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2001 wurden auf den Philippinen 12 Menschen aus einem Hotel entführt und von der islamistischen Terrorgruppe Abu Sayyaf 7 Monate im Dschungel gefangen gehalten. Die philippinische Armee war mit der Situation überfordert und griff Entführer und Entführte gleichermaßen an. Die letzten Geiseln wurden erst nach sieben Monaten befreien, getötet wurden etliche schon vorher. Einige wurden auch freigekauft. Es ist schwer, den Film mit durchgehend offenen Augen durchzuhalten, oft will man zusätzlich auch die Ohren verschließen vor den ständigen Schüssen und Schreien. Leider erzählt der Film nichts von dem was erzählen könnte. Ein Art CNN-Cinema.

 

 



Zwischen den Geiseln, einander fremde Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die immerhin sieben Monate zusammengezwungen werden, entsteht keine nennenswerte Dynamik. Dafür bleibt im Kugelhagel keine Zeit. Dabei könnte es interessant sein zu sehen: Wie verhält sich ein Ehepaar unter diesen Bedingungen zueinander, wie tröstet eine Mutter ihr Kind und hilft ihm die Situation zu überstehen? Wie behauptet sich eine Frau, die plötzlich aus ihrem familiären Zusammenhang herausgerissen wurde? Ändert sich das Verhältnis der Geiselnehmer zu den Geiseln, oder nicht?

 

Die einzige Figur die etwas näher beleuchtet wird, ist Thérèse. (Isabelle Huppert)., eine französische Sozialarbeiterin und Missionarin. Allerdings wird hier nicht schlüssig, warum sich ihre Rolle so sehr von den anderen unbekannten Darstellern abhebt, dass sie ständig Großaufnahmen bekommt. Ihre Schauspielkunst ist unbestritten,dennoch nimmt ihre Rolle zu viel Raum ein, der durch die Geschichte nicht gerechtfertigt ist. Ihre Figur hat nicht viele Aspekte. Sie ist eine leidende Geisel wie alle anderen, sie hat Familie -einen Mann und drei Kinder, sie ist christlich. Sie entwickelt eine mütterliche Beziehung zum 12jährigen Hamed, einem der Geiselnehmer.



 

 

Eine Auseinandersetzung zwischen beispielsweise ihrer Religiosität und der der Entführer findet nicht statt.

Mehr als eine Chronik der Ereignisse ist Captive nicht. So steht es auch im Vorspann des Films.”Basierend auf realen Ereignissen”. Neue Erkenntnisse, außer das Menschen böse Dinge tun und andere Menschen darunter leiden, bekommt man durch diesen Film nicht.

 

CNN- Cinema könnte man diese Art von Kino nennen. Diese philippinisch- französisch- deutsch-britische Koproduktion verbindet sich ungut mit einem anderen philipinischen Film auf der diesjährigen Berlinale: Septic Tank. Eine Parodie auf die Filme die üblicherweise zu den großen internationalen Filmfestivals eingeladen werden.

Junge, reiche, Latte Macchiato trinkende, mit Macbooks arbeitende Filmemacher konzipieren den perfekt verkaufbaren Festivalfilm in dem sie das Elend ihres Landes vermarkten. Als Thema wählen sie die Kinderprostitution. Eine Mutter aus einem Slum in Manila verkauft ihre kleine Tochter an einen weißen alten Pädophilen. In immer verrückteren Variationen wird die Geschichte durchgespielt, immer mit dem Ziel auf den Festivals abzuräumen und viel Geld zu verdienen. Ein bißchen hat man das Gefühl, Captive wäre ebenso auf diesen Festivalerfolg hin konzipiert und durchkalkuliert. Dass er im Wettbewerb der Berlinale gelandet ist, scheint von diesem Standpunkt aus nicht verwunderlich.

 

Ruth Herzberg

12.02.12

 

Frankreich / Philippinen / Deutschland / Großbritannien 2011, 120 Min

auf Tagalog, (teilweise auf Englisch und sogar ein bisschen auf französisch)

 

REGIE :

 

Brillante Mendoza

 

DARSTELLER :

 

Isabelle Huppert

Katherine Mulville

Marc Zanetta

Maria Isabel Lopez

Rustica Carpio

 

Wo? und Wann? während der Berlinale :

 

Mo 13.02. 12:00

Friedrichstadt-Palast (E)

 

Mo 13.02. 20:30

Friedrichstadt-Palast (D)

 

Mi 15.02. 15:00

Friedrichstadt-Palast (D)

 

So 19.02. 21:45

Friedrichstadt-Palast (D)








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