Khaled, einer der bekanntesten Vertreter des nordafrikanischen Rai kommt nach Deutschland. Am 01.04 im „Muffatwerk“ in München, am 03.04. im „Huxley's“ in Berlin und am 04.04. in der „Fabrik“ in Hamburg. Er sorgte mit Hits wie „Didi“ und „Aicha“ international für Aufsehen. 2009 erschien sein neues Album mit dem Titel „Liberté“.
Khaled Hadj Brahim, alias Khaled ist wohl der weltweit bekannteste Vertreter der algerischen Volks- und Populärmusik, dem Pop-Rai, die in den späten 70ern bis frühen 80er Jahren, hauptsächlich in Westalgerien und Ostmarokko entstand. Mit Hits wie „Aicha“ und „Didi“ schaffte er es sich auch über die Grenzen des Maghreb hinaus einen Namen zu machen und genießt insbesondere in Frankreich Heldenstatus.
Die Evolution des Rai
Khaled ist 1961 geboren und wuchs in Sidi El Houari an der Mittelmeerküste Algeriens auf, einem Vorort von Oran, das bis heute das wichtigste Zentrum der Rai-Musik ist. Dort verfiel er früh der Magie der Musik, hörte sehr viel Marokkanisches, interessierte sich aber ebenso für westliche Musikgrößen, wie Elvis Presley und Jhonny Hallyday. Mit 14 Jahren begann er auf Hochzeiten und Kabaretts zu singen und gründete eine Band mit dem Namen „Cinq Etoiles“.
Er gehörte von Anfang an zu den treibenden Kräften der jungen Generation, der Avant-Garde, der Rai-Musiker, die sich allesamt „Chebs“ (Jugendliche) nannten und begleitete auf diese Weise den Werdegang der musikalischen und kulturellen Bewegung die sich von den traditionellen oftmals festgefahrenen Werten ab- und den modernen, unbeschwerten zuwand. Zwischen den meist hoffnungslosen sozialen Verhältnisse, die zur Perspektivlosigkeit der algerischen Jugend führte und dem jugendlichen Drang zum Abenteuer und Antikonformismus entwickelte sich der Rai zu einem ausdrucksstarken Medium für Tabubrüche, Selbstdarstellung und Selbsterfüllung. Dies führte im Laufe der Jahre jedoch auch zur Stigmatisierung des Rai innerhalb der konservativeren Gesellschaft Algeriens.
Auch in Khaleds ersten Texten offenbarte sich der Drang zur Verherrlichung von Liebe und Alkohol. Das Aufkommen von Synthezisern und Drumcomputern in den 80ern gab dem Rai die Möglichkeit seine brisanten, zum Teil revolutionären Inhalte nicht nur prosaisch sondern auch musikalisch darstellen zu können. Schon im traditionellen Rai der 60er Jahre wurde die klassische Instrumentation/Besetzung durch westliche Instrumente und Elemente des Flamenco, des Jazz und der Rockmusik ergänzt. Insbesondere Khaled drängte auf das Ziel, Tradition und Moderne in seiner Musik zusammenzuführen. So wurde er zum Stellvertreter der lokalen Generation junger Algerier die in den manchmal melancholischen aber lebensbejahenden Liedern ihr Gefangensein zwischen dem Treuegedanken gegenüber den eigenen Traditionen und den Fluchtgedanken in eine modernere, freiere Zukunft dargestellt sahen.
Der Rai erobert Europa
Nach seinen großen Erfolgen in Algerien wurde Khaled dann 1986 zum ersten Mal nach Frankreich ins Pariser Banlieu Bobigny eingeladen und konnte das Publikum durch seine kräftige Stimme und sein ausdrucksstarkes Auftreten überzeugen. 1992, landete er dann mit „Didi“ seinen ersten internationalen Erfolg, der es weltweit in die Charts schaffte. Durch seinen stetig wachsende Bekanntheitsgrad, entfernte er sich immer mehr von seiner Heimat. Seine, einer emanzipierten Lebenshaltung frönenden Texte, stellten für die konservativeren Lager eine Gefahr für die „Rechtschaffenheit“ der algerisch-islamischen Jugend dar. Erst mit der Amtsübernahme des aktuellen algerischen Präsidenten Bouteflika, entspannte sich die politische Lage soweit, dass Khaled 1999 nach Algerien zurückkehrte.
Nach den Anschlägen des 11. September tourte er durch dutzende Städte der USA und gab im Mai des folgenden Jahres zusammen mit der israelischen Sängerin Noa in Rom ein Konzert unter dem Titel „Time for life“ zu Gunsten der Friedensbemühungen im Nahen-Osten. Teil nahm dabei unter Anderem der israelische Außenminister, Shimon Peres. Viele Stimmen in den arabischen Staaten riefen zum Boykott seiner geplanten Konzerte in Jordanien und im Libanon auf.
Der Rai steht heute zwischen den Kulturen und lässt sich weder der europäischen noch nordafrikanischen Musik zuordnen. War er in den 80ern das Ausdrucksmittel einer jungen Generation von Algeriern, die sich nach dem Liberalismus Europas verzehrten ist er heute auch ein Ausdrucksmittel der im Exil lebenden Marokkaner, Algerier und Tunesier die in ihm ihre Traditionen und Wurzeln artikuliert sehen. Gerade durch Künstler wie Khaled die den Rai über die Grenzen des Maghreb hinausgetragen haben, konnte das Genre zum Vermittler zwischen den Kulturen werden. So stehen die Chancen gut, dass die Deutschlandkonzerte zum berauschenden Erlebnis für die Zuhörer werden.
Mohamed Lamrabet
15.03.1010
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Chantal /// Dienstag, 16-03-10 09:55
J'ai un peu de mal à lire un article aussi élogieux sur Khaled, dont je ne conteste pas le talent, mais dont il ne faut pas oublier qu'il a fait subir des violences physiques à sa compagne et qui a organisé son insolvabilité pour ne pas payer de pension alimentaire à sa fille...Ce sont des détails qui comptent pour quelqu'un qui chante des chansons sur l'amour, les femmes, la paix etc etc