# #
Garagiste français à Berlin

imprimer   22.05.2013 
N°. 38Accueil / EmpfangAgendaDie Gazette Politique 2013Economie 2013Société 2013Culture 2013Lieux 2013Musique 2013Evènements 2013Médias-Com 2013Sport 2013Economie 2011Société 2011Photo de la semaineVos commentairesBlogsNos conseils BlogsSur nos blogs...Créez votre blog!L'équipeLa Gazette a 6 ans ! Qui sommes nous?Wer sind wir ?Who are we ?KTO мы ?Fixeur à Berlin ServicesL'Allemagne en françaisLaisser une annonceInfolettre & RSSPetites AnnoncesPublicité / WerbungAnnonceursLiens / LinksContactImpressumArchivesNos archivesChronique historique










Frau in Burka, Deonnajan


Gewöhnlich bekleiden sich Bankräuber mit modischen Feinstrumpfhosen in eng anliegendem Nylon. Im Pariser Umland, genauer gesagt in Athis-Mons im Departement Essonne, griffen die Posträuber am vergangenen Samstag etwas tiefer in die Klamottenkiste. Zum Vorschein kam ein Kleidungsstück, welches die französische Öffentlichkeit in den vergangen Monaten stark geprägt hatte: Die Burka.


Will man in Frankreich eine Poststelle betreten, muss man auf das Wohlwollen der Angestellten hoffen. Nicht ganz der rote Knopf aber doch ein wichtiger Schalter ist des Öfteren die Zugangsberechtigung zum Serviceland der Post.

Am vergangenen Samstag gegen 10.30 Uhr sind es zwei verschleierte schwarze Gestalten, die um Einlass bitten. Die Postangestellten verrichten den Dienst wie vorgesehen, schließlich ist nichts Außergewöhnliches zu bemerken - zwei muslimische Frauen, welche das Bild einer zunehmend um sich greifenden Burka-Mode bestätigen. Vielleicht lässt diese Erscheinung bei einigen der Anwesenden die Pro und Kontra Argumente der letzten Monate aufblitzen. Vielleicht halten einige der Anwesenden ein Verbot des Burka-Tragens in der Öffentlichkeit für angebracht. Schließlich ist Frankreich eine laizistische Republik und die Ungleichbehandlung der Frau wird, zumindest wenn man sich nicht an die eigene Nase fassen muss, stark verurteilt.

 

Wie dem auch sei befinden sich die Anwesenden alle irgendwo zwischen Feierabendssehnsucht und Wochenende als der Vorhang wider erwartend fällt. Denn unter den Burkas verbergen sich keine unterdrückten muslimischen Frauen, sondern zwei Männer und eine Kurzwaffe. Der materielle Beutezug beträgt sich auf 4 500 Euro - die ideellen Auswirkungen sind vielleicht weitaus größer.

 

Die Burka in der Retrospektive

 

War noch im Jahr 2004 das Kopftuch das meist diskutierte Kleidungsstück in der französischen Öffentlichkeit, so hat ihm spätestens seit der Sommerkollektion 2009 die Burka den Rang abgelaufen – im übertragenen Sinne versteht sich. Denn „die Burka ist in Frankreich nicht willkommen“, wie es Staatspräsident Nicolas Sarkozy kürzlich zu verstehen gab. Und auch andere ablehnenden Stimmen prägten in den vergangenen Monaten die französische Meinungslandschaft.

 

Unter Vorsitz des kommunistischen Abgeordneten André Gerin (PCF, zu Dt. kommunistische Partei Frankreich) schlossen sich im Juni 2009 etwa 60 Parlamentarier aus allen politischen Richtungen zusammen. Gemeinsam ist den Abgeordneten, dass sie die Burka als Angriff auf die individuellen Freiheiten der laizistischen Republik betrachten. Dies führte zur Einrichtung eines parlamentarischen Ausschusses, welcher die Leitlinien und die Möglichkeiten eines gesetzlichen Burka-Verbots in öffentlichen Einrichtungen erörtern sollte. Sihem Habchi, die Präsidentin der französischen Frauenbewegung « Ni putes ni soumises » gilt als klare Befürworterin der Initiative.*

 

Bus und Bahn bald ohne Burka?

 

Mit etwas Verspätung veröffentlichte die Informationsgruppe am 26. Januar 2010 schließlich ihren Bericht. Eine gemeinsame Resolution gegen das Burka-Tragen in öffentlichen Einrichtungen – also auch in öffentlichen Verkehrsmitteln. Der erwartete Gesetzesentwurf lässt allerdings noch auf sich warten, denn die Frage über die Verfassungsrechtlichkeit und dem Einklang mit der Europäischen Menschenrechtskonvention ist noch ungeklärt.

Zudem hat sich die einst bunte Truppe der Parlamentarier mittlerweile an den üblichen Konfliktlinien aufgehängt. Der konservative Flügel der UMP unter dem Fraktionsvorsitzenden Jean-Francois Copé befürwortet ein generelles Verbot der Burka in der Öffentlichkeit, eine Haltung die nicht von allen UMP-Abgeordneten geteilt wird. Die Sozialisten haben sich gänzlich aus der Kommission verabschiedet. Nicht der Schutz der individuellen Freiheitsrechte sondern die Debatte um eine nationale Identität sei Motiv der Gaullisten und somit untragbar. Premierminister Francois Fillon hat nun den Rat des Conseil d’Etat** einbezogen um über die juristischen Möglichkeiten eines Burka-Verbots zu entscheiden.

