Zweifellos gehört das „Bierchen“ zum Deutschen wie das Brandenburger Tor zu Berlin. Vom Bodensee über den Niederrhein, von Kiel bis nach München hat jede Sorte ihr Image und ihre Fans. Doch nicht nur im Land der Dichter und Denker freuen sich die Menschen leidenschaftlich am erfrischenden Mix aus Hopfen, Malz und Wasser. Zumal im gesamten „Biergürtel“ von den osteuropäischen Ländern über Deutschland, Nord-Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Großbritannien, und Irland die klimatischen Bedingungen für die Bierbrauerei besonders günstig sind.
Wenn der deutsche Bierfreund fernab der Heimat seiner Lust am Gerstensaft frönen möchte, wartet so manche Überraschung auf ihn. Es genügt ein kleiner Schritt des Kölschliebhabers nach Belgien: Vermutlich wird er nicht das Einzigartige an der Luft bemerken, welche ihn in der Region um Brüssel umgibt. Die mikro-bakteriologische Umwelt in dieser Gegend ist etwas ganz Besonderes, denn wilde Sorten von Hefe lösen in der Luft einen spontanen Gärungsprozess aus und mildern den Biergeschmack. Durch diesen weltweit einmaligen Vorteil (und natürlich weil das Reinheitsgebot vor der belgischen Grenze Halt machte) hat der Belgier die Möglichkeit, eine sehr viel variationsreichere Produktpalette an Bier zu kreieren als der Kölner es aus den deutschen Landen kennt. Belgien überrascht mit über 450 verschiedenen Bieren vom Pils bis zum Fruchtbier und verblüfft mit einer reichen lokalen Bierkultur, welche ohne Einschränkung mit der deutschen verglichen werden kann. Jede Biersorte wird für den optimalen Geschmack in ihrem spezifisch geformten Glas und mit der für sie idealen Trinktemperatur zwischen 8°C und 15°C serviert. Echte belgische Bierverehrer achten ebenfalls genau auf die passende Höhe der Schaumkrone und schätzen die weltweit nachgefragte Qualität des bernsteinfarbenen Tropfens aus ihrem Land. Ein edler Hauch umweht den als „Champagner des kleinen Mannes“ gelobten belgischen Gerstensaft selbst im Supermarkt: die Flaschenhälse ausgesuchter belgischer Biere werden von Sektkorken geziert und machen so ihren Anspruch an höchste Güte geltend.
Es gibt jedoch einen kleinen Trost für den Deutschen, welcher das eigene Bier stets als das Reinste und konkurrenzlos Beste feierte und dessen Identität nun leichte Dellen erlitten haben mag: Die brabantsche Spezialität der obergärigen Brauart verdanken die Belgier niemand geringeren als dem deutschen Kaiser Karl IV. Die Region Brabant gehörte damals zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und im Jahre 1364 verpflichtete der Kaiser mit dem "Novus Modus Fermentandi Cervisiam" die belgischen Brauereien, das würzige Aroma von Hopfen in den Gärprozess einzubinden. Durch diese Auflage verbesserte er die Qualität des Bieres enorm.
Aber eines zeigt das belgische Beispiel auf jeden Fall: Auch der sachkundige deutsche Gaumen kann reich mit einem gutem Biergeschmack belohnt werden, wenn er sich ganz unvoreingenommen auch fernab des in Deutschland verfochtenen Reinheitsgebotes leiten lässt. Proost!
Alina Barenz
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bière rance /// Dienstag, 19-09-06 00:13
Barenz..."bar rance"...wie bier...klingt perfekt...
auf französisch