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Seit ihrer ersten Begegnung vor genau dreißig Jahren ist Liliane Lazar eine große Bewunderin von Bernard-Henri Lévy. Die von ihr initiierte Internetseite, die zur Archivierung der Werke BHLs' dient, ist heute der offizielle Internetauftritt des Autors. Die Universitätsdozentin ist auf das 20. Jahrhundert spezialisiert und hat das Werk Bernard-Henri Lévys im Detail studiert. Sie spricht mit der Gazette de Berlin über ihre Leidenschaft und über das „Phänomen BHL“.

 

 

La Gazette de Berlin: Sie verfolgen und archivieren mit großem Zeitaufwand die Arbeit von Herr Lévy. Was begeistert Sie so sehr an Bernard-Henri Lévy ?

 

Liliane Lazar: Meine Leidenschaft für Bernard-Henri Lévy geht auf über dreißig Jahre zurück, als ich sein Werk entdeckte. Als Spezialistin für das zwanzigste Jahrhundert habe ich mich mit den Werken von Camus, Beauvoir, Sartre und Malraux beschäftigt und diese auch unterrichtet. Meiner Meinung nach ist das Engagement und das Werk von Bernard-Henri Lévy die lebendige Weiterführung des Ideals von Sartre und Beauvoir. Wie auch Sartre und Beauvoir verspürt Bernard-Henri Lévy die Notwendigkeit, zu handeln und sich aktueller Probleme anzunehmen. Für Bernard-Henri Lévy sind Reflexion und Aktion untrennbar, wie für Sartre und Beauvoir. Es geht darum, Einsatz zu zeigen und für die Menschenrechte zu kämpfen. Für diese Autoren muss der Philosoph an den Debatten unserer Zeit teilhaben. Er darf sich nicht in seinen Elfenbeinturm zurückziehen. Ich bewundere das Engagement und das Werk Bernard-Henri Lévys, weil es seine Überzeugungen widerspiegelt und von seinem Verlangen zeugt, uns zu informieren und als Zeuge von ungeliebten Themen und „vergessenen Kriegen“* (so der Titel eines Berichts von Bernard-Henri Lévy, erschienen in der Tageszeitung Le Monde) in Angola, Burundi, Sri Lanka, Kolumbien und dem Sudan zu fungieren. Er ist einer der ersten, der vom Massaker in Bosnien und vom ruandischen Völkermord im Darfour berichtete. Wie er selbst mehrfach betonte, will er die Welt nicht verändern, sondern sie an den Stellen reparieren, wo sein Engagement dies vermag. Mit seiner Beherztheit, seiner Inbrunst und seinem Mut, sich für Dinge, die ihm wichtig sind, einzusetzen, ist er unser Cyrano des 21. Jahrhunderts.

Ich teile nicht nur seine Überzeugungen, sondern beschäftige mich auch mit seinen Büchern, die ich alle gelesen habe. Ich bewundere den „Stil BHL“, also diesen klaren, aber an Vokabular und Bildern reichen Stil. Er hat das Talent, komplizierte Werke wie die von Nieztsche, Levinas, Hegel oder Heidegger klar und verständlich zu machen.

 

La Gazette de Berlin: Auf ihrer Internetseite stellen Sie fest, dass man „BHL lieben oder hassen kann, er aber niemanden gleichgültig lässt.“ Wie erklären Sie dieses Phänomen?

 

Liliane Lazar: BHL ist nichts für Lauwarm-Duscher. Er macht seine Standpunkte sehr deutlich: sein Anti-Anti-Amerikanismus, sein Anti-Marxismus, seine Unterstützung für Israel. Er verteidigt seine Ideen und Überzeugungen mit Leidenschaft. Er hat keine Angst, sich für kontroverse Themen oder nicht allseits beliebte Persönlichkeiten einzusetzen, wie zum Beispiel Salman Rushdie, Roman Polanski oder Pius XII. Er geht Konfrontationen nicht aus dem Weg. Das führt zu intellektuellen Feindseligkeiten, giftigen Kritiken, schäbigen Attacken gegen seine Person und seinen Reichtum, der viele Neider hervorbringt. Man hängt sich an Details seiner Kleidung auf, um ihn lächerlich zu machen.

