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Nach seinem Debüt in Kanada und Frankreich im letzten Jahr erscheint am 7. Juli Xavier Dolans zweiter Film in den deutschen Kinos. Mit Herzensbrecher (frz: Les Amours Imaginaires) bleibt der kanadische Newcomer seiner Linie treu: Authentizität triff auf Romantik, Sehnsucht auf die harte Realität.



Wer war nicht schon einmal unglücklich verliebt? Wer hat nicht schon einmal das Gefühl gehabt, hoffnungsvoll an etwas festzuhalten und es doch zu verlieren? Genau diese Emotionen hat der junge Regisseur und Schauspieler Xavier Dolan mit Herzensbrecher auf eine Weise inszeniert, die Moderne mit Klassik verbindet und einen Drahtseilakt zwischen Gefühlschaos und Simplizität vollzieht.

 

Das Leben der Freunde Marie (Monia Chokri) und Francis (Xavier Dolan) wird durcheinandergebracht, als sie auf einer Party die Bekanntschaft des interessanten Nicolas (Niels Schneider) machen und sich beide in ihn verlieben. Ein verbittertes Duell um die Gunst des blonden Lockenkopfs entsteht. Jede Geste, jede Handlung wird fortan interpretiert und von Treffen zu Treffen steigt die Spannung innerhalb des Dreiergespanns. Weder der zynischen Marie, noch dem sensiblen Francis gelingt es jedoch, Nico für sich zu gewinnen. Ein Teufelskreislauf, an dem die Freundschaft zu zerbrechen droht, nimmt seinen Lauf.

 

Xavier Dolan ist es auch diesmal gelungen, psychologischen Tiefgang mit leichter Unterhaltung zu verbinden. Mit Herzensbrecher greift er die Symbolik der Orientierungslosigkeit und der Sehnsucht nach dem Seelenverwandten auf. Les Amours Imaginaires, die imaginären Liebschaften, lautet der Originaltitel und ist somit weitaus treffender gewählt als das deutsche Pendant. Schließlich es ist das Imaginäre, das die Stärke Dolans Verfilmung ausmacht. Die Charaktere sprechen nicht über ihre Gefühle. Stimmung und Gedanken werden über Bild und Musik vermittelt.

 

Die Einfachheit der Dialoge lässt Interpretationsspielraum offen und lädt zum Nachdenken ein. Von Originalität zeugt insbesondere die Rahmenhandlung, die aus einer Reihe von Interviews mit jungen Menschen besteht, die von ihren verflossenen Lieben berichten und dabei kein Blatt vor den Mund nehmen.

Retro-Pop, Kitsch und doch echt – mit Songs von The Knife und Indochine über Dalida und Isabelle Pierre, Vintage Klamotten à la Audrey Hepburn und einem offensichtlichen Hang zum Hipster-Dasein scheinen alle Elemente ihren Einklang zu finden. Die nötige Würze bringen die Kulisse Montreals und natürlich der Akzent des frankophonen Quebecs.

 

Zwar sind die Einflüsse von Jean-Luc Godard oder Wong Kar Wai in Farbspiel und der Einbindung zahlreicher bekannter Zitate deutlich erkennbar, jedoch überzeugt Dolan dank Liebe zum Detail und bringt mit Herzensbrecher frischen Wind in die Kinowelt.

 

Janneke Stein

06.07.2011

 








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