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Alles nur Schall und Rauch. Eine Anti-Tabak-Werbekampagne sorgt in Frankreich für Aufsehen. Diese zeigt Jugendliche in unzweideutiger Oralsex-Stellung, kniend, die Zigarette im Mund. Verdeutlicht werden soll die Unterwerfung des Abhängigen. Der Clou: die Kampagne existiert gar nicht wirklich!   

 

  


Kniend, das Gesicht auf Höhe der Gürtelschnalle, blickt das Mädchen ihren Peiniger fragend an.  Ihr Gesicht, leichenblass. Ihre Mimik, leicht flehend, bald resignierend. Er, ein Erwachsener  im Anzug und mit kräftiger Statur, von dem man nicht sehr viel mehr als die Hand sieht, die fest entschlossen auf ihrem Hinterkopf liegt. Wäre nicht die Zigarette, die schlaff in ihrem Mundwinkel liegt, wäre diese Szene wohl der Renner auf jeder illegalen Pornographie-Website. Doch es sollte handelt sich um die neue Werbekampagne der französischen Organisation für die Rechte der Nichtraucher DNF, die 1973 in Colmar gegründet wurde und seitdem gegen den Tabakkonsum ankämpft.

 

Die unzweideutigen Posen der Jugendlichen (Mal sind es Jungen mal Mädchen), deren Alter sich schwer einschätzen ließ, sind über die Maße provokativ, sodass der Vergleich der Zigarettenabhängigkeit mit Oralsex in Frankreich bereits zum Skandal avancierte. Das Motto der Werbekampagne lautet: „Rauchen bedeutet, Sklave des Tabaks sein.“

 

Die Bilder störten, schockierten und brachten Raucher wie Nichtraucher gegen sich auf. Die Assoziation der Zigarette mit dem männlichen Glied und der daraus resultierende Vergleich des Rauchens mit einem erniedrigenden, aufgezwungenen sexuellen Akt sei eine Verherrlichung der Pornographie, wenn nicht sogar Pädophilie in der Öffentlichkeit unter dem Deckmantel der Seriosität.




Die Titelseite der französischen Tageszeitung "Aujourd'hui en France" vom 23. Februar 2010

Ein erfolgreicher Mediengau

 

Journalisten und Blogger erhielten am 22. Februar eine Benachrichtigung der Werbeagentur BDDP & Fils, die im Auftrag der Organisation für die Rechte der Nichtraucher die „schockierende Kampagne“ bekannt machte. Die von den Verantwortliche erhoffte Resonanz ließ nicht auf sich warten: sämtliche französischen Zeitungen berichten bereitwillig darüber. Ein gefundenes Fressen für die Journalisten, die zunächst keine Zweifel an der wahrhaftigen Existenz der Kampagne hegten. Doch bald kamen Details zum Vorschein, die stutzig machten. Die Werbeagentur BDDP & Fils erstellte die Kampagne kostenlos. Und da es auf der Welt bekanntlich nichts umsonst gibt, liegt die Annahme nahe, dass die Agentur sich Werbung durch den erzeugten Medienrummel erhoffte. Außerdem war zunächst nur eine Flyerverteilung angekündigt worden. Dies bestätigte auch die 'Autorité de régulation professionnelle de la publicité“, eine staatliche Aufsichtsbehörde: „Es gab keine Werbekampagne. Die Agentur hat uns gesagt, dass es sich dabei um 15 000 Kärtchen handle, die in Diskotheken und Bars verteilt wurden“, versicherte der Generaldirektor Joseph Besnainou.

Auch ist anzunehmen, dass die Kampagne vor allem auf das diesjährige „Festival international de la publicité“, das internationale Werbefestival in Cannes, abzielte.

 



Ein Phantom entfacht Entsetzen

 

Martine Brousse, Präsidentin von „La voix de l'enfant“, warf der Kampagne vor „skandalös und unverantwortlich“ zu sein. „Wenn man gegen Pädophilie und sexuellen Missbrauch kämpft, ist es unerträglich, zwei Jugendliche vor einem Mann kniend zu sehen“. Mehrere Organisationen, aber  auch die Familienstaatssekretärin Nadine Morano, beantragten am Dienstag den sofortigen Stopp der Antitabak-Kampagne mit der Begründung, sie stelle Jugendliche in einer eindeutig sexuellen Haltung dar. Der Vorsitzende des Vereins „Enfance et Partage“ warf den Verantwortlichen zudem vor, nicht an die Opfer wirklichen sexuellen Missbrauchs zu denken, die mit einem solchen Werbeplakat konfrontiert werden würden.

 

Nach der harschen Kritik meldete sich Rémi Parola, Vorsitzender der Organisation für die Rechte der Nichtraucher, zu Wort und erklärte die Unabdingbarkeit einer solchen Kampagne mit dem steigenden Zigarettenkonsum der französischen Jugend. Die Zahl der Raucher unter den Jugendlichen sei innerhalb eines Jahres von 14% auf 18% gestiegen. „Das Argument der Gesundheit funktioniert nicht mehr. Wir haben uns entschieden, die Frage nach dem Verlangen zu stellen, die lautet: Habe ich wirklich Lust, diese Zigarette zu rauchen?“, rechtfertigte sich Rémi Parola. Marco de la Fuente von der Werbeagentur BDDP & Fils, der als Projektchef für die Kampagne verantwortlich war, ergänzte: „Hinzu kommt das Gefühl der Freiheit und der Emanzipation, wenn man seine erste Zigarette raucht. Wenn man raucht, unterwirft man sich. Nicht mehr und nicht weniger“. „Der Mann im Anzug repräsentiert die Autorität, die sich aus der Unterwerfung ergibt.“ erklärte er.  Die Verantwortlichen versicherten zudem, dass alle dargestellten Personen volljährig seien. 

 

Erst nachdem die eingefädelte „Medienoperation“ geglückt war, wurde die Kampagne in den Werbeseiten zweier französischer Boulevardmagazine, „Choc“ und „Entrevue“, abgedruckt. Ob Phantomkampagne oder genialer Marketingstreich, die Kampagne verfehlte nicht ihr Ziel, Aufsehen zu erregen.  Die Phallussymbolik der Zigarette in einem Kontext der Pädophilie darzustellen, war provokativ und wohl zu Recht umstritten. Ob die Resonanz nun auch positive Auswirkungen auf das Rauchverhalten der Jugendlichen hat, bleibt abzuwarten.

Mohamed Lamrabet

07/03/2010









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OV /// Dienstag, 09-03-10 09:19

logisch!
es "französisch" machen heißt doch blasen!

 
 

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