Der Zorn Gottes und das Vergnügen des letzten Moments des Lebens
In der Ausgabe vom 11. Oktober 1757 berichtete die Gazette de Berlin aus Transsilvanien (Siebenbürgen). In einem Brief beklagte man sich über die vielen Unglücke, die das Land heimgesucht haben. So hieß es dort: „Obwohl die schrecklichen Epidemien nun vorüber sind, hat sich die Rute des Gotteszorns nicht von unseren Köpfen entfernt. Sie teilt immer noch empfindliche Hiebe aus.“ Weiter wurde berichtet, dass sich viele Leute Krankheiten zuziehen, da sie zu viele Früchte essen würden und dass es bei Hermannstadt und Stolzenberg zu schrecklichen Gewittern mit Hagelkörnern kam, die größer als Hühner- und Gänseeier gewesen sind und die die gesamte Ernte vernichtet haben.
Die Ausgabe der Gazette de Berlin vom 13. Oktober 1757 berichtete über einen Vortrag des Abbé von Manse, den er vor der Akademie von Beziers über den letzten Moment des Lebens gehalten hatte. Er sprach dort nicht als Theologe oder Kasuist sondern als Philosoph oder mehr noch als Physiker. Seine Überlegungen gingen dahin, dass es ein Sterben ohne Schmerzen gibt. Ja er führte sogar Autoritäten an, wie Platon oder Cardano, die den letzten Moment des Lebens als Vergnügen bezeichnet haben: „Wenn man nur die Kämpfe und Agonien betrachtet, die dem Tod voraus gehen, vergisst man den letzten Moment im Blick zu behalten, den Epiktet die Reife des Lebens genannt hat.“ Weiter hieß es, man sollte also eine neue Parole an alle Menschen ausgeben, eine Einladung auf ein Vergnügen zu warten und zu hoffen, dass Einem nichts entgehen werde. Was diese Auffassung bestätigen würde, ist das Bedauern der Menschen, die schon das Nahen des Todes erfahren haben, Zurückkommen zu müssen.
Frank Drauschke
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