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Die afrikanische Gemeinschaft in Frankreich verfolgt die Wahlen mit grösstem Interesse. Eine aktuelle Reportage aus den Cafés von Bordeaux…

 

In dem kamerunischen Lokal in der Rue Bigot trafen sich  vor einigen Monaten die Afrikaner von Bordeaux, um auf dem Flachbildschirm die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland zu verfolgen. Heute sind es rund fünfzig, die sich zusammengefunden haben und auf die Ergebnisse des ersten Wahlgangs warten. Sie verfolgen den gesamten Wahlabend auf TF1 und die Prognosen überschlagen sich: „Sarko-Ségo“, ruft Jérôme (Student, 28 Jahre). „Ja, das ist genau das, was wir wollen!“, antwortet der Nachbar zu seiner Rechten. „Was sagt ihr zu Le Pen, dem Einäugigen? – diese Franzosen sind verrückt, wie ihr wisst!“ „Nein, wir wollen Léboue“, wirft Ahmadou ein. Dieser senegalesische Beiname meint Ségolène Royal und spielt auf die ethnische Identität der Einwohner des senegalesischen Ortes Ouakam an, in dem sie geboren wurde. „Wenn sie Präsidentin ist, dann wird sie uns viel geben“, ruft Maïmouna, die als Reinigungskraft arbeitet.

Nur zehn der Versammelten haben heute den Weg zur Wahlurne beschritten. Acht von ihnen stimmten für Ségolène Royal, die beiden anderen für Bayrou. Die Motivation, für Royal zu stimmen, rührt daher, dass sie sich um gesellschaftliche Belange sorgt: Kampf gegen die Arbeitslosigkeit, Bildung, soziale Sicherung und Kampf gegen Diskriminierungen. Die Interessen der afrikanischen Einwanderer in Frankreich werden hingegen nur am Rande erwähnt. Die von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Menschenrechtlern gewohnte Ausdrucksweise, der sich Ségolène bedient, zeigt tatsächlich Verführungskraft. Das Wachrufen der Begriffe „Gesindel“, „Kärcher“ und „Charter“ hat die Franzosen afrikanischen Ursprungs endgültig gegen Sarkozy positioniert. Man lastet ihm außerdem an, Frankreich stärker abriegeln zu wollen und somit Verantwortungslosigkeit gegenüber Afrika zu zeigen. „Und das, obwohl er Sohn eines Immigranten ist“, wirft Omar ein. Was Bayrou anbelangt, so könnte er eine Alternative sein. Dieser muss sich jedoch vorwerfen lassen, keine Schwarzen in seinen Reihen zu haben. Politischer Fehler,  Missachtung, Inkonsequenz oder einfach nur Unkenntnis?

 

20 Uhr: Freudenausbruch, Beifallklatschen und Gesang aus vollem Hals. „Wir sind erleichtert“, ist mehrfach zu vernehmen. „Ich war sehr beunruhigt, um ehrlich zu sein“, sagt N’Dong.

 

300 Meter weiter dröhnt es ebenfalls von der Terrasse des Teehauses La Marhala am Place St. Michel herüber. „So Gott will wird sie gewinnen, denn das ist unsere Hoffnung“, sagt der fünfzig Jahre alte Achour. In der maghrebinischen Gemeinschaft wird Ségolène ebenfalls geschätzt. Aber Sarkozy und Bayrou haben einen besseren Ruf. Der Vorschlag Sarkozys, den Bau von Moscheen zu fördern, besticht: „Er ist der einzige, der für Muslime kämpft!“, beteuert Ahmed. Seine jüngsten Äußerungen über geschächtete Schafe in Badezimmern klingen jedoch noch in den Ohren und die Vorstellung eines Ministeriums für Immigration und Nationale Identität schürt Angst.

 

Der Unterschied in der Beurteilung der Kandidaten zwischen Afrikanern südlich und nördlich der Sahara wurde bereits in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ifop festgestellt und im März diesen Jahres in der Wochenzeitung Jeune Afrique veröffentlicht. „Hätte man lediglich die aus Nordafrika Stammenden befragt, so würden Nicolas Sarkozy und François Bayrou ein Wahlresultat erzielen, was über ihrem Gesamtergebnis läge. Wenn hingegen nur die Franzosen ihre Meinung abgegeben hätten, die südlich der Saharawüste entstammen, dann würden auf Royal 70 Prozent der Stimmen (anstelle der 57 Prozent) entfallen“, stellt das Institut fest.

In jedem Fall „muss für den zweiten Wahlgang mobilisiert werden, denn schließlich geht es darum, Sarkozy zu besiegen“, betont Yousef abschließend.

Bleibt nun die Frage, ob die rund zwei Millionen französischen Wähler afrikanischen Ursprungs am kommenden 6. Mai mitziehen werden…

 

Etienne Damome

Übersetzt von Bettina Sund

 








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