imprimer   11.02.2012 
N°. 36Accueil / EmpfangAgendaDie GazetteDie Gazette 2010Die Gazette 2009PolitiqueSociétéEconomieMédias-comScènesExpositionsLivresCultureCinémaMusiqueSportLieuxEntrevuesPhoto de la semaineVos commentairesBlogsNos conseils BlogsSur nos blogs...Créez votre blog!ArchivesNos archivesChronique historiqueL'équipeQui sommes nous?Wer sind wir ?Who are we ?KTO мы ?ServicesLaisser une annonceInfolettre & RSSPetites AnnoncesPublicité / WerbungAnnonceursLiens / LinksContactImpressum










©Bertelsmann Verlag


In der südlichen Hemisphäre bildet sich ein Hass auf die westliche Welt und deren weltweite Verbrechen. Die Unterdrückung der armen Staaten durch den Westen ist Thema des neuen Werkes von Jean Ziegler „Der Hass auf den Westen“. Am 14. April gibt der bekannte Menschenrechtler eine Lesung im Haus der Kulturen der Welt in Berlin.

 

 

Der Hass auf den Westen. Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren“ ist das neueste Werk des ehemaligen Soziologieprofessors und UN-Menschenrechtsratsmitglieds. Mit vielen Beispielen  und Zitaten bekannter Größen wie Jean-Paul Sartre (mit dem er befreundet war), G.W.F. Hegel, Immanuel Kant, Karl Marx oder Claude Lévi-Strauss zeichnet Jean Ziegler den Hass, der in den südlichen Ländern auf den Westen entsteht. Der Autor diverser kritischer Werke u.a. über die Schweiz, wurde dort schon als „Landesverräter“ bezeichnet und mehrmals aufgrund seiner politischen Äußerungen angezeigt, aber auch für seine Arbeit mit mehreren Preisen, u.a. des Internationalen Literaturpreis für Menschenrechte, geehrt. Es ist ein rationaler Hass auf den Westen, dessen Ursprünge in der Kolonialisierung, der Sklaverei und der momentanen „kannibalischen Weltordnung des globalisierten Finanzkapitals“ liegen. Den Westen definiert Ziegler über seine Produktionsweise, den Kapitalismus, wozu die europäischen Staaten und Nordamerika zählen. Die Einteilung der Erde in die Herrschenden und die Beherrschten und seine Ansichten über Gewinnmaximierung, Globalisierung und Menschenrechtspolitik schöpft Ziegler aus jahrelangen Erfahrungen als UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, aus Reisen in arme Länder und Begegnungen und Freundschaften mit Simone de Beauvoir, Che Guevara, Evo Morales oder Muammar al-Gaddafi.




©Tsui. J.Ziegler im Audimax der Universität Wien während der Bildungsproteste

Das verwundete Gedächtnis trifft auf eine kannibalische Weltordnung

 

Warum sollte der Süden gerade jetzt einen „Hass“ auf den Westen aufbauen? Für Jean Ziegler gibt es zwei Gründe: Zum Einen die Wiederkehr des verwundeten Gedächtnis des Südens: Lange verdrängte Erinnerungen tauchten wieder im Bewusstsein auf und würden ein kollektives Gedächtnis formen, an die Kolonialisierung und die damit einhergegangene Sklaverei. Zum Anderen der Widerspruch zwischen Demographie und Macht, da die „Weißen“ heute nur 12,8 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen würden, aber seit 500 Jahren die Welt beherrschten. Außerdem sieht Ziegler den Hass als berechtigt, aber er zerstöre die internationale Gemeinschaft, wie auf einer Antirassismuskonferenz 2001 in Durban (Großstadt in Südafrika) zu sehen war. Dort hatte durch die Initiative von Mary Robinson, Irlands ehemaliger Staatspräsidentin und Hochkommissarin für Menschenrechte, und Kofi Annan, UN-Generalsekretär, unter den Mitgliedern der Vereinten Nationen eine Annäherung stattfinden sollen, was jedoch ein Misserfolg wurde. Südliche Länder forderten Entschädigungen und Reue, diese gingen jedoch nicht darauf ein, die Kritik wurde als „billige Schuldzuweisung“ abgetan und als Mittel, um von innenpolitischen Problemen abzulenken. Ein anderes der mannigfaltigen Beispiele für das Fehlverhalten des Westens ist im Buch ein Besuch Nicolas Sarkozys in Dakar, der Hauptstadt Senegals im Audimax der Universität: „Nie stürmt der [afrikanische] Mensch der Zukunft entgegen (...)Afrika muss als Erster seine Ernährungsgrundlage produzieren (...) und Frankreich wird mit euch am Bau dieser Zukunft arbeiten.“ Wie das explizit aussieht legt Ziegler in Zahlen dar: 1972-2002 habe sich in Afrika die Zahl der Unterernährten von 80 auf 200 Millionen erhöht. Eine der Hauptursachen sei die von den westlichen Staaten praktizierte „Agrar-Dumpingpolitik“: Bauern würden in Europa mit Milliarden subventioniert, mit der Folge, dass auf afrikanischen Märkten europäische Produkte zur Hälfte oder eines Drittels des einheimischen Produktpreises angeboten würden. Die Sklaverei setze sich somit heute in der wirtschaftlichen Abhängigkeit fort, wie Ziegler mit Oulai Seine, Justizminister der Elfenbeinküste während eines Vortrags in Durban zitiert: „Die Sklavenhalter sind nicht tot. Sie haben sich in Börsenspekulanten verwandelt.“




