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Berlinale- Forum

 

Al Juma Al Akheira - The Last Friday

 

Operation in Amman

 

Von der Terrasse seiner bescheidenen Wohnung kann Youssef über ganz Amman blicken. Aber er tut es nicht. Er spielt Backgammon gegen sich selbst und trinkt Tee. In wenigen Tagen wird er an seinem Hoden operiert werden, der sich verdreht hat. Ein schmerzender Hoden ist ein Symbol für verletzte Männlichkeit, oder auch reduzierte Männlichkeit.

 

Youssef ist Taxifahrer, er lebt allein. Er hat wenig Geld. Den Strom zweigt er von den Nachbarn ab, er ist genügsam und er braucht nicht viel. Er hat kein Mobiltelefon, vielleicht weil er es sich nicht leisten kann, vielleicht weil er es nicht braucht, vielleicht, weil er keines möchte. Früher mal hat er in der Golfregion gearbeitet und viel Geld verdient, dann aber hat er alles verspielt. Nun aber muss er das Geld für die Operation am Freitag auftreiben. Sein pubertierender Sohn taucht mit einem kaputten Fahrrad bei ihm auf. Youssef kümmert sich wieder mehr um ihn. Er entdeckt, dass sein Sohn kaum Lesen kann und regelmäßig die Schule schwänzt. Was er stattdessen tut, wird nicht erzählt. YOussefs Exfrau ist sehr schön und wohlhabend. Warum und wann genau die beiden sich getrennt haben, erfahren wir nicht. Youssef bemüht sich bei Jamel, seinem etwas mafiaartigen Arbeitgeber um Geld. Irgendwie wird er es sich organisieren und seine Operation bezahlen können. Beiläufig wird dies alles erzählt, die Kamera bewegt sich nicht viel, die meisten Szenen sind in einer Einstellung gedreht und es gibt nur sehr spärlichen Dialog. Dennoch ist der Film nicht spröde oder pessimistisch. Es entsteht auch keine bedrückende Stille. Ständig läuft irgendwo ein Radio oder ein Fernseher, zumeist sind es Nachrichten, manchmal Musik. Die Kamera bleibt immer an einem Ort. Die Einstellungen sind sorgfältig komponiert, Treppen, Brüstungen, Sofas, Krankenhausbetten werden zur Bühne. Youssefs Sohn beobachtet von seiner Terrasse aus das Nachbarsmädchen, das beim Wäscheaufhängen das Kopftuch ablegt und lange schwarze Haare hat. Youssef wartet beim Arzt.

 

Dabei entsteht eine Lakonie, die an die Filme von Aki Kaurismäki erinnert. Die Szenen stehen für sich, den Zusammenhang muss man allein herstellen, wobei auch manche Fragen offen bleiben. Die Kamera bleibt auf Distanz, wie und warum die Figuren ihre Entschlüsse fassen, wird nicht weiter erläutert. Man kann die Ereignisse unterschiedlich auslegen und man weiß am Ende auch nicht genau, wie Youssefs Leben nun weitergehen wird.

 

Es sind eben gewisse Dinge in seinem Leben passiert und er hat sich um seinen Sohn gekümmert, aber ob er nun stärker, schwächer oder anders geworden ist, das weiß man nicht. Yahya Al Abdallah, der Regisseur erklärte im Zuschauergespräch, dass er, wenn er als Kind mit seinem Vater zu Gast bei anderen Leuten war, er immer stundenlang mit den Männern am Tisch sitzen musste. Die Männer durften nicht durchs Haus gehen, weil sich dort Frauen ohne Schleier befinden konnten und so musste er die Ereignisse aus einer Perspektive betrachten. Diesen Blick hat er auf seine Film übertragen. Ein gleichmütiger, aber nicht gleichgültiger Blick.

 

Ruth Herzberg

12.02.12

 

Jordanien / Vereinigte Arabische Emirate 2011, 88 Min

 

Arabisch

 

REGIE :

 

Yahya Alabdallah

 

 

DARSTELLER:

 

Ali Suliman

Fadi Arida

Yasmine Elmasri

 

 

Wo? und Wann? während der Berlinale :

 

Sa 11.02. 20:00

Kino Arsenal 1 (E)

 

So 12.02. 14:00

Delphi Filmpalast (E)

 

Di 14.02. 16:15

CineStar 8 (E)

 

Sa 18.02. 20:00

Cubix 9 (E)

 








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