Klima-total oder einfach nur Xynthia?


Was in Deutschland als Orkan die Runde macht, muss in Frankreich noch lange keiner sein. Denn während das außertropische Tiefdruckgebiet Xynthia Anfang März Deutschland in Form eines Orkans heimsuchte, vermieden die französischen Medien den Äquivalenzbegriff "ouragan" und sprachen lediglich von "tempête" ( zu Dt. Sturm).

Dabei ist es kein meteorologisches Hexenwerk den Orkan beim Namen zu nennen: Als allgemeiner Maßstab und Referenzsystem zur Deutung von Windbewegungen gilt die Beaufortskala. Auf der 12-wertigen Skala wird 0 mit vollkommener Windstille gleichgesetzt. Ab einer Windgeschwindigkeit von über 117 Km/h oder 32,7 m/s spricht man von Orkan, der zwölften Stufe auf der Beaufortskala. Xynthia fegte mit einer Windgeschwindigkeit von 130 bis 150 Km/h über Europa hinweg - eine Spitzengeschwindigkeit von 200 Km/h dürfte vollends zur Nominierung ausreichen. Während die Königin der Stürme in Deutschland zur Miss Orkan gekürt wurde, hat es in Frankreich leider nicht für das Siegertreppchen gereicht.
Könnte es sein, dass die Franzosen Unangenehmes zu verschweigen suchen? Dem Orkan nicht ins Auge blicken wollen? Oder handelt es sich lediglich um unterschiedlichen Sprachgebrauch? Eine deutsch-französische Kuriosität, deren Herkunft wohl unbekannt bleiben wird.
Xynthia, oh warum Xynthia?
Ob "tempête, grosse oder très grosse tempête " oder eben "Orkan" sei dahingestellt. Doch wie bekommen die Stürme und Winde eigentlich ihren Namen? Diese Frage wird in gewisser Weise regional beantwortet. Für Europa ist es die Freie Universität in Berlin, genauer gesagt das Institut für Meteorologie der FU Berlin, das seit 1954 den Unwettern ihren Namen gibt. Ursprünglich stammt die Namensgebung für Druckgebilde aus den USA und wurde auf Initiative von Dr. Karla Wege, damalige Studentin und spätere Meteorologin des ZDF, nach Deutschland importiert. Seitdem ist die FU neben dem US-Wetterdienst die einzige Unwetter benennende Institution und hat sich als solche in Europa etabliert.
In alphabetischer Reihenfolge werden Tiefdruckwirbel mit weiblichen und Hochdruckgebiete mit männlichen Vornamen versehen. Die Namensfindung basiert auf Vorschlägen aus der Öffentlichkeit. Die "Wetterpaten" spenden einen Euro für einen guten Zweck und können sich somit in der Wettergeschichte verewigen.
Um dem Vorwurf der geschlechtsspezifischen Diskriminierung zu entgehen, werden seit 1998 in abwechselnder Folge männliche und weibliche Vornamen für Hoch- und Tiefdruck verwendet. Nebenbei bemerkt ganz interessant, oder?
Angriff auf die Klimagelehrten
„Orkan“ oder „tempête“, in Anbetracht der zerstörenden Wucht Xynthias scheint es nebensächlich sich an terminologischen Differenzen aufzuhängen. Es könnte sich jedoch lohnen, das Augenmerk auf eine weitere meteorologische oder besser klimatologische Kuriosität Frankreichs zu werfen: Claude Allegre.
Allègre ist ein Wissenschaftler, der in Frankreich gegen die Klimaforscher wettert und damit polarisiert. Ex-Minister für Bildung (Education Nationale), Technologie und Forschung unter Lionel Jospin von 1997 bis 2000 und renommierter Geochemiker, Claude Allegre ist nicht irgendein autoproklamierter Scheingelehrter. Zahlreiche Preise, unter anderem die Goldmedaille des CNRS** und den Crafoord Preis, einer der höchsten Auszeichnungen für Geowissenschaftler, kann er sein Eigen nennen.
Bereits seit einigen Jahren kämpft er gegen „fälschliche“ Prophezeiungen und gegen die Behauptung eines durch Menschen verursachten Klimawandels. Sein neustes Buch "Imposture climatique: ou la fausse écologie" (zu Dt. Der Klima Betrug) bezeichnet die französische Le Monde jedoch als „Anklagerede voller Fehler“.
Mythos Klimawandel als konspiratives Phänomen
Die globale Klimaerwärmung sei nicht festzustellen, vielmehr könne man in den nächsten Jahren einen durchschnittlichen Temperaturabfall erwarten, so Allegre. Auch sei nicht der Mensch Ursachenschöpfer einer unnatürlichen, klimatischen Verschiebung. Schmelzenden Eiskappen, Umweltkatastrophen oder gar Klimaflüchtlinge - Alles Panikmache. „Die Menschen werden sich ans Neue anpassen“, verkündet Allègre. Hunger und die Wasserversorgung stellen die wirklichen Probleme des 21. Jahrhunderts dar.
Insbesondere auf die "Groupe d’experts intergouvernementales sur l’évolution du climat", GIEC*** (zu Dt. zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderung) hat es der Polemiker abgesehen. Auch wenn er der Expertengruppe eine gewisse Durchsicht attestiert, die alarmierenden Ergebnisse kann Allègre nicht verstehen. Leider auch nicht die wörtliche Bedeutung des GIEC, die er in seinem Buch fälschlicherweise als "Groupement international pour l’étude du climat" (zu Dt. Internationaler Zusammenschluss zur Erforschung des Klimas) aufführt. Auch hinter Georgia Tech verbirgt sich keine Person sondern die Abkürzung des Georgia Institute of Technology. Ein kleiner faux pas, der Rückschlüsse auf das ganze Werk ziehen lässt?
Der Klima-Diskurs hat laut Allègre totalitäre Züge angenommen. Redegewohnheiten, die nicht nur politisch, sondern auch klimatisch korrekt sein müssen haben sich eingeschlichen. Viel Wind um nichts? Das sich mit dem Klima heutzutage Geld machen lässt ist offensichtlich. Das scheint auch Claude Allègre verstanden zu haben.
* Beaufortskala: Reicht von 0 bis 12 in seltenen Fällen ist die Skala auf 16 normiert. 1906 vom britischen Wetterdienst verfasst, geht die Skala lediglich durch den Namen auf Francis Beaufort zurück.
** CNRS – Centre Nationale de Recherche Scientifique (zu Dt. Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung) ist eine staatliche Forschungseinrichtung die dem französischen Forschungsministerium unterstellt ist und in etwa mit der Max-Planck-Gesellschaft vergleichbar ist. Das CNRS bildet die größte europäische Forschungsorganisation mit Schwerpunkt Grundlagenforschung. Der Hauptsitz ist in Paris, das CNRS unterhält allerdings weltweit Ablegerinstitute.
*** Die Groupe d’experts intergouvernementale sur l’évolution du climat / Intergovernmental Panel on Climate Change wurde auf Anfrage der G7 im Jahre 1988 durch die World Meteorological Organization gegründet. Durch neutrale und objektive Evaluation der wissenschaftlichen Erkenntnisse bezüglich der Klimaerwärmung soll die GIEC mögliche Konsequenzen begreifen und einen Beitrag zur Entwicklung von Lösungsstrategien leisten. Durch regelmäßige Berichterstattung dokumentiert die GIEC den Stand der Erkenntnis.
Merle Heinrich
15/03/2010


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 Claude Allègre
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