförderung des Kindes stehen im Mittelpunkt einer regen Debatte von Politikern und Pädagogen. Jedem Kind steht ab vollendetem dritten Lebensjahr rechtlich ein Kindergartenplatz zu. Im Unterschied zu vielen anderen – vor allem westdeutschen Städten – verfügt Berlin über eine dichte fast unüberschaubare Kindergartenlandschaft. Kommunale und private Betreuungseinrichtungen, unter ihnen Montessori-, Waldorf-, kirchliche, künstlerisch ausgerichtete und fremdsprachliche Kindergärten und Kinderläden, buhlen mit verschiedenen Erziehungskonzepten um die Gunst der Eltern. Die Gebühren sind verglichen mit anderen deutschen Großstädten moderat. Im Zuge des Berliner Wahlkampfs kündigt SPD-Bürgermeister Wowereit sogar an, unter seiner Regierung werde ab 2007 das letzte Kindergartenjahr, zu einem späteren Zeitpunkt die gesamte Kindergartenzeit kostenlos sein. Ist Berlin ein Schlaraffenland für junge Familien? Wie so oft, sieht die Realität anders aus. Zwar besteht der Anspruch auf einen Kindergartenplatz, doch wird der Umfang der Betreuungszeit vom Jugendamt strikt von der beruflichen Tätigkeit beider Elternteile abhängig gemacht. Auch sollte der Kampf um einen Platz im Wunschkindergarten frühzeitig aufgenommen werden. Denn die meisten der alternativen Einrichtungen freier Träger schrecken zunächst durch lange Wartelisten ab. Besonders die deutsch-englischen oder deutsch-französischen Kindergärten sind wegen ihrer begrenzten Kapazität oftmals den Kindern aus Muttersprachlerfamilien vorbehalten. Es erfordert nicht selten Glück und Beharrlichkeit, um einen der begehrten Plätze zu ergattern.

 

Der deutsche Kindergarten, dessen Schwerpunkt traditionell auf der Entwicklung sozialer und motorischer Fähigkeiten sowie der Förderung von Phantasie und gestalterischem Ausdrucksvermögen liegt, unterscheidet sich nach wie vor stark von dem französischen Modell der école maternelle, bei dem die schulische Form der Wissensvermittlung im Mittelpunkt steht. Ausgelöst durch die offensichtlichen Defizite deutscher Schulkinder, werden jedoch auch hierzulande in allen Kindergartenkonzepten die Kinder bewusst als Lernende begriffen. Ihre Wissbegier wird im Rahmen von neuen Lehrprogrammen gezielt befriedigt und gefördert. Sie sollen auf spielerische Weise das Lernen erlernen.

 

Susanne Rahner und Frank Drauschke








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