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Zuviel Halal in Roubaix




Die französische Fast-Food Kette „Quick“ bietet in acht ihrer 350 Filialen nur noch Halal Produkte an und löst so eine weitere Diskussion über die Islamisierung Frankreichs aus.




Keine Bacon-Burger mehr bei Quick

Der sozialistische Bürgermeister der nordfranzösischen Stadt Roubaix, René Vandierendonck, möchte, dass die Bürger in seiner Stadt essen können, was sie wollen. Ob Muslime, Juden, Christen oder Konfessionslose, diskriminiert werden darf keiner, so R.Vandierendonck. Bei ihm beginnt Diskriminierung dann, wenn man in einem privaten Schnellrestaurant nicht mehr die Wahl hat zwischen Chickenburger oder Bacon-Burger, sondern nur noch zwischen Halal-Burger und Halal-Sandwich. Marine Le Pen von der rechtsextremen Front National tritt im Regionalwahlkampf in Nord-Pas-de-Calais an und sieht in dem Vorgehen der Restaurantkette ein sicheres Zeichen für eine schleichende Islamisierung Frankreichs. „Es kann nicht sein, dass man den Franzosen Halal Fleisch aufzwingt“, so Marine Le Pen, „ihnen muss eine Wahl gelassen werden“. Die Front National vermutete eine Verschwörung: Quick ist seit 2006 zu großen Anteilen in den Händen der Caisse de dépôts et consignations, eines staatlichen Finanzinstitutes.* Nicolas Sarkozy und die UMP** öffnen der Islamisierung direkt die Tür nach Frankreich, wettert Marine Le Pen. Die Front National und die Sozialistische Partei sind sich in der Halal-Affäre einig, die UMP muss Kontra geben.

 

Halal-Produkte erobern den Markt

„Halal“*** bedeutet so viel wie „das Zulässige“, „das Erlaubte“ und beschreibt, welche Lebensmittel gläubige Muslime essen dürfen. Ernährt sich ein Muslim nach den Regeln des Halal, darf er auf eine Belohnung Allahs im Diesseits und Jenseits hoffen. Welche Produkte als zulässig klassifiziert werden, ist dabei eher unklar. Laut dem „World Halal Forum“ in Malaysia, liegt der Umsatz mit Halal-Produkten derzeit bei 634 Milliarden US-Dollar. Auch große Lebensmittelfirmen wie Nestlé und Kentucky Fried Chicken entdeckten bereits das Marktpotential. Von 456 Nestlé-Fabriken wurden 75 auf Halal-Produkte umgestellt. Halal ist im Vormarsch, es ist ein steigender Markt, der bereits den Umsatz von Bioprodukten übersteigt.

 

Diskriminierung durch Halal?

In Roubaix stammt ein großer Teil der Bürger aus Nordafrika und ist

muslimisch, die Schnellrestaurantkette Quick hat darauf reagiert und in ihrer Filiale im Stadtzentrum auf Halal-Produkte umgestellt. Mit Erfolg: Der Umsatz hat sich seit dem angeblich verdoppelt. So begeistert Quick angesichts des steigenden Umsatzes ist, und so sehr sich die muslimischen Bürger über diese Neuerung freuen, Réne Vandierendonck macht da nicht mit. Der Bürgermeister will Quick die Lizenz entziehen und die französische Behörde gegen Diskriminierung einschalten.

 

Wahlkampfwirksame Kampagne?

Nach der Debatte um das Burka-Verbot steht nun das Halal Essen auf dem Speiseplan der Politik. Islamisierung und die Einschränkung der Ernährungs-Freiheit werden in Frankreich befürchtet. Man sollte wissen, dass die Kommunalwahlen bald anstehen und, dass R.Vandierendonck Wahlkampf betreibt. Eine Prise Rechtspopulismus kann ihm dabei helfen. Es handelt sich, anders als bei der Burka-Diskussion, nicht um die Angst vor einer Islamisierung in öffentlichen Einrichtungen. Quick ist eine private Schnellrestaurantkette, die zwar seit kurzem im Besitz eines staatlichen Finanzinstitutes** ist, aber lediglich entschieden hat, ihr Sortiment zu verändern. Es ist weniger ein politischer Akt, als vielmehr eine Möglichkeit der Profitmaximierung. Réne Vandiendonck scheint ebenso opportunistisch zu sein.

 

Wo ist das Problem?

Auch der Grünen-Politiker Daniel Cohn-Bendit versteht die Aufregung nicht ganz. In der französischen Zeitung Le Point sagt er: „Wenn sie anderes Fleisch essen wollen, gehen sie eben woanders hin“. Über jüdische Restaurants in Paris, die ausnahmslos koscheres Fleisch anbieten, regt sich ja auch keiner auf, so der Politiker.

 

 

*Die Caisse de depots et consignations ist ein staatliches französisches Finanzinstitut, welches der direkten Aufsicht des französischen Parlaments untersteht. 2006 erwarb die CDC Quick-Restaurants für 730 Millionen Euro von Anteilseignern wie dem belgischen Milliardär Albert Frère, welcher als Freund Sarkozys gilt. Der französische Journalist Francois Vignal beschreibt in Le Post dass der eigentliche Skandal bei Quick nicht das angebotene Halal Fleisch sei, sondern die Tatsache, dass Albert Frère für seine Anteile an Quick von der Caisse de depots et consignations zu viel Geld erhalten habe. Der Preis ist vermutliche um mindestens 150€ zu hoch gewesen. Erst durch diesen Gewinn hätte der Milliardär in die EDF und Suez investieren können.

 

**Die UMP („union pour un mouvement populaire“) ist eine französische Partei, die aus der politischen Rechten und der Mitte hervorgegangen ist. Die Union ist pluralistisch, demokratisch und dezentral ausgerichtet. Der aktuelle französische Präsident Nicolas Sarkozy gehört dieser Partei an.

 

***“Halal“ steht im Gegensatz zu „Haram“. „Haram“ beschreibt für Muslime unzulässiges Essen und umfasst beispielsweise Schweinefleisch oder nicht geschächtetes Rindfleisch. Die Begriffe werden allerdings nicht nur im Zusammenhang mit Lebensmitteln verwendet und können weitere Teile des muslimischen Lebens betreffen.

 

 

Clara Billen, 24.02.10








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