 

La Gazette de Berlin: Was denken sie über die letzte Polemik rund um Bernard-Henri Lévy und den erfundenen Philosophen Jean-Baptiste Botul ?

 

Liliane Lazar: Viel Lärm um nichts. Wer noch nie einen Fehler gemacht hat, werfe den ersten Stein. BHL hat übrigens seinen Fehler mit Anmut und Beherztheit zugegeben. Dieser Ausbruch von schlechten Scherzen über ihn lässt sich nur durch die Eifersucht und den Neid erklären, die sein Erfolg in den Medien auslöst.

 

La Gazette de Berlin: Herr Pagès, der Erfinder von Jean-Baptiste Botul, hat die „Arbeitsweise“ von Bernard-Henri Lévy in Frage gestellt. Sie kennen sein gesamtes Werk. Was würden Sie darauf erwidern?

 

Liliane Lazar : Ich habe den Artikel von Herrn Pagès nicht gelesen. Aber ich habe die Kritiken von Vidal-Naquet und die von Deleuze gelesen. Auch wenn es in einigen seiner Bücher faktische Fehler gibt, scheint mir dieses weniger wichtig, als ein Werk oder einen Autor verständlich zu machen oder neu zu interpretieren, wie Bernard-Henri Lévy dies in seinem Buch „Le siècle de Sartre“ getan hat. BHL macht seine Recherchearbeit selbst, aber anstatt uns eine lange Leseliste vorzulegen, assimiliert und interpretiert er die Texte dieses Autors, um uns einen neuen oder anderen Aspekt des Schriftstellers zu offenbaren. Man hat Lust, Sartre nochmal zu lesen oder auch die Thesen von Bernard-Henri Lévy zu widerlegen. Seine Bücher sind oft persönliche Interpretationen, wie zum Beispiel „Les derniers jours de Charles Baudelaire“. Er versteht es, einen Autor lebendig zu machen und das Interesse am Werk dieses Autors wiederzuerwecken. Auch Sartre hat dies schon mit seiner sehr subjektiven Biographie von Baudelaire** getan.

Bernard-Henri Lévy gehört nicht zur akademischen Welt, er unterrichtet nicht und hat nicht den Luxus, dass seine Studenten die Recherche übernehmen oder langwierig und gewissenhaft seine faktischen Fehler überprüfen und korrigieren. Immerhin kann man ihm zugute halten, dass er neben seinen Recherchen noch die Welt bereist, die literarische Revue „La Règle du Jeu“ leitet, einen wöchentlichen Blog bei Le Point führt, Konferenzen in berühmten Universitäten abhält und zahlreiche Interviews in den Medien gibt.

 

Liliane Lazar ist in Paris groß geworden und zur Schule gegangen. Nach dem sie ein Jahr lang Jura studierte, ging sie zum studieren nach Amerika, heiratete dort und verfolgte ihre Hochschullaufbahn an der University of Columbia, New York weiter. Ihre Doktorarbeit (Ph.D) hatte das Werk Simone de Beauvoirs zum Thema.

Als Vorsitzende der internationalen Gesellschaft Simone de Beauvoir seit 1983, hat sie viele Artikel im Rahmen der Beauvoir-Studien geschrieben. Sie ist ebenfalls Dozentin für Französisch an der Hofstra Universität New York.

Sie begegnete Bernard-Henri Lévy 1980 an der New York University, als dieser dort ein Seminar hielt, aus dessen Grundlage die „Ideologie Française“ entstehen sollte. 1999 setzte sie eine Seite um, auf der die Werke Lévys archiviert werden sollten. Heute leitet Sie die Seite bernard-henri-lévy.com.



Veröffentlichungen :

« A chacun sa France », 1990, mit Nadine Dormoy.

« L' Empreinte Beauvoir », l'Harmattan, 2009.

 

Alexandra Friedmann

01/03/2010

 

* „guerres oubliées »

** « Baudelaire », Jean-Paul Sartre, 1947

 

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