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Candide oder der politische Prozess des Admiral Byng

In den Jahren 1756 und 1757 war die europäische Öffentlichkeit Zeuge eines beeindruckenden politischen Ränkespiels mit weit reichenden Folgen. Mit der Besetzung der damals britischen Mittelmeerinsel Menorca durch die Franzosen hatte der erste Krieg mit wirklich weltweiten Ausmaßen „der siebenjährige Krieg“ begonnen. Dieser später für das Britische Empire erfolgreich verlaufende Konflikt begann mit einer Niederlage und einem prominenten Sündenbock – Admiral John Byng.

Die Gazette de Berlin berichtete in diesen Jahren in einer ganzen Reihe von Artikeln detailliert über die Geschehnisse um ihn.

Der Admiral hatte es bei einem Seekampf mit der französischen Flotte im Mai 1756 versäumt, diese weiter zu verfolgen und dem belagerten britischen Fort St. Philips auf Menorca zu Hilfe zu kommen.

In London nutze man die Nachricht von der verlorenen Schlacht, um die öffentliche Meinung gegen den Admiral aufzubringen. Nach seiner Rückkehr wurde er vor ein Kriegsgericht gestellt, zum Tode verurteilt und am 14. März 1757 im Hafen von Portsmouth auf seinem Schiff standrechtlich erschossen.

 

In der Ausgabe der Gazette de Berlin vom 2. April 1757 konnte der Berliner Leser eine umfassende Schilderung der Exekution des Admirals samt des vollständig abgedruckten Abschiedsbrief lesen.

Darin beschrieb Byng sich als politischen Sündenbock: „Ich bin, und man wird nicht zögern mich so zu nennen, ein Opfer, dass dafür herhalten musste die Entrüstung des unzufriedenen und hintergangenen Volkes von dem eigentlichen Objekt des Zorns wegzuleiten.“

 

Voltaire setzte seinem Schicksal in der Fabel Candide ein Denkmal.

Candide fuhr an diesem Tag in den Hafen von Portsmouth und fragte was denn dort von statten ginge. Darauf erklärte man ihm, dass gerade ein Admiral hingerichtet würde. Man sagte: „In diesem Lande ist es klug, von Zeit zu Zeit einen Admiral zu erschießen, um die anderen anzuspornen.“

Daraufhin wollte Candide nicht einmal an Land gehen und fuhr sofort in Richtung Venedig weiter.

 

 

Frank Drauschke

 

 

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