
„Jeder soll nach seiner Façon selig werden.“
Auf die Frage, ob die katholischen Schulen im Lande abgeschafft werden sollen, antwortete der preußische König Friedrich der Große 1740 mit dem berühmten Ausspruch:
„Die Religionen müssen alle toleriert werden und der Fiskus muss nur das Auge darauf haben, dass keine der anderen Abbruch tue, denn hier muss ein jeder nach seiner Façon selig werden."
Und durchaus bezeichnend für den heutigen Streit um Moscheebauten in Berlin ging Friedrich noch einen Schritt weiter. Auf eine Anfrage zur Verleihung des Bürgerrechts sagte er:
„Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sie ausüben, ehrliche Leute sind; und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land peuplieren, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen."
Mit diesen Worten ging Friedrich II. als toleranter Monarch in die Geschichte ein.
Schon sein Urgroßvater der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm I. wurde durch seine Toleranz berühmt. Im Edikt von Potsdam vom 29. Oktober 1685 verfügte er, dass die in Frankreich verfolgten Reformierten sich in seinen Landen niederlassen durften. Es kamen zu dieser Zeit ca. 20.000 Hugenotten nach Brandenburg. In Berlin allein stellten sie schon bald ein Drittel der Bevölkerung. Ihnen wurde gestattet eigene Kirchen und Schulen zu unterhalten und französisch wurden schon damals zu einer oft gehörten Sprache auf den Strassen Berlins. 1740 erschien auf Initiative Friedrichs II. erstmals die französische Zeitung Gazette de Berlin.
In der Mitte des 18.Jahrhunderts zeigte sich die preußische Toleranz nicht nur gegenüber den französischen Glaubensgenossen. Friedrich gestattete auch den Bau der ersten katholischen Kirche seit der Reformation. Er selbst nahm aktiv Einfluss auf die Architektur der heutigen St. