Ben l'Oncle Soul, Summerjam 2011 (Foto : Till Buisson/La Gazette)
Zwischen zwei Reggae Konzerten des Summerjams 2011 in Köln hatten die Zuschauer die Möglichkeit Ben l’Oncle Soul zu entdecken, bzw. wiederzuentdecken. Dank seines Talents und seiner Frische ist es dem 26-Jährigen Franzosen gelungen, die Soulmusik à la française neu zu erfinden. Seit nun mehr als einem Jahr tingelt er mit seiner Band durch die Welt und klappert die Festivals ab. Das Ergebnis ist stets das gleiche: Die Köpfe nicken, die Körper tanzen, die Lippen singen und die Finger schnipsen. Ben l’Oncle Soul ist somit nicht nur ein „Soulman“ wie er es gerne singt, er ist darüber hinaus ein wahrhaftiger „Showman“.
Sonntag, 3.Juli 2011: letzter Konzerttag für die Festivalgänger des Summerjams. Die Veranstalter haben sich entschlossen, die Geschmäcker zu variieren und Künstler verschiedenster Richtungen, unter denen sich auch Ben l’Oncle Soul wiederfindet, auftreten zu lassen. Die Gazette hat sich mit ihm getroffen um ein entspanntes Interview an den Ufern des Fühlinger Sees zu führen, wo das Summerjam stattfindet. Eine Gelegenheit, mit ihm über die Deutschlandtour, seinen Auftritt in Köln und seine Projekte zu reden.
La Gazette: Wie ist Ihre Deutschlandtour gelaufen ?
Ben l'Oncle Soul : Total gut ! Wir haben sogar einen Preis gewonnen der von allen Veranstaltern der kleineren Säle verliehen wird, und zwar den « Live Entertainment Awards : Best club tour ».
La Gazette: Inwiefern hat dieser Preis Ihnen karrieretechnisch weitergeholfen?
Ben l'Oncle Soul: Ich denke, das hat uns beim deutschen Publikum, sowie bei den Veranstaltern einen gewissen Bekanntheitsgrad verschafft. Diese sind im Prinzip verpflichtet, neue Künstler, crossovers, anzuschauen und zu entdecken. Wir sind die ersten Franzosen, die diesen Preis gewonnen haben.
La Gazette: Wie haben Sie während der Tournee das deutsche Publikum empfunden?
Ben l'Oncle Soul : Das war unglaublich. Wir wussten nicht so recht, worauf wir uns einstellen sollen. Musiktechnisch ist mir das Land nicht besonders bekannt. Ich bin relativ oft in Berlin gewesen, da ich Kunst studiert habe und es dort in der Kunstwelt ziemlich abgeht. In der Musikszene kannte ich mich allerdings nicht wirklich aus und wusste vor allem nicht über die musikalischen Einflüsse Bescheid. Natürlich kennt man Ayo, Patrice, aber davon sollte man ja nicht direkt auf Andere schließen.
La Gazette: Sie wissen, dass der Summerjam ein Reggae Festival ist. Da sind Sie hier ein bisschen so etwas wie ein UFO. Wie stehen Sie dazu?
Ben l'Oncle Soul : Damit komme ich sehr gut zurecht. Im Allgemeinen finde ich, dass die Musik keine Grenzen hat. Dieses Jahr haben wir auf Festivals gespielt, die Richtung Rock gingen, gerade spielen wir auf etlichen Jazz Festivals. Das ist eine Frage, die häufig aufkommt und ich denke, dass Livemusik mit Instrumenten ohne große elektronische Effekte ein « passe-partout » ist. Außerdem hat der Soul den Reggae und der Reggae den New-Soul beeinflusst. Das ist so eine Art Mix, wobei Jazz, Soul, Hip Hop, und Reggae sowieso Teil unserer Generation sind.
Ben l'Oncle Soul, Summerjam 2011 (Foto : Till Buisson/La Gazette)
La Gazette: Welcher Musikstil beeinflusst Sie in erster Linie?
Ben l'Oncle Soul : Meine Favoriten sind meine Vintage Soul-Platten aus den Sechzigern: Motown, Stax, Atlantix, …(Er zeigt uns seine Tattoos von Motown und Stax auf seinem Handgelenk)…vielleicht lasse ich mir noch ein Tattoo von Ray Charles stechen (lacht).
La Gazette: Ich kann mir vorstellen, dass Sie bereits eine Runde durch Harlem gedreht haben um die historischen Orte des Soul zu besichtigen?
Ben l'Oncle Soul : Natürlich ! Wir kommen gerade erst von einer Tour durch die Staaten zurück. Wir waren in Los Angeles, San Francisco, Chicago, zwei Mal in New York. Danach in Toronto in Kanada, wo wir als erster Act das Jazz Festival von Montreal eröffnet haben. Vor zwei Jahren war das Stevie Wonder und dieses Jahr ich – das hat mich unter Druck gesetzt.
La Gazette: Wie kommen Sie damit zurecht so oft auf Tour zu sein?
Ben l'Oncle Soul: Das ist ganz schön krass. Eigentlich nutzen wir das so richtig aus. Das Jahr hat gleich zu Beginn vielversprechend begonnen: Wir haben mit einem Album angefangen und dann hat sich das wie ein „crescendo“ entwickelt: Anspannung, Gefühle, die Besucherzahl in immer weiter entfernten Ländern. Zum Beispiel werden wir in Nouméa spielen. Das macht allerdings wirklich Spaß, denn es geht dabei um Leidenschaft und Freude. Und auf der Bühne bin ich dann mit meinen Freunden, die ich seit Ewigkeiten kenne; das macht sehr viel aus. Abgesehen von unserem Bassisten Olivier Carole ist das eine erste Erfahrung für alle. Ich bin also nicht mit Leuten unterwegs, die das alles schon einmal erlebt haben und eventuell nicht mehr wirklich „Feuer und Flamme“ sein könnten.
