Olympia ohne Gilles Vigneault

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 Gilles Vigneault
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Der kanadische Künstler Gilles Vigneault verweigert die Anfrage des Olympischen Komitees bei der Eröffnungsfeier der Winterspiele in Vancouver sein Lied „Mon pays“ zu singen. Eine politische Botschaft, meint die Presse aus Montréal.

Gilles Vigneault gibt Olympia eine Abfuhr. Der kanadische Sänger hat, so die Montrealer Zeitung Le Devoir, die Anfrage des Organisationskomitees der Olympischen Winterspiele bei der Eröffnungsfeier in Vancouver zu singen, abgelehnt. Er sollte sein Lied „Mon pays“ singen, doch die Zeilen „mon pays c’est n’est pas un pays, c’est l’hiver“ („Mein Land ist kein Land, es ist der Winter“) waren nicht zu hören. Eine offizielle Stellungnahme des Künstlers bleibt noch abzuwarten, die Medien vermuten den Grund für die Reaktion in seiner politischen Überzeugung.
Gilles Vigneault ist Québecer und nicht Kanadier, er hat für ein freies Québec während der Unabhängigkeitsbewegung auf den Straßen demonstriert, hat die „Parti Québécois“ unterstützt und Lieder geschrieben über sein Land, die Menschen seines Landes und über ihren schwierigen Weg eine kulturelle Identität zu finden. Gilles Vigneault habe Angst, sein Lied könne aus dem Kontext gerissen werden, stark gekürzt oder auf Englisch übersetzt werden, so das Management. „Mon pays“ ist eines der bekanntesten Lieder des Sängers und Teil der Identität Québecs, die Olympischen Winterspiele finden hingegen im englischsprachigen Vancouver statt.
“Mein Land ist kein Land, es ist der Winter“ sang G. Vigneault mit rauer Stimme in den 1960er Jahren zum ersten Mal. „Mein Land“, das ist Québec, die kanadische Provinz an der Ostküste Kanadas, in der Französisch gesprochen wird und die in vielerlei Hinsicht so anders ist als der Rest Kanadas. Québec ist kein unabhängiges Land, sollte aber eines werden, wenn es nach G.Vigneault geht. Der Künstler, 1928 in einem kleinen Dorf am Sankt-Lorenz-Strom geboren, ist während der Unabhängigkeitsbewegung der Quebecer aktiv. Er demonstriert auf den Straßen für einen freien, unabhängigen und souveränen französischsprachigen Staat neben dem englischsprachigen Kanada. Als Charles de Gaulle 1967 in Montréal ruft: „Vive le Québec libre!“* war das sicherlich ein Satz, der G. Vigneault gefallen hat.
1968 gründet sich die „Parti Québécois“, die Souveränistenpartei, welche 1976 die Regierung der Provinz stellt. Französisch wird als offizielle und erste Amtssprache eingeführt, das Selbstbewusstsein Québecs ist angesichts des wachsenden Haushalts und der sich bildenden kulturellen Identität groß wie nie zu vor. Doch als 1980 die von der PQ** eingeleitete Volksabstimmung zur Unabhängigkeit Québecs von nur 40% der Bevölkerung unterstützt wird, erfährt die Bewegung eine herbe Niederlage. Diese Niederlage ist auch ein persönlicher Rückschlag für den Künstler. Fünf Jahre zuvor hatte er noch auf dem Mont-Royal sein Lied „Gens du Pays“ gesungen und wurde mit tobendem Applaus für seine Bemühungen um die Freiheit des Landes gefeiert. Auf die Ablehnung des ersten Referendums folgt 1995 eine zweite Abstimmung. Dieses Referendum scheitert sehr knapp. 50,6% der Québecer verweigern die Unabhängigkeit, eine weitere Absage der Bevölkerung an die Separatisten. Québec bleibt ein Teil Kanadas, eine wie 2006 formulierte „Nation innerhalb des geeinten Kanadas“.
Gilles Vigneault macht auch mit 81 Jahren noch Musik im „geeinten Kanada“, die Anfrage des Olympischen Organisationskomitees schien ihm allerdings zu weit zu gehen. „Son pays“ ist nun mal nicht in Vancouver, sondern in Québec.
* Es lebe das freie Québec!
** Parti Québécois
Clara Billen, 23.02.10

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