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Das politische Leben in Frankreich wird entscheidend durch die Präsidentschaftswahlen bestimmt. Der „Führer Frankreichs“, wie Charles de Gaulle den Staatschef mit Vorliebe nannte, wird seit 1962 durch Direktwahl vom Volk bestimmt.

 

 

Es ist ein Mix aus Kopfschütteln und Erheiterung, mit dem Martin die französische Präsidentschaftskampagne verfolgt. Er ist Erasmusstudent am Institut d’études politiques in Grenoble und immer wieder erstaunt es ihn, wie sehr sich doch die politischen Kulturen diesseits und jenseits des Rheins unterscheiden: „In Frankreich konzentriert sich alles auf den Grundgegensatz von Links und Rechts. Konkrete Parteiprogramme, und Parteien überhaupt, spielen eine viel geringere Rolle als einzelne Personen, die eine politische Richtung repräsentieren.“

 

Die starke Polarisierung zwischen Links und Rechts hat in Frankreich Tradition. Ausgehend von der Sitzverteilung der Abgeordneten bei der verfassungsgebenden Versammlung 1789, stehen sich heute jeweils eine dominante Partei auf der Linken und der Rechten gegenüber: die UMP (Union pour un Mouvement Populaire) von Nicolas Sarkozy und die Parti Socialiste von Ségolène Royal. Selbst wenn sich nach zahlreichen Regierungswechseln - ohne spürbare Veränderung – auch in Frankreich die Unterscheidungslinien zunehmend verwischen.Die Lagerbildung wird durch die in zwei Wahlgängen durchgeführte Direktwahl eindeutig begünstigt", erklärt Mathieu Pouydesseau, der sowohl Mitglied der PS als auch der SPD ist. Denn, „unterstützt eine Partei den Präsidentschaftskandidat einer anderen Partei im 2. Wahlgang, dann kann sie als Bestandteil der ‚majorité présidentielle' mit politischem Einfluss und Ministerämtern rechnen

 

Auffallend ist für den deutschen Beobachter vor allem auch die starke Personalisierung der Wahl. Bis zum unerwarteten Hoch Bayrous in den Umfragewerten wurde die Kampagne eher als Zweikampf wahrgenommen: der „wütende Zwerg“ Sarkozy auf der einen, die stets lächelnde Ségolène auf der anderen Seite. „Man wählt keine Partei, sondern eine Person und derjenige, der das Duell am Ende gewinnt, repräsentiert alle Franzosen. Er muss sich daher in gewisser Weise von seiner Partei lösen“ ergänzt Pouydesseau.

In Anspielung auf die starke Stellung des in Direktwahl bestimmten Präsidenten behauptete dann auch der Paris-Korrespondent der „Zeit“ am Ende der Ära Mitterrand, dass die französische Demokratie „vom Stil her Monarchie geblieben“ sei. Na dann, „Vive le Roi!“ – oder besser „la Reine“?

 

 

Literaturtipps:

- "Ségolène Royal. Eine Frau auf dem Weg zur Macht", Heiko Engelkes, Aufbau Verlag Berlin, 2007, 155 Seiten, 12,95 Euros.

 

- "Jacques Chirac. Tragödie eines Mannes und Krise eines Landes", Franz-Olivier Giesbert, Econ Verlag Berlin 2006, 399 Seiten, 17,95 Euros.

 

- "Internationale Politik", April 2007, Deustche Gesellschaft für Auswärtige Politik DGAP, 9,95 Euros.

 

 

 

Lisa Jandi

 

 

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