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Filmplakat


In der Rubrik des “Internationalen Forums des Jungen Films“ im Rahmen der Berlinale 2010 wird ein Film des kanadischen Regisseurs Jean- Francois Caissy gezeigt. Die Dokumentation beleuchtet gefühlvoll den Prozess des Altwerdens.




"La belle visite"

Das Altenheim in Gaspé, Québec, war früher mal ein Motel. Es war ein Durchgangsort für LKW- Fahrer mit einem Bärenkopf auf dem Dach. Nun ist es ein Altenheim, ein Ort der letzten Ruhe für die Senioren der Region. Jean- Francois Caissy kennt diesen Ort und hat nun einen Film über das Altern gedreht. Der Bärenkopf hat ihn als Kind beeindruckt, der Aufenthalt seiner Großmutter dort, ihn als Erwachsenen beschäftigt. Der Garten des Altenheims liegt am Meer, auf der anderen Seite führt eine Schnellstraße vorbei. Dazwischen wohnen die Alten, eingeschlossen zwischen Natur und Straße.

Der Film beginnt mit dem Bild einer alten Frau auf dem Flur des Altenheims. Sie setzt langsam einen Fuß vor den anderen, muss sich auf der Hälfte der Strecke ausruhen, um in den Gemeinschaftsraum zu gelangen. Die Kamera begleitet sie und läuft mit der gleichen Geschwindigkeit hinterher. Das ist das Geheimnis des Films, er portraitiert die Senioren nicht, wertet das Leben im Altenheim nicht, sondern begleitet die Menschen in ihrer Routine, zeigt sensibel und detailliert ihre Bewegungen, ihre Umgebung und ihre Gesichter. Gemeinsam spielt man Bingo, isst, singt und unterhält sich über den Wechsel der Jahreszeiten. Der Alltag im Heim wird unkommentiert eingefangen. Eine Meinung darüber muss sich der Zuschauer selber bilden.

„La belle visite“ kann übersetzt werden als „schöner Besuch“, ist aber vielmehr ein Ausdruck, der von den alten Québecern benutzt wird, um einen Besuch von jemandem zu beschreiben, den man lange nicht gesehen hat. Viele dieser Besuche finden im Alltag der Senioren nicht statt.

Nicht die Bewohner des Heims sind die Hauptfiguren, sondern die Zeit und das Altern als universeller Prozess des Menschseins. Die Dramaturgie ist subtil, und nur im Wechsel der Jahreszeiten spürbar. „La belle visite“ ist ein ruhiger, langsamer Film mit klarer und detaillierter Kameraführung.

Zwei Jahre hat J.F. Caissy in Gaspé mit dem Kameramann Nicolas Cannicioni an der Dokumentation gearbeitet, acht Mal waren sie vor Ort und haben Zeit mit den Senioren verbracht. Sie waren neugierig, die alten Menschen, wollten wissen, wie die Kamera funktioniert und haben ihre Geschichten erzählt. Gesprochen wird wenig, Interviews finden in der Dokumentation keinen Platz, die Bilder erzählen.

 

 

Clara Billen

 

„La belle visite“, Jean-Francois Caissy, 80min, 2009, Canada

 

22.02.10





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