

"Elles" ist ein Film der polnischen Regisseurin Malgoska Szumovska über weibliches und männkliches Begehren in Zeiten der Krise und des Internets. Die französisch-deutsch- polnische Koproduktion ist aber gleichzeitig auch ein Film über Sozialschichten und männliche Dominanz. Anne (Juliette Binoche) ist Journalistin und lebt in Paris. Für die Zeitschrift “Elle” arbeitet sie an einem Artikel über junge Frauen, die sich prostituieren um das Studium zu finanzieren...
Der Film spielt innerhalb von ca. 24 Stunden, von einem Morgen, bis zum nächsten Morgen. In Annes Tag der damit gefüllt ist, ein Dîner für den Chef ihres Mannes vorzubereiten, sowie anderen diversen Haushaltstätigkeiten und der Sorge um die beiden Söhne, mischen sich Rückblenden in die Interviews mit den beiden sich prostituierenden jungen Mädchen und deren Erlebnisse mit den Kunden. So entsteht eine komplexe Meditation über unsere heutige immer noch von Männern geprägte Gesellschaft und die Frage wo eigentlich der Unterschied ist, zwischen Anne und den Prostituierten. Schließlich hat Anne keine große Lust auf das Diner, aber sie wird bezahlt werden durch einen befriedigten Chef und damit den materiellen Wohlstand und den Verdienst ihres Mannes weiterhin sichern und somit auch die große Wohnung im Pariser Zentrum.

Man kann den Film auch auf andere Arten verstehen. Es scheint, als ob die intensive Beschäftigung mit Sexualität auch in Anne verborgene Gelüste weckt und sie an Abgründe führt. Dies hat Folgen: Sie verbrennt sich, sie schneidet sich in den Finger, sie masturbiert, weint anschließend, durchsucht den Computer ihres Mannes, sie verliert die Fähigkeit in der Alltagsrealität zurechtzukommen, so sehr irritiert sie der Unterstrom der Sexualität der das Leben aller Menschen zu prägen scheint. Durch die Erzählungen der jungen Frauen entsteht eine dem normalen Blick verborgene Welt der Perversion, der Abgründe, aber auch eine von Genuss, und von Nähe, die Anne irritiert. Sie beginnt sich selbst, ihre Söhne, ihren Mann, ihr
Leben anders zu sehen. Es scheint beinahe fraglich, ob sie ihr bisheriges Leben so weiterleben kann wie bisher.

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 Die Regisseurin Malgoska Szumowska und die Hauptdarstellerin Juliette Binoche
(Foto : Georges Biard).
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Der Film springt zwischen den Zeiten und Erzählebenen hin und her, dennoch ist er ein komplexes und dichtes Abbild unserer seltsamen modernen Gesellschaft.Humor, Bewusstsein für die Absurdität des Alltags verleihen ihm zusätzliche Qualitäten. Es muss eine große Vertrautheit zwischen den Darstellerinenn, insbesondere Juliette Binoche und der Regisseurin gegeben haben. Man erlebt Binoche als ganze Frau, sie sieht mal alt, mal jung aus, mal schön, mal abgeschlagen. Es gibt viel Raum für Blicke und Details im Ausdruck, die sie nicht nur eindimensional als Frau, sondern als komplexen Menschen zeigen und dieses Zeigen von Menschlichkeit und Verletzbarkeit ist ein deutliche Aussagedes Films gegen Prostitution oder gegen die Behandlung des Menschen als Ware, die diese Verletzbarkeit und die Gefühle verneint und verleugnet.
Ruth Herzberg
10.02.12
Frankreich / Polen / Deutschland 2011, 99 Min
auf Französisch und (nur teilweise) auf Polnisch
REGIE :
Małgośka Szumowska
DARSTELLER :
Juliette Binoche
Anaïs Demoustier
Joanna Kulig
Wo? und Wann? während der Berlinale :
10.2. 20.30 International
11.2. 13.30 Cinemaxx
12.2. 14.30 Cubix 9
17.2. 18.00 Friedrichsstadtpalast
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