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Die Liebe ist es, die EU-Bürger am häufigsten zum Verlassen ihrer Heimat bewegt. Dies ergab zumindest eine Studie, die die Europa Universität Florenz im April 2006 vorstellte. Doch auch in Frankreich kann man nicht von Luft und Liebe leben. Und daher stellt sich die Frage nach den beruflichen Chancen im Nachbarland. „Für Deutsche gibt es viele Möglichkeiten in Frankreich zu arbeiten“, sagt Catherine Cotting von der deutsch-französischen Handelskammer in Paris. Eine gute Nachricht, die sich  durch die zahlreichen Jobangebote auf der Homepage des Instituts (www.francoallemand.com) bestätigt: deutsch-französische Anwälte werden dort gesucht, deutschsprachige Assistenten, Ingenieure, BWLer und andere qualifizierte Arbeitskräfte. Folgt man den Statistiken der Zeitschrift L’Etudiant, dann ist Deutsch die zweitwichtigste Fremdsprache auf dem französischen Arbeitsmarkt, direkt nach dem Englischen. Verwunderlich ist das nicht: immerhin sind Deutschland und Frankreich die wichtigsten Wirtschaftspartner füreinander; 2 700 deutsche Firmen sind in Frankreich ansässig. Doch die französische Sprache ist selbst in international operierenden Firmen unerlässlich. „Viele der Deutschen, die sich bei uns melden und bereit sind, sofort nach Frankreich aufzubrechen, sprechen fließend englisch, aber kaum französisch. Denen müssen wir sagen, dass das leider nicht ausreicht“, erklärt Catherine Cotting.

Ist die sprachliche Hürde erst einmal genommen, muss der anstehende Arbeitsaufenthalt gut geplant werden. Michaela Jost von der Entreaide allemande, dem deutschen Sozialwerk in Frankreich, hat immer wieder mit Deutschen zu tun, die Hals über Kopf aufgebrochen sind und dann mit allerlei administrativen Problemen zu kämpfen hatten: „Trotz des Zusammenwachsens der EU werden viele Abschlüsse in Frankreich nicht anerkannt, das wissen die meisten nicht. Hinzu kommt ein nicht zu unterschätzender bürokratischer Aufwand.“ Verschiedene Homepages, beispielsweise die der französischen Botschaft in Deutschland (www.botschaft-frankreich.de), des Instituts français (www.cidu.de) oder des Salon du forum franco-allemand (www.forum-franco-allemand) bieten daher praktische Informationen zum Leben und Arbeiten beim französischen Nachbarn. Wer es lieber persönlich mag, kann sich auch von den Beratern des europäischen Portals zur beruflichen Mobilität, EURES, informieren lassen.  

Und auch im Arbeitsalltag gilt es, einige landestypische Details zu beachten. Um unangenehme „faux pas“ zu vermeiden, hat die deutsch-französische Handelskammer einen kleinen und recht amüsanten Leitfaden zum interkulturellen Verständnis zusammengestellt: Pünktlichkeit und genaue Zeitpläne, so lernt man, spielen eine eher untergeordnete Rolle bei den Franzosen. Anders die Mittagspause. Diese wird ausgesprochen ernst genommen und kann sich schon mal über 2 Stunden hinziehen. Und damit nicht genug: deutschem „Perfektionsstreben“ steht „Funktionserfüllung“ gegenüber, einem „modernen, solidarischen Führungsstil“, eine hierarchische und personenbezogene Arbeitsorganisation. Auch auf semantischer Ebene ist Obacht geboten: sehen Deutsche im Kompromiss eine „vernünftige Lösung bei der alle aufeinander zugehen“, gilt der compromis als „eine schlechte Lösung, bei der alle verlieren“.  Doch Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Während Scherze im deutschen Geschäftalltag nichts verloren haben, gehört dies in Frankreich zum guten Ton.

Na dann, scherzons-y!   

 

Lisa Jandl








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