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Am Samstag, dem 12. Juni 2010 wird der interregionale Städtebund „Quattropole“ (Metz, Luxemburg, Trier und Saarbrücken) des Centre Pompidou von Metz nach der offiziellen Eröffnung Anfang Mai 2010 gefeiert. Die dezentralisierte Politik Frankreichs führte zur Gründung dieses außergewöhnlichen Kunstzentrums mit einem umfangreichen Ausstellungsprogramm, das mit den größten Museen mithalten kann. Was bringt das eigentlich der Bevölkerung der altindustriellen Region?




Bahnhof von Metz Christian Legay

Die Kultur als weiterer Schritt der Dezentralisierung

1983 wurde das erste französische Gesetz für eine allgemeine Dezentralisierung erlassen;  ab dem Jahr 2000 wurde davon immer mehr in die Praxis umgesetzt. Der Kulturbereich ist davon ein wichtiger Teil, der Schritt für Schritt ausgebaut wurde. Insgesamt wurden zwölf Protokolle zwischen den Regionen - insbesondere Lothringen - und dem französischen Staat unterzeichnet. Im Rahmen dieser Politik wurde das Projekt der Dezentralisierung berühmter Kulturzentren Frankreichs, wie des Centre Pompidou oder des Louvre verwirklicht. Die Stadt Metz wurde 2003 für das Centre Pompidou Projekt vor den Mitbewerbern Montpellier, Lille und Caen ausgewählt. Die berühmte Garnisonsstadt liegt im Zentrum der Großregion, im Herzen von Europa. Der Vorteil der Stadt war, einen leeren Platz unmittelbar hinter dem Bahnhof zu besitzen. Das waren einige der Argumente, die von dem derzeitigen Bürgermeister Jean Marie Rausch und dem Kulturminister von Metz Jean-Jacques Aillagon vorgetragen wurden.




Eintritt des Centre Pompidou Metz
Source: www.centrepompidou-metz.fr

Was gibt es eigentlich zu sehen?

Das Projekt „Centre Pompidou de Metz“ (CPM) ist eine „Grande Premiere“ in Frankreich und alles wird getan, um Eindruck zu machen. Der drei Jahre dauernde Bau des Komplexes  wurde von dem chinesischen Architekten Shigem Ban und seinem französischen Kollegen Jean de Gastines geleitet. Die Struktur des Gebäudes ist durch eine traditionelle asiatische Kopfbedeckung aus Bambus und Ölpapier inspiriert und strahlt Ruhe und Harmonie aus. Das 77 Meter hohe Dach wird oft als Wolken- oder Schlumpfpilz bezeichnet, eine weitere touristische Attraktion, die eine Reise nach Lothringen wert ist. Abgesehen von der beeindruckenden Architektur, ist das CPM ein neues Kunstzentrum, das über 5000 Quadratmeter für Ausstellungen verfügt. Der für drei Jahre ernannte Direktor Laurent Le Bon hat die Eröffnungsausstellung „Chefs d’oeuvre“ („Meisterwerke“) genannt. Bereits für die erfolgreichen Ausstellungen „Dada“ in Paris und „Jeff Koons“ in Versailles bekannt, stellt er den Besuchern eine große Auswahl von 780 Meisterwerken verschiedener Künstler wie Picasso, Louise Bourgeois und viele anderer vor. Die Werke wurden aus Paris vom Centre Pompidou, dem Louvre, dem Quai d’Orsay, der Schweizer Stiftung, dem Quai Branly sowie dem MoMa in New York ausgeliehen. Ferner können die Besucher während der dreistündigen Führung multimediale Werke sehen, wie zum Beispiel von den Filmemachern Tarantino oder Hitchcock. Die lustigen und erfindungsreichen  Werbekampagnen zeigen zum Beispiel Picasso, wie er sagt: „Ich ziehe um nach Metz“. Laurent Le Bon wird vier bis sechs Ausstellungen jährlich präsentieren, daneben eine Reihe von Konferenzen und Veranstaltungen für ein größeres Publikum, von Kindern bis hin zu berühmten Professoren. Jährlich werden im Schnitt 250.000 Besucher erwartet, was auch eine wirtschaftliche Bedeutung haben wird.




Kathedrale von Metz
Christian Legay

Wirtschaftliche Auswirkung: was denkt die Bevölkerung?

Das CPM ist mit seiner Cafeteria und seinem Museums-Shop der erste Schritt zum erwarteten wirtschaftlichen Aufschwung von Metz und seiner Umgebung. Das reiche historische Kulturerbe wird dadurch besser herausgestellt. Die schöne Kathedrale und das historische Zentrum geben den Touristen auch die Möglichkeit, nach ihrer unmittelbaren Ankunft mit dem Schnellzug TGV, die Stadt zu besichtigen.

Ferner sind zwei Immobilienprojekte mit mehr als 30.000 Quadratmeter und noch ein wichtiges Projekt für ein Einkaufszentrum geplant. Die Eröffnung des CPM bringt große Erwartungen der Bevölkerung mit sich. Alle Geschäfte freuen sich über neue Kunden. Die Reaktionen der Studenten dazu sind auch positiv! Die Kunststudenten bewundern das CPM; sie brauchen jetzt nicht mehr bis nach Paris zu reisen, um Kultur zu erleben. Dazu sagt uns eine junge Studienabgängerin aus dem Event- und Kommunikationsbereich: „Die Studenten müssen immer nach Luxemburg, Deutschland oder Paris und Umgebung fahren, um Arbeit zu finden. Ich hoffe, dass die Region viel dynamischer wird und ich damit mehr Berufsmöglichkeiten in meiner Branche finden kann.“ Eine andere Studentin befürchtet steigende Mietpreise in Metz. Die Bevölkerung in der Umgebung von Metz zieht schon um. Der Bürgermeister von Boulay, einer 6000-Einwohner Stadt, hat den Bau eines neuen Viertels mit 250 Häusern begonnen. Das kulturelle Gebäude wird vielleicht das Projekt für eine industrielle Zone direkt an der Autobahn, nur 15 Minuten von Metz entfernt, vorantreiben. Die Geschäftsführer sind auch an dem Ruf der Gegend interessiert. Die ehrenvolle Eröffnung des CPM, durch den Präsidenten Nicolas Sarkozy und dem Kulturminister Frédéric Mitterrand lässt große Hoffnung in der lokalen Bevölkerung aufkommen. Seit Jahren wird diese von der industriellen Krise und der Schließung der Kohlebergwerke belastet. Auch wenn die Einwohner des Bahnhofsviertels ihre Ruhe verloren haben, scheint das Centre Pompidou von Metz, Lothringen ein neues Gesicht geben zu können.

 

Elodie Mareau

11.06.2010





Umgebung der Mosel - Metz
Christian Legay








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