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Saint-Exupéry hatte zwei Passionen: das Fliegen und das Schreiben. Mit der Geschichte des „kleinen Prinzen“ gelangte er zu weltweiter Bekanntheit: in über 150 Sprachen übersetzt, ist die märchenhafte Begegnung mit diesem „kleinen, ganz außergewöhnlichen Herrn“, nach der Bibel, das meistverkaufte Werk weltweit. Es erschien genau ein Jahr vor dem mysteriösen Flugabsturz Saint-Exupérys über dem Mittelmeer im Juli 1944.

 

 

Am Tag nach seiner ersten Flugreise präsentierte der junge Antoine de Saint-Exupéry seinem Lehrer ein Gedicht über die Luftfahrt. Anscheinend spürte der gerade 12 jährige schon damals, wohin seine Leidenschaft ihn führen würde. Beides, die Fliegerei und das Schreiben, sollten sein Leben lang Hand in Hand gehen.

Saint-Exupéry, 1900 in einer Lyoner Adelsfamilie geboren, hatte zunächst den Weg zur Marine gesucht. Erst nach gescheiterter Aufnahmeprüfung für die „Ecole navale“ und einem eher aus Verlegenheit begonnenen Studium der Architektur, führte ihn der Wehrdienst zur Fliegerausbildung bei der Luftwaffe. Doch nach einem ersten Flugzeugabsturz - der nicht sein letzter bleiben sollte - beugte sich der junge Pilot dem Willen seiner künftigen Schwiegereltern: er tauschte die Nähe zu den Sternen gegen eine „bodenständige“ Bürotätigkeit ein. Wenn auch nicht für lange Zeit. 1926 startete Saint-Exupéry erneut, als Postflieger für die Strecke Toulouse-Casablanca-Dakar. Im gleichen Jahr veröffentlichte er seine erste Novelle „Der Flieger“. Von nun an wurden seine Schriften zum ständigen Begleiter und poetischen Widerhall seiner Erkenntnisse und Abenteuer. „Man kann die Welt nur nach dem verstehen, was man erlebt“ … und was er erlebte, das schrieb er auf.

 

Nach dem ersten Roman „Südkurier“ veröffentlichte Saint-Exupéry während seiner Zeit in Argentinien, in der er für die ersten, trotz aller Gefahren durchgeführten Nachtflüge verantwortlich war, den Roman „Vol de nuit“ (1930). Soll man sich für eine heldenhafte Tat entscheiden, die menschliches Leben gefährdet, fragt er sich. „Und dennoch…obwohl das Menschenleben unbezahlbar ist, handeln wir immer wieder so, als ob es etwas gäbe, dass das Menschenleben an Wert übertrifft…Aber was?“

 

Auch „Terre des hommes“, auf deutsch „Wind, Sand und Sterne“, ist eine Ode an die Fliegerei. Saint-Exupéry schildert zum Beispiel seine Bruchlandung in der libyschen Wüste bei dem Versuch den Streckenrekord Paris-Saigon zu brechen. Für ihn und seinen Kopiloten hätte sie fast den Tod durch Verdursten bedeutet. Kurz zuvor, als Testpilot für Wasserflugzeuge, wäre er um ein Haar ertrunken.

 

Immer wieder scheint durch das Erlebte eine zutiefst humanistische Geisteshaltung durch. Als der Ausbruch des Krieges alles in Frage stellt, engagiert sich Saint-Exupéry, trotz seiner körperlichen Beschwerden, bei einer Aufklärungsstaffel und wird Zeuge, wie Nordfrankreich nach dem deutschen Angriff im Chaos versinkt. Anhand eines  Fluges, den er unternehmen musste, als der Krieg schon so gut wie verloren war, erzählt er in „Pilote de guerre“ (1942) die Absurdität eines sinnlos gewordenen Kampfes, in dem „in allem Ernst an Fäden gezogen wird, die nicht mehr zu den Marionetten führen.“

 

1943 entstand mit dem „Kleinen Prinzen“ das eindeutig bekannteste Werk Saint-Exupérys. Der rationalen Sichtweise und Beweisführung der „grandes personnes“ setzt er durch die Augen des Kindes, durch die Parabeln von der Rose und dem Fuchs, das Gebot der Mitmenschlichkeit entgegen. Die Aufhebung der Einsamkeit durch die Freundschaft.

 

Am 31. Juli startete Saint-Exupéry morgens zu seinem planmäßig letzten Aufklärungsflug in Richtung Südfrankreich. Doch er kehrte nie zurück. Seine Maschine wurde höchst wahrscheinlich von einem deutschen Piloten abgeschossen.

 

 

Lisa Jandi








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