Im Oktober 1806 gab es keine französische Zeitung in Berlin, die über die schicksalsschweren Ereignisse berichten konnte.
Napoleon war auf seinem Siegeszug durch Europa. Am 14. Oktober 1806 hatte er die preußische Armee bei Jena und Auerstädt vernichtend geschlagen. Der preußische König Friedrich Wilhelm III., Königin Luise und der ganze Hofstaat befanden sich auf der Flucht. Sie verschanzten sich im nordöstlichsten Zipfel des Landes, im ostpreußischen Memel. Der Berliner Volksmund verspottete den König mit dem Spruch „Unser Dämel sitzt in Memel!“. Alle preußischen Festungen hatten sich kampflos ergeben und die französische Armee konnte schnell zur Hauptstadt vorrücken. Am 27. Oktober 1806 empfing eine Bürgerdeputation Napoleon vor dem Brandenburger Tor und übergab ihm symbolisch die Schlüssel der Stadt. Daraufhin zog der Kaiser mit seiner Armee in einem Triumphzug durch Berlin.
Der Sieger ließ es sich nicht nehmen, eine reiche Kriegsbeute an Kunstschätzen einzusammeln. Auch die Quadriga wurde vom Brandenburger Tor abgebaut und nach Paris gebracht. Mit den Franzosen kamen auch positive Neuerungen, so wurde in der Stadt unter anderem die bürgerliche Selbstverwaltung mit Wahlen für einen Verwaltungsausschuss eingeführt. Die Besatzung Berlins dauerte bis 1808. Im März 1812 kamen wieder napoleonische Soldaten nach Berlin. Sie wurden ein Jahr später am 4. März 1813 endgültig von russischen Truppen aus Berlin vertrieben. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm die französische Militäradministration das Vermächtnis des Kaisers wieder auf und benannte ihr Wohngebiet in Reinickendorf in „Quartier Napoléon“.