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Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Togos Kofi Yamgnane im Interview

 

 

Sie haben sich der F.R.A.C angeschlossen. Sollte diese Gruppierung den Wahlsieg einholen, in welcher Form werden Sie sich an der Regierungsbildung beteiligen?

 

 

Ich habe mich nicht nur der F.R.A.C. angeschlossen, sondern diese gemeinsam mit François BOKO und Jean-Pierre FABRE gegründet. Bereits vor einiger Zeit haben wir in Lomé mit der Suche nach einem einzigen Oppositionskandidaten begonnen. Und als wir uns Anfang Februar in Paris getroffen haben, konnten wir schließlich die Fundamente der F.R.A.C. legen. Seitdem haben sich weitere Parteien, Politiker und Bewegungen angeschlossen. Wir haben die politische Vereinbarung getroffen, Togo gemeinsam und demokratisch zu regieren. Diese Zielsetzung werde ich bis zu letzt unterstützen und somit an der politischen, sozialen und institutionellen Rekonstruktion Togos mitwirken.

 

Wie steht es um Ihren Bekanntheitsgrad und Ihre Akzeptanz in Togo?

 

Als ich vor etwas mehr als einem Jahr beschlossen habe in mein Geburtsland zurückzukehren, war ich dort kaum bekannt. Mit meinem Team haben wir das ganze Land von Ost nach West und von Nord nach Süd bereist um das togolesische Volk kennen zu lernen. Wir sind in jede Präfektur gegangen, in jeden Kanton, in jedes Dorf. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte das in Togo noch kein einziger Politiker gemacht. Das Ergebnis war noch viel besser als erwartet, heute kennt jeder in Togo Kofi Yamgnane. Der aktuellen Regierung bin ich so sehr ein Dorn im Auge, dass sie die Medien bedrängen meinen Namen nicht zu erwähnen.

 

Hat die Tatsache, dass Sie die doppelte Staatsbürgerschaft besitzen und lange Zeit in Frankreich gelebt haben positive oder negative Auswirkungen auf Ihre Akzeptanz?

 

Diese Frage hat eine Weile die öffentliche Debatte angeheizt um anschließend abzuklingen. Haben Sie bemerkt, dass die Mehrzahl der Politiker in Togo die doppelte Staatsbürgerschaft besitzen, die der aktuellen Regierung inbegriffen?  Ich denke wirklich, dass es für die Bevölkerung Togos nicht wichtig ist, ob ich eine binationale Identität habe oder nicht. Sie wissen, dass ich ein Kind Togos bin. Sie fordern Veränderung. Wenn ich dazu einen Beitrag leisten kann, umso besser.



Sind Sie in den Augen der Togolesen ein europäisches Phänomen?

 

Gewiss, ich bin vor allem auf Grund der Ämter die ich in Frankreich inne hatte bekannt. Zweifellos werde ich vor diesem Hintergrund gesehen. Ich bin eine Frucht des Baumes der Französischen  Republik. Ich habe die Werte der Freiheit, Gleichheit und Toleranz angenommen und ich verleugne nichts. All diese Elemente machen aus mir die Person, die ich heute bin.

 

 

Werden Sie also nicht als Eindringling mit französischen Absichten betrachtet?

 

Ich denke nicht und ich habe es auch deutlich zum Ausdruck gebracht. Ich habe Frankreich viele Jahre loyal gedient. Wieso sollte ich den Interessen Frankreichs schaden? Ich habe mich eben entschieden Togo auf die gleiche Weise zu dienen und habe von nun an nur die Verteidigung des Interessen Togos und seiner Bevölkerung im Kopf.

 

 

Werden Sie von anderen afrikanischen Ländern unterstützt und insbesondere in der Region unterstützt?

 

Ich bin nicht befähigt an der Stelle Anderer zu sprechen. Es ist wahr, dass viele unserer Nachbarn eine Demokratisierung Togos wünschen. Der aktuelle Zustand macht aus uns keinen vertrauenswürdigen und wirkungsvollen Partner. Und die afrikanischen Institutionen brauchen vertrauensvolle und standfeste Partner um ihre Ziele zu verwirklichen.

 

 

Kann die Präsenz der europäischen Wahlbeobachter den transparenten Wahlgang gewährleisten?

