imprimer   13.02.2012 
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Im Herzen des 13. Arrondissements, Die Frigos in Paris


In Frankreich ist das Phänomen der Neuer- oder Zwischennutzung weitaus weinger verbreitet. Dennoch gibt es auch hier einzelne Beispiele, wie die Pariser „Frigos“ zeigen.

 

Im 13. Pariser Arrondissement, nicht weit von der Bibliothek François Mitterand und umgeben von grauen Bürogebäuden, stößt man auf die „Frigos“, auf Deutsch die „Kühlschränke“. Unter den Graffitis, die die Mauern des heutigen Künstlerhauses schmücken, sind noch ein paar alte Buchstaben zu erkennen: “Entrepôts frigorifiques“, „Kühllager“.

 

Bis 1945 war das Gebäude nichts anderes als ein riesiger Kühlschrank, in dem Unmengen an Fleisch bei minus 27 Grad gelagert wurden. Von hier aus wurde es nach Châtelet les Halles, dem damaligen Marktplatz, transportiert. Doch mit der Schließung des Marktes ging auch die Geschichte der „Frigos“ als Pariser Fleischkühlschrank zu Ende. Jahrelang blieben sie daraufhin unbenutzt. Erst in den achtziger Jahren entschied der Eigentümer, die französische Zuggesellschaft (SNCF), das Gebäude neu zu vermieten, in einer Zeit, in der die Mietpreise der Stadt schon explodiert waren.

 

Der Bildhauer Jean-Paul Réti war damals gerade auf der Suche nach einer Werkstatt. Er erinnert sich noch gut an den Tag, an dem er seinen Mietvertrag unterschrieben hat: "Es gab keinen Strom und keine Fenster. Ich habe das Zimmer, das ich gemietet habe, also gar nicht sehen können. Für die Zukunft konnte uns nichts zugesichert werden. Wir konnten jederzeit wieder rausgeschmissen werden." Schnell wurden alle Räume des Gebäudes von Künstlern besetzt, die sich jedoch erst einmal an die Sanierung machen mussten: Strom und Wasserleitungen waren zu installieren und sogar Fenster in die Mauern zu schlagen.

 

Im Laufe der Zeit wurden die „Frigos“ zu einem integralen Bestandteil des 13. Arrondissements und seines Kulturlebens. Als der Bürgermeister das Gebäude im Jahr 1992 abreißen wollte, geriet das ganze Viertel in Zorn: ein Kollektiv wurde gegründet und Petitionen unterschrieben. Erst 2004 zeichnete sich eine Lösung ab: die Stadt Paris übernahm das Haus.

 

Im Hof der „Frigos“ treffen wir einen Mann mit seinen Söhnen. "Ich mag diesen Ort wirklich sehr“, sagt er. „Wir kommen häufig hierher, denn es gibt immer etwas zu sehen, eine Ausstellung im Hauptflur, oder eine neue Skulptur im Hof. Meine Frau hat auch mal einen Theaterkurs gemacht. Und natürlich verpassen wir nie den Tag der offenen Türen, der einmal im Jahr stattfindet." Die Eingangstür der „Frigos“ steht immer offen. Auf den 5 Etagen spielt sich das Leben des Hauses ab. In einem der Räume übt eine Jazzband. Man hat den Eindruck, dass hinter jeder Tür ein ungewöhnlicher Mensch ungewöhnliche Kunst betreibt. In der 5. Etage klopfen wir neugierig an eine Tür. Als bedürfe es eines letzten Beweises dafür, dass sogar in einem von blassen Büroleuten besetzen Arrondissement die Kreativität und die künstlerische Leichtigkeit ihren Weg finden, macht ein Riese mit deutschem Akzent die Tür auf. Sein Arbeitstisch ist voll von Ton. Auch er hört Jazz. Er sieht müde aus. Mit einem Seufzer sagt er: "Tut mir leid. Ich bin beschäftigt. Ich forme gerade den Körper von Jacky Chan für das Musée Grévin."

 

Guilaine Trossat








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