Skulptur in la Rochelle mit den ehemaligen französichen Kolonien

Der Westen ist überall

 

Der Westen gründe seinen Anspruch auf Universalität auf dessen Demokratie und Menschenrechte. Ziegler bedauert, dass es keinen internationalen Gerichtshof für Menschenrechte gibt und sieht im Menschenrechtsdiskurs des Westens eine Doppelzüngigkeit. Ein Beispiel sei die Unabhängigkeitserklärung der USA vom 4.Juli 1776, Grundlage für viele spätere Menschenrechtserklärungen: Einer der Hauptverfasser, Thomas Jefferson, hinterließ nach seinem Tod seinen Erben u.a. die Besitzrechte an 200 Sklaven. Doch ganz schwarz-weiß malt Ziegler nicht: In der Politik des bolivianischen Präsidenten Evo Morales Ayma sieht er einen Weg zur Besserung, da dieser sich für die Wiederherstellung der energiewirtschaftlichen Souveränität einsetzt durch die Rückgewinnung von Bergwerken und Erdölfeldern. Morales würde sich mit Erfolg gegen die westliche Macht wehren ohne sie auszuschließen. Für die Umstrukturierung der Ölfelder ließ er die Privatkonzerne in Dienstleistungsunternehmen verwandeln mit Hilfe von qualifiziertem Personal aus aller Welt, besonders Norwegens. Gut strukturiert und voller seriöser Zahlenbelege endet „Der Hass auf den Westen“ mit einem Appell zur Änderung der momentanen Zustände. Das Original „La Haine de l’Occident“, in Frankreich schon 2008 mit Erfolg erschienen, verfasste Ziegler in französisch und ließ es dann übersetzen, obwohl er selbst bis zu einer einschneidenden Begegnung mit Che Guevara die deutsche Sprache benutzte, mit der er aufgewachsen war.



Aus der deutschen Neuerscheinung liest der emeritierte Soziologieprofessor der Universität Genf und Gastprofessor an der Sorbonne am 14. April um 19 Uhr im Haus der Kulturen der Welt in Berlin. Die Lesung ist Teil der Veranstaltung „Über Wut“, die vom 14.3.-9.5. dort stattfindet mit Ausstellung, Filmen, Lesungen und Diskussionen zum Thema Wut in transkultureller und transhistorischer Perspektive.

 

Lecture Jean Ziegler aus "Der Hass auf den Westen"

14.4.2010 19 Uhr, Haus der Kulturen der Welt, Berlin

 

www.hkw.de

 

 

Marion Bergermann

12/04/2010








pas encore de commentaire

 

Ins Gästebuch eintragen

 

Image CAPTCHA pour prévenir l'utilisation abusive
 
 

La Gazette sur les réseaux sociaux : "déjà plus de 4000 "j'aime" qui suivent l'actu de La Gazette sur Facebook et plus de 1500 sur Twitter" "déjà plus de 4000 "j'aime" qui suivent l'actu de La Gazette sur Facebook et plus de 1500 sur Twitter"

Google
Web La Gazette
Blogs Facebook


Prix d'honneur Louise Weiss du journalisme européen.




Jean-Patrick REVEL, avocat bilingue franco-allemand.
Rechtsanwalt – Fachanwalt f. Familienrecht
Beer, Gastl & Partner
Schloßstraße 17
13467 Berlin
Tel. +49 (0)30 810 335 620
www.ra-revel.de

Faites votre pub ici!

Auberges de Jeunesse à Berlin



KOCH KARIMI
Cabinet d’avocats franco-allemand
(Berlin – Paris)
Rechtsanwälte, in Deutschland und Frankreich zugelassen

MEDIATIS
Faire un crédit pour financer ses études à l'étranger

JOBISJOB
Toutes les offres d’emploi à Berlin et partout en Europe





LEO - Dictionnaire