 

 

Islamophobie oder religiöser Fanatismus

 

Ob die Burka nun bald gänzlich vom Laufsteg verschwindet, wie es in Teilen Belgiens bereits seit 2004 der Fall ist bleibt also noch offen. Sicher ist, dass die aktuelle Debatte in einem schwierigen Kontext verortet ist. Handelt es sich beim Tragen des Kleidungsstückes um eine religiöse oder um eine politische Ausdrucksform? Hat ein solches Gesetzt nicht gerade den Rückzug der Betroffenen aus dem öffentlichen Leben zur Folge? Führt ein solches Verbot nicht vielmehr zu einer vermehrten Stigmatisierung und zielt an den Ursachen vorbei?

Die Anzahl der Burka-Trägerinnen gemessen an der muslimischen Gesamtbevölkerung ist minimal. Sollte die französische Öffentlichkeit dem Schweizer Vorbild folgen und dem demokratischen Minderheitenschutz entgegenwirken?

Welches Ausmaß die Burka-Debatte in Frankreich bereist angenommen hat, zeigt die heftige Auseinandersetzung im Wahlkampf für die Regionalwahlen 2010. Nicht die Burka, sondern ein simples Kopftuch könnte der NPA ***- Kandidatin Ilham Moussaid im Departement Vaucluse jetzt zum Verhängnis werden. Sollte es in einer europäischen Demokratie nicht möglich sein, die Attribute laizistisch, feministisch und religiös in einer Person zu vereinen? Sind wir dabei eine eindimensionale Sicht des Islam zu bestärken? Um zu erkennen, dass ein Kopftuch in den meisten Fällen eine selbstgewählte Ausdrucksform der Religionszugehörigkeit bildet, muss man jedoch differenzieren. Und das scheint den Polemikern von Rechts nach Links nicht zu gelingen.

Bis jetzt hat kein europäisches Land ein nationales Gesetzt zum Verbot der Burka verabschiedet. Während die britische Multikulturalismusidee ein Verbot de facto nicht zulässt, hat die französische Initiative auf die europäischen Nachbarn und Kanada abgefärbt. Die Burka wird wohl weiterhin Diskussionsgegenstand bleiben. Der Postraub am vergangenen Samstag in Athis-Mons könnte jedoch zu einer schnelleren Entscheidung beitragen. Denn zu den bisherigen Kritikpunkten wie der sichtbaren Zurschaustellung der Religion und der Unterdrückung einer bejahenden weiblichen Entfaltung dürfte die Burka seit dem ein weiteres Gefahrenelement in sich bergen: die Gefährdung der öffentlichen Sicherheit.

 

 

* « Ni putes ni soumises » [zu Dt. Weder Huren noch Unterwürfige] ist eine französische, emanzipatorische Frauenbewegung, die sich seit 2003 dem Kampf gegen die Abwertung von Mädchen und Frauen und gegen geschlechtsspezifische Gewalt im Alltag widmet. Die Bewegung ist vor allem in sozial benachteiligten Gegenden aktiv.

 

** Der Conseil d’Etat [zu Dt. Staatsrat] ist das oberste Verwaltungsgericht und zugleich Beratungsgremium der Regierung in rechtlichen Fragen.

 

*** Nouveau Parti Anticapitaliste [zu Dt. Neue antikapitalistische Partei] ist aus der trotzkistischen Ligue communiste révolutionnaire [zu Dt. Kommunistische revolutionäre Liga] der IV. Internationale hervorgegangen und besteht seit 2009 als linksextreme Partei in Frankreich.

 

Merle Heinrich

11.02.2010

 

Artikel Ni Putes, ni soumises

 

Artikel Kopftuch








resultats entre 1 et 1 de 1
 

Hans & Atik /// Donnerstag, 04-03-10 09:01

Bravo la gazette!

vous arrivez chaque fois à être drôle et intelligent, il y a vraiment un ton un esprit et wenig Mist.

continuez comme ca!

(ce serait pas mal si vous parliez un peu plus de Hambourg?)

 
 

Ins Gästebuch eintragen

 

Image CAPTCHA pour prévenir l'utilisation abusive
 
 

La Gazette sur les réseaux sociaux : "déjà plus de 7500 "j'aime" qui suivent l'actu de La Gazette sur Facebook et plus de 2200 sur Twitter" "déjà plus de 7500 "j'aime" qui suivent l'actu de La Gazette sur Facebook et plus de 2200 sur Twitter"

Google
Web La Gazette
Blogs Facebook

Garagiste français à Berlin


Prix d'honneur Louise Weiss du journalisme européen.




Jean-Patrick REVEL, avocat bilingue franco-allemand.
Rechtsanwalt – Fachanwalt f. Familienrecht
Beer, Gastl & Partner
Schloßstraße 17
13467 Berlin
Tel. +49 (0)30 810 335 620
www.ra-revel.de

Faites votre pub ici!

Auberges de Jeunesse à Berlin



KOCH KARIMI
Cabinet d’avocats franco-allemand
(Berlin – Paris)
Rechtsanwälte, in Deutschland und Frankreich zugelassen

MEDIATIS
Faire un crédit pour financer ses études à l'étranger

JOBISJOB
Toutes les offres d’emploi à Berlin et partout en Europe





LEO - Dictionnaire