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Letzte Woche starb einer der bedeutendsten Regisseure der Nouvelle Vague, der auch Legenden wie François Truffaut und Jean-Luc Godard angehörten. Ein Regisseur, dessen Schaffen im hohen Alter nicht ab- sondern eher zunahm. Minimalist, Intellektueller, Revolutionär, Menschenkenner – all dies kann man über den Regisseur und Menschen Eric Rohmer sagen. Ein Nachruf über einen Mann, der durch seine Filme jung geblieben ist


Seine Filme sind so leicht, meisterhaft leicht. Rohmer als einer der Väter des französischen Autorenkinos erzählt in ihnen seine eigenen Geschichten. Diese ordnet er in Zyklen ein, dem Zyklus der „Moralischen Erzählungen“, der „Komödien und Sprichwörter“ und der „Erzählungen der vier Jahreszeiten“.

Seine Schauspieler wirken nicht wie Schauspieler, seine Filme wirken nicht wie Filme, sie sind wie das Leben. Die Menschen, die für Rohmer vor der Kamera stehen, sind meist Unbekannte. Keine Filmstars.

Beiläufig entfaltet sich die Handlung, während man noch das Gefühl hat, einer Reihe von lose zusammenhängenden Ereignissen zu folgen, erfüllen sich die Schicksale, geschieht etwas, dass sich nicht mehr rückgängig machen lässt.

Es wird gesprochen, geschlafen, spazieren gegangen, getanzt und am Ende steht man vor vollendeten Tatsachen und weiß nicht, wie es dazu kam. Eine besondere Bedeutung erhält in Rohmers Filmen der Dialog. Die Worte der Figuren reflektieren oft die vielen kleinen Wahrheiten, die sich in seinem Werk verstecken. Die Rohmerschen Figuren haben Ziele und sie handeln, aber immer geschieht etwas ganz anderes, und am Ende erfüllen sich ihre Wünsche oder sie haben nichts mehr. Bei Eric Rohmer weiß man nie, wie seine Filme enden.

Rohmers Jahreszeit war der Sommer, die lange Zeit der Sommerferien, wenn es nichts zu tun gibt und zu viel Zeit zum Nachdenken bleibt. So findet sich in seinem Zyklus der vier Jahreszeiten auch der Film „Sommer“. Die Figuren sind oft Studenten, die in den Ferien vor allem der Freude und dem Leid der Liebe ausgesetzt sind. Sehr oft sind es starke Frauencharaktere, die Rohmer hierbei einsetzt.

Seine Orte sind die Vororte, die Kleinstädte, die Sommerfrischen. Das Drama liegt im Alltag, auch im Alltag der Sommerferien. Es wirkt authentisch, vielleicht auch durch Rohmers oft minimalistische Arbeitsweise. Seine Filme produzierte er oft mit wenig Geld, konnte trotzdem aber kommerzielle Erfolge verbuchen. Zu seinen größten Werken werden beispielsweise „Meine Nacht bei Maud“ (1969), „Claires Knie“ (1970) oder „Pauline am Strand“ (1982).


Die vielen Gesichter des Herrn Rohmer

 

Rohmer hieß eigentlich Jean-Maurice Scherer („Es war ein Name, den ich einfach so gewählt habe, aus keinem bestimmten Grund, einfach weil er mir gefiel“). Er wurde am 4. April 1920 in Nancy geboren. 1946 veröffentlichte er seinen ersten und einzigen Roman, schrieb bis 1951 Erzählungen, die zum Großteil später in seine Filme umwandelte. Er arbeitet als Lehrer und als Filmkritiker und gründete gemeinsam mit Jaques Rivette und Godard die legendären „Cahiers du Cinema“. Er war zehn Jahre älter und wurde später erfolgreich wie seine Mitstreiter Truffaut, Chabrol, Godard und all die anderen „Nouvelle Vague“- Filmemacher. Er gewann ein größeres Publikum gegen Ende der 60er Jahre, da näherte er sich schon seinem 50. Lebensjahr. Er arbeitet kontinuierlich bis in dieses Jahrtausend. Seinen letzten Film stellt er 2007 fertig.

Doch nicht nur die theoretische und praktische Seite des Films gehören zu seinen Leidenschaften, als Universalgelehrter interessiert er sich für Literatur, Kunst, Architektur und Philosophie.

Ebenso begeistert sich Rohmer für die deutsche Sprache und Kultur. Erstere beherrscht er gut, 1972 legt er sein Doktorexamen an der Sorbonne ab – mit einer Dissertation über die Organisation des Raumes im Faust des legendären Friedrich Wilhelm Murnau.    

Und auch deutsche Literatur hat Rohmer in zwei seiner Filme adaptiert: 1976 verfilmte er die Novelle „Die Marquise von O.“ von Heinrich von Kleist – mit deutschen Schauspielern auf Deutsch an deutschen Drehorten. 1979 folgte dann „Käthchen von Heilbronn“, dessen Vorlage vom selben Schriftsteller stammt.

Am Montag ist er im Alter von 89 Jahren in Paris gestorben.

 

Ruth Herzberg und Dominik Rosmiarek

13.01.2010








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