Ben l'Oncle Soul, Summerjam 2011 (Foto : Till Buisson/La Gazette)
La Gazette : Ändern Sie Lieder oder die Show je nachdem ob Sie in Frankreich oder Deutschland spielen ?
Ben l'Oncle Soul : Wir haben wirklich Lust jeden Abend unterschiedliche Sachen zu spielen, Lust uns zu verbessern. Ansonsten betrifft Variation eher die Partien, während der wir mit dem Publikum interagieren und es zum Mitmachen auffordern. Wir haben einen großen Spielraum. Wir bestimmen die Stücke die wir spielen vor dem Konzert, Änderungen können immer noch spontan auftreten. Es gibt zwangsläufig Interpretationsstrecken und Momente wo es einfach nur um den „kiff“(1) geht.
La Gazette : Kann man von einer Organisation der Konzerte „à l’allemande“ sprechen ?
Ben l'Oncle Soul : Nicht wirklich. Es kann auch mal passieren, dass dir der Strom abgestellt wird wenn du die festgelegte Zeit überschritten hast. Das kann nerven, da es dich vom Publikum trennt. Andererseits lernt man auch mit Einschränkungen umzugehen. Für uns sind sowieso alle Hindernisse, genau wie Freiheiten gut zu meistern, da sie jeden Tag unterschiedlich sind.
La Gazette: Haben Sie vor Ihrem Auftritt ein paar Acts des Summerjams gesehen? Gab es Künstler, die Ihnen gefallen haben?
Ben l'Oncle Soul : Natürlich ! Allgemein gibt es hier in Deutschland eine super angelsächsische, amerikanischer Soulkultur, jedoch er nicht ausschließlich. Auf kultureller Ebene ist es sehr offen gehaltvoller als in Frankreich, finde ich.
La Gazette : Bleiben Sie nach Ihrem Konzert noch auf dem Festival?
Ben l'Oncle Soul : Ich werde mir Joy Denalane anschauen. Mir gefällt richtig gut, was sie macht. Ich habe ihr Album vor sechs oder sieben Jahren entdeckt.
Ben l'Oncle Soul, Summerjam 2011 (Foto : Till Buisson/La Gazette)
La Gazette : Wo liegt Ihr nächstes Ziel?
Ben l'Oncle Soul : Morgen fahren wir nach Paris zurück. Leider kommen wir vor Ende des Sommers nicht mehr nach Deutschland. Wir werden auf vielen Festivals in Frankreich spielen: Jazz à Vienne, le Jazz Festival de Montauban, …
La Gazette : Haben Sie mit diesen ganzen Terminen überhaupt Zeit um aufzunehmen ?
Ben l'Oncle Soul : Im Moment schreibe ich ein paar Ideen auf aber ich arbeite noch nicht an meinem zweiten Album. Ich trenne gerne die Dinge und die Zeit um zu komponieren ist noch nicht gekommen. Wir sind noch dabei unsere Live-Gigs zu verbessern und sind mitten in der Konzertvorbereitung. Ich bin bis Dezember 2011 auf Tour und dann werde ich wahrscheinlich nach New York gehen, Inspiration schöpfen, Künstler treffen…
La Gazette : Das erste Mal habe ich Sie auf „Nostalgie“(2) gehört !Wie können Sie das erklären?
Ben l'Oncle Soul : Der große Unterschied beim Radio ist ziemlich krass, wir gehen von France Inter(3) zu Skyrock(4)… Das gefällt mir gut, da mein Publikum ziemlich breit gefächert ist. Von 7 bis 77 Jahren ist alles vertreten. Bezüglich „Nostalgie“ ist zu sagen, dass ich im Allgemeinen nicht wirklich nostalgisch bin – abgesehen von der Tatsache, dass ich nicht auf den Festivals war, auf denen Aretha Franklin, James Brown und Ottis Redding am selben Tag spielten. Abgesehen davon habe ich eine andere musikalische Kultur, ich lebe auch mit der Zeit.
La Gazette: Vor dem Summerjam haben sie in Frankfurt gespielt?
Ben l'Oncle Soul: Ja das war in einem ziemlich speziellen Kontext, da wir nach dem Deutschlandspiel aufgetreten sind. Hier scheint die Begeisterung für den Frauenfußball enorm zu sein. Die Leute waren nicht wirklich für die Musik da. Aber schlussendlich war es verdammt cool und das Publikum war super.
La Gazette: Sie singen auf Englisch und Französisch. Messen Sie der Frankophonie viel Bedeutung bei?
Ben l'Oncle Soul: In meinem Album sind ungefähr 40% der Songs auf Englisch und 60% auf Französisch. Es ist mir sehr wichtig auf Französisch zu singen und ich könnte niemals nur englische Songs machen. Französischer Soul gehört zu meiner Identität, hat mich sehr geprägt und motiviert. Nino Ferrer ist für mich der einzige, der sich wirklich darauf eingelassen und etwas gewagt hat. Das ist eine Sache, die mir in der französischen Musikwelt gefehlt hat.