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Grand Corps Malade. Foto: Pierre-Jean G. | www.pierre-jean.net


Am 26. Januar lädt der Admiralspalast zu einem Poetry-Slam-Abend mit Grand Corps Malade als Hauptact, begleitet von Bas Böttcher. An diejenigen von Ihnen, die sich gegen die Poesie sträuben: Grand Corps Malade und Bas Böttcher werden Sie definitiv mit der Kunst, Worte tanzen zu lassen, versöhnen. La Gazette de Berlin verlost 1x2 Plätze für den Abend!


Es ist einer von den Bühnennamen, die Bände sprechen. Hinter Grand Corps Malade („großer kranker Körper“) verbirgt sich Fabien Marsaud, der eine Krücke benutzen muss, um seinen 1 Meter 94 großen Körper zu bewegen. Der Grund: ein dummer Unfall mit 20 Jahren. Ein Sprung in ein Schwimmbecken mit zu geringer Tiefe verschob ihm die Rückenwirbel. Trotz der Prognose, er bleibe querschnittsgelähmt, kann er dank Reha wieder laufen. Früher war er sportlich und ein begabter Basketballspieler, nun sucht er einen neuen Antrieb für sein Leben. In der Dichtkunst findet der Sohn eines Bibliothekars dann sein Ventil. Jedoch war, wie er es in seinem Text „rencontre (Begegnung)“ zugibt, damit noch nicht alles im Voraus gewonnen, weil die Poesie „eingebildet wirkte. Sie gab vor, dass man mit Worten den Himmel überqueren könne. Ich hab ihr gesagt: Ich bin dir bereits begegnet und ehrlich gesagt bist du es nicht wert. Man hat in der Schule darüber gesprochen und du schienst wirklich schwer. Aber die Poesie war beharrlich und konnte mich in anderer Form fangen. Ich hab verstanden, dass sie cool ist und man ihren Normen trotzen kann."




Foto: Pierre-Jean G. | www.pierre-jean.net

Der Herold des französischen Slam

 

 

2003 wird Fabien Marsaud zu Grand Corps Malade und verbreitet seinen Slam an der Seite von John Pucc‘ Chocolat und dem Kollektiv 129H. Zusammen klappern sie die offenen Bühnen ab und schmieden ihre Redekunst. Grand Corps Malade engagiert sich in der Suche nach Nachwuchstalenten. Er gründet 2005 die Gesellschaft „Flow d’encre (Tinten-Flow)“ um Schreib- und Slamwerkstätten bei Gemeinden, sozialen Zentren und schulischen Einrichtungen   anzuregen. Der Dichter, der aus Saint-Denis stammt, beteiligt sich am Projekt „93 Slam Caravane“, Schreibwerkstätten und Slam-Wanderbühnen im Département Seine Saint Denis. „Midi 20 (12 Uhr 20)“  das erste Studioalbum von Grand Corps Malade, erscheint 2006. Um seine Texte mit Musik zu verbinden, bediente sich Fabien Marsaud der Hilfe von S Petit Nico, eines musikalischen Tausendsassas, der auch für das Theater, das Kino und die Webebranche komponiert. Das Album ist ein kommerzieller Erfolg: 600 000 verkaufte Exemplare, und auch ein Erfolg bei den Kritikern: zwei musikalische Preise 2007 („Entdeckung des Jahres“ für das Album sowie den Künstler). Sein zweites Album, „Enfant de la Ville (Stadtkind)“, erscheint 2008 und erreicht den zweiten Platz im Plattenverkauf.


Dem Leben Reime verleihen

 

Grand Corps Malade poetisiert das Leben. Zunächst sein eigenes, seine Jugend, seine Freunde, auch seine Behinderung. Er erzählt das Alltägliche: die Liebe (in Les voyages en train, „die Zugreisen“), den Schwermut im Bildungswesen (in Le blues de l’instituteur, „der Blues des Grundschullehrers“), die Richtlinien der Stadt (in Je viens de là, „ich komme von dort“), die Familie (in Pères et mères, „Väter und Mütter“), seine Heimat (in Saint-Denis, einem sozial schwierigen Viertel nahe Paris). Seine Stimme ist ernst wie die meisten seiner Texte, weil letzten Endes das Leben nicht immer schön ist. Nicht wirklich optimistisch, nicht von Grund auf pessimistisch, bleibt die Feder von Grand Corps Malade stets zweckgebunden. Trotzdem ist der Humor nicht abwesend in seinem Universum, wie es das amüsante „Ma tête, mon coeur, mes couilles (Mein Kopf, mein Herz, meine Eier)“, Kampfansage an den beschränkten Männlichkeitswahn, bezeugt, oder „L’appartement“, eine so wahrheitsgetreue Bestandsaufnahme der Junggesellenwohnung eines Durchschnittssingles. Dank seines unter Tausenden wiedererkennbaren Flows und der Wahrheit seiner Texte  hat sich Grand Corps Malade als einer der Vorsänger der französischen Poetry Slam behauptet, neben Abd Al Malik. Sie wurden beide 2008 zu Chevalier des Arts et des Lettres („Ritter der Künste und der Literatur“) ernannt, was die große Anerkennung des Slam  auf der französischsprachigen Szene beweist.




Bas Böttcher. Foto: www.flickr.com/photos/98046171@N00/2250563260

Bas Böttcher, deutscher Slammer

 

 

Der erste Teil des Konzerts von Grand Corps Malade in Berlin wird von Bas Böttcher gewährleistet. Aus Bremen stammender Schriftsteller und Slammer -  Bastian „Bas“ Böttcher ist einer der Begründer des deutschen Slam. Er gewinnt 1997 den allerersten deutschsprachigen Slamwettbewerb. Sein letztes Album, „Neonomade“, 2009 erschienen, strotzt nur so von verbaler Akrobatik.

 

Dieses einzigartige Event ereignet sich am 26. Januar um 20 Uhr im Admiralspalast, organisiert von der Berliner Literarische Aktion und dem Musikexportbüro Berlin in Zusammenarbeit mit der französischen Botschaft in Deutschland, dem Büro des Bevollmächtigten für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit und dem DFJW. Um den deutsch-französischen Charakter des Abends zu unterstreichen, wird das Konzert von Grand Corps Malade mit deutschen Untertiteln stattfinden. Dies basiert auf einem großen Wettbewerb an deutschen Schulen, dessen Zweck die Übersetzung der Texte von Grand Corps Malade war. So wird das deutschsprachige Publikum nicht benachteiligt.


Die Gazette de Berlin verlost 1x2 Plätze. Hierfür genügt es, eine Mail an camille.larbey@lagazette.net zu schreiben mit der Antwort auf folgende Frage: Wie lautet der richtige Nachname von Grand Corps Malade? Der Gewinner unter den richtigen Antworten ausgelost.

 

 

Camille Larbey, Übersetzung: Dominik Rosmiarek

 

 

11.01.2010

 

 

Der Artikel im französischen Original: http://www.lagazettedeberlin.de/5791.html








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