Die Ausgabe der Gazette de Berlin vom 7. April 1757 berichtete über ein neues medizinisches Wundermittel – die Weidenkätzchen, man nannte sie „coton de saules“ – Baumwolle der Weiden. Wie damals neue Veröffentlichungen aufzeigten, können Weidenkätzchen als Heilmittel für die Behandlung von allen Arten von Wunden verwendet werden. Als besonders bemerkenswert wurde beschrieben, dass sie schmerzfrei innerhalb kürzester Zeit ihre heilende Wirkung entfalten. Es wurde empfohlen dafür Ende Mai die Blütenstände der Sumpfweide zu sammeln.
Was hat es mit diesem Naturheilmittel des 18. Jahrhunderts auf sich? Die Journalisten der Gazette de Berlin waren damit nicht etwa nur einem einfachen Hausmittel auf der Spur, nein, der Wirkstoff der Weidenkätzchen ist noch heute der Hauptbestandteil eines der erfolgreichsten Medikamente überhaupt – Aspirin. Schon von alters her war die medizinische Wirkung von Bestandteilen der Weide bekannt. Im 19. Jahrhundert gelang es, den Wirkstoff Salicylsäure zu isolieren und auch synthetisch herzustellen. Die Einnahme dieses Mittels hatte aber starke Nebenwirkungen. Im Jahr 1897 gelang es dem Chemiker Felix Hoffmann bei Bayer mit der Entwicklung von Acetylsalicylsäure (ASS) ein leicht verträgliches Medikament zu schaffen. Aspirin war geboren.
Trotzalledem jetzt im Frühling nicht vergessen: Sammelt Weidenkätzchen!