

Eric Rohmer ist im Januar im Alter von beinahe 90 Jahren in Paris gestorben. Ihm zu Ehren zeigt das Arsenal Kino vom 2. bis zum 11. März eine kleine Auswahl seiner Filme.

Eric Rohmer, der älteste der Nouvelle-Vague-Weggefährten Godard, Rivette, Chabrol und Truffaut, hatte bereits einen Roman geschrieben und war als Lehrer und Kritiker tätig, bevor er mit dem Filmemachen begann. Zwischen 1950 und 2007 drehte er dann mehr als 50 Filme. Die meisten sind unschwer als Rohmer-Filme zu identifizieren, seine Handschrift ist unverkennbar. Alle Filme Rohmers sind gewissermaßen Versuchsanordnungen, die durchgespielt werden; meist geht es um die Liebe auf der Bühne des Alltags, die Rolle von Zufall und Moral, um filigrane Beziehungsgeflechte, ein virtuoses Spiel mit der Arithmetik von Beziehungen – was jeweils vor allem sprachlich verhandelt wird. Die Dialoge sind wesentliches Element der Szenerie, dem gesprochenen Wort kommt eine wichtige Rolle zu: Das Nachdenken über Gefühle, Lebensentwürfe, Enttäuschungen und Sehnsüchte wird stets ausformuliert. Rohmers Filme sind streng komponiert und doch von großer Leichtigkeit, intellektuell und sinnlich, künstlich-stilisiert und reich an Wirklichkeit. Und immer mit einer gewissen Distanz in Szene gesetzt, beobachtend, neugierig, etwas herauszufinden über die Figuren und deren Handeln.

Dienstag, 2.3., 20h
Einführung: Ulrich Gregor
Schon die frühe Arbeit PRÉSENTATION OU CHARLOTTE ET SON STEAK ( Eric Rohmer F 1951 OmE 12’),die mit den Stimmen von Stéphane Audran und Anna Karina nachvertont wurde, weist die für Rohmer elementare Personenkonstellation auf: ein Mann und zwei Frauen. Während Walter (Jean-Luc Godard) Clara zum Bahnhof begleitet, lädt er sich zu Charlotte nach Hause ein, in der Hoffnung, ihr näher zu kommen.
Winter in Clermont-Ferrand: Der Ich-Erzähler, Jean-Louis Trintignant, in MA NUIT CHEZ MAUDM (Eine Nacht bei Maud/ Eric Rohmer/ F 1969 /OmE 110’), ein Ingenieur und gläubiger Katholik, hat sich bei einem Gottesdienst eine schöne Frau zum Heiraten ausgesucht. Ein alter Freund, marxistischer Philosophieprofessor, macht ihn mit der attraktiven, geschiedenen Ärztin Maud, einer emanzipierten Frau, bekannt. Es ist zwar eine „moralische Geschichte“, aber keine, die eine Moral zum Mitnehmen bereithält.

Mittwoch, 3.3., 20h
PRÉSENTATION OU CHARLOTTE ET SON STEAK (s.o.)
In LA BOULANGÈRE DE MONCEAU (Die Bäckerin von Monceau Eric Rohmer F 1962 OmE 26’) erzählt ein junger Mann (Barbet Schroeder) aus dem Off (mit der Stimme von Bertrand Tavernier) von Begegnungen mit einer jungen Frau, Sylvie, auf der Straße.
LA CARRIÈRE DE SUZANNE (Die Karriere der Suzanne Eric Rohmer F 1963 OmE 52’) ist ein weiteres Dreieck als Versuchsanordnung, die durchgespielt wird, ebenfalls aus der Perspektive eines Ich-Erzählers (Bertrand): Guillaume, der beste Freund von Bertrand, ist ein Frauenheld, und Bertrand weiß nicht, ob er ihn dafür bewundern oder verachten soll. Als Guillaume eine Affäre mit Suzanne beginnt, obwohl er sie nicht leiden kann, und sie auch finanziell ausnutzt, ist Bertrand hin- und hergerissen, spielt das gemeine Spiel aber mit. Nach der Trennung der beiden sieht es ganz so aus, als hätte Suzanne die Fäden in der Hand gehabt und ihrerseits mit den beiden Männern gespielt.

