06.09.2010  
  N°. 14 /// Du 07 au 20 décembre 2006 / Die Gazette / Historische Miszellen /   
  Historische Miszellen  
   
 

Charité – Ort der Barmherzigkeit in Berlin

Wie kam das berühmteste Krankenhaus Berlins zu seinem französischen Namen?

 

Auf Anordnung König Friedrich I. wurde in Vorbereitung auf die herannahende Pest 1710 außerhalb der Stadt vor dem Spandauer Tor ein Quarantäne-Haus errichtet. Die Pestepidemie verschonte Berlin und das Haus wurde daraufhin ein Hospital für Alte und Kranke. Im Januar 1727 wurde es mit der damals sehr fortschrittlichen chirurgischen Lehranstalt zusammengeschlossen. Die Behandlung war für die Kranken kostenlos. König Friedrich Wilhelm I. war es, der ihm daher seinen Namen verlieh. Auf einer Akte notierte er 1727 „Es soll das Hauß die charite heissen F.W.“. Seitdem steht der Krankenhausbetrieb in Berlin unter dem Motto der „Barmherzigkeit“.

 

Vor genau 250 Jahren, 1756 öffnete ganz in der Nähe in der Oranienburger Straße das Jüdische Krankenhaus. Es war später nicht nur in der Jüdischen Gemeinde sehr beliebt und wurde im Volksmund „Kleine Charité“ genannt.

 

Obwohl gerade in der Charité oft neue Behandlungsmethoden entwickelt wurden, war man in Berlin häufig skeptisch.

Am 11. Juni 1757 berichtete die Gazette de Berlin über die Versuche der Anwendung des elektrischen Stroms in der medizinischen Therapie. Der Arzt Peter Zetzell war in Uppsala entlassen worden, da man seine Behandlungserfolge anzweifelte. Der Artikel verzeichnete eine lange Liste von Krankheiten, bei denen er Patienten recht schmerzvoll elektrifiziert hatte und welche Wirkungen dabei erzielt wurden. So heißt es etwa: „bei Erblindung – kein guter Effekt, bei Migräne zuerst etwas Erleichterung und danach Rückkehr derselben Schmerzen, bei Ischias eher schlechter als besser“ Insgesamt kam man zu dem Schluss, dass der Elektrizität als Heilmittel kein großer Erfolg beschert werden würde.

 

Frank Drauschke

 

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