 

Leider nicht ... Das allein reicht nicht aus. Die Staatsmacht hat bereits mit dem flächendeckenden Wahlbetrug begonnen. Die Opposition hat ununterbrochen die Unregelmäßigkeiten bei der Erstellung der Wahllisten bemängelt und deren Revision gefordert. Die von der Regierung veröffentlichten Zahlen sind durch und durch unlogisch und verdreht. Die Tatsache, dass die Veröffentlichung der Wahllisten abgelehnt wird, ist Beweis für die Unrechtmäßigkeit des Vorganges.

 

 

Oder zeichnet sich der Rückgriff auf Wahlbetrug bereits ab?

 

Es gibt keinen Zweifel, die RTP wird versuchen den Wahlgang zu manipulieren. Aber wir werden dies nicht kommentarlos geschehen lassen. Wir haben innerhalb der Opposition gewisse Maßnahmen getroffen, welche die Möglichkeiten zum Wahlbetrug einschränken. Und wir setzen auf die Professionalität der Beobachter. Sie dürfen die Augen nicht verschließen und müssen den Mut haben den festgestellten Betrug auszusprechen.




 

Glauben Sie, dass das Ende der Herrschaftszeit Gnassingbés ansteht?

 

Wenn die Wahlergebnisse nicht verdreht werden gibt es keinen Zweifel, dass das Ende dieses autoritären Regimes bereit steht. Die Bevölkerung hat genug. Überall ertönen die Wünsche nach Freiheit, Gleichheit und Frieden. Die Menschen wollen mit der Hoffnung leben und nicht in der Angst überleben. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir uns dem Ende Gnassingbés mit großen Schritten nähern.

 

 

Wie schätzen Sie die Reaktion der Bevölkerung ein wenn die RTP und Gnassingbé erneut gewinnen sollten? Werden die Togolesen im Namen der Demokratie auf die Straße gehen oder wird die Enttäuschung der Bevölkerung in Resignation umschlagen? Spielt die Politik eine Rolle im Alltag der einfachen Leute?

 

Wenn die Togolesen mit den 45 Jahren Diktatur unter der RTP zufrieden sind – was ich bezweifle – und sich für diese Partei entscheiden, werden wir diesen Willen akzeptieren und den Siegern gratulieren. Aber wenn der Wille des Volkes für Wechsel und Veränderung spricht und, was ich befürchte, die aktuelle Regierung sich selbst zum Gewinner ernennt wird dies Frustration und heftige Reaktionen nach sich ziehen. Was auch geschehen wird, alle Mitglieder der F.R.A.C. stehen dem togolesischen Volk bei Seite.

 

 

Würden Sie das Phänomen Ihrer unterschiedlichen Geburtsdaten erläutern?

 

Selbstverständlich. Wie die meisten der Leute in meinem Alter, die zu einer Zeit geboren wurde als die togolesische Administration noch nicht ausgebaut war, besitze ich eine Geburtsurkunde, die mein Geburtsjahr 1945 attestiert. Bis zur Erhaltung meines Abitur 1964 hat dies in Togo niemanden gestört. Als ich mich um ein französisches Stipendium bewarb, wurde mir der 11. Oktober 1945 willkürlich zugeteilt. Die französische Verwaltung akzeptiert keine unvollständigen Geburtsdaten. Bis ich im Jahr 2008 meinen Pass erneuern wollte, gab es auch keine Probleme. In der Zwischenzeit hatte die Verwaltung in Togo ohne mich zu informieren beschlossen, mein Geburtsdatum auf den 31. Dezember 1945 zu legen. Jeder Togolese kennt in seinem Umfeld mindestens eine Person, die in der gleichen Situation steckt wie ich. Es ist also nichts Außergewöhnliches, Unerklärliches oder Illegales mit dieser Situation verbunden.

 

 

Haben Sie ein Schlusswort?

 

Ich appelliere an alle Togolesen den Weg ins Wahllokal auf sich zu nehmen und strategisch zu Wählen, d.h. für den von der F.R.A.C. unterstützten Kandidaten, der einzige, der gewinnen und der RTP die Macht abnehmen kann. Ich appelliere an alle Togolesen für den einzigen Kandidaten der UFC zu stimmen, Jean-Pierre FABRE.

 

Hauptartikel zu den Präsidentschaftswahlen in Togo http://www.lagazettedeberlin.de/5927.html

 

Merle Heinrich

01/03/2010








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