Donnerstag, 4.3., 19h & Mittwoch, 10.3., 21h
In LE GENOU DE CLAIRE (Claires Knie Eric Rohmer F 1970 OmE 105’) verbringt Jérôme, ein 35-jähriger Diplomat (Jean-Claude Brialy), kurz vor seiner Hochzeit einige Tage in den französischen Alpen, am See von Annecy. Dort trifft er auf seine ehemalige Geliebte Aurora, eine Schriftstellerin, die ihn zum Gegenstand ihres Romans machen möchte. Als er eines Tages Claire trifft, hat Jérôme jedoch nur noch einen Wunsch: wenigstens ein Mal ihr Knie zu berühren.

Freitag, 5.3., 21h & Donnerstag, 11.3., 21h
LE BEAU MARIAGE (Die schöne Hochzeit Eric Rohmer F 1981 OmE 87’) schildert die Geschichte der Kunstgeschichts-Studentin Sabine, die Mitten in einer Affäre mit einem verheirateten Künstler, den Entschluss sich künftig nicht mehr von einem Liebhaber zum nächsten zu hangeln, sondern zu heiraten – ohne zu wissen, wer der dafür nötige Mann sein könnte. Ein Anwalt (André Dussolier) wird zu ihrem Auserwählten.

Samstag, 6.3., 19h & Montag, 8.3., 20h
Die Sommerfrische als lichtdurchflutete Bühne, auf der die Komödie der Liebe PAULINE A LA PLAGE (Pauline am Strand Eric Rohmer F 1982 OmE 94’) in Szene gesetzt wird: In einem Ferienort an der Atlantikküste treffen drei Frauen und drei Männer aufeinander. Das Spiel des Begehrens und Begehrt-Sein-Wollens, der Wahl und der Abweisung, des Glücks und der Eifersucht nimmt seinen Lauf.

Samstag, 6.3., 21h
Die sterile Architektur der Retortenstadt Cergy-Pontoise, der Handlungsort von L'AMIE DE MON AMIE (Der Freund meiner Freundin Eric Rohmer F 1986 OmE 99’) in der Pariser Banlieue (Vorort) ist ein Ort, an dem sich die Geometrie von Beziehungen besonders gut vermessen lässt, wo es gleichzeitig jedoch, was das Verlieben angeht, auch nicht anders zugeht als in einem Dorf: Blanche, eine junge Verwaltungsbeamtin, freundet sich mit der selbstbewussten Studentin Léa an, die einen gutaussehenden Freund hat und sich sofort um das Liebesglück ihrer schüchternen neuen Freundin kümmert. Doch statt dem ihr zugedachten erfolgreichen Ingenieur, der sich aber mehr für Léa interessiert, nähert sich Blanche gegen ihren Vorsatz in Léas Abwesenheit deren Freund Fabien an. Ein Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel.

Sonntag, 7.3., 21h
In CONTE D'AUTOMNE ( Herbstgeschichte, Eric Rohmer F 1998 OmU 112’) ereignet sich im frühherbstlichen Weinanbaugebiet am Rhône-Ufer die Geschichte einer späten Liebe. Isabelle und Rosine betätigen sich als Kupplerinnen und suchen heimlich für ihre Freundin, die verwitwete Winzerin Magali, einen neuen Mann. Doch die forcierte Glückssuche gestaltet sich schwieriger als gedacht. Ein Film über den hinterlistigen Charme von Freundschaft und den Zufall der Liebe, voll feiner Ironie und pointierter Dialoge.

Mohamed Lamrabet
26,02,2010
www.lagazettedeberlin.de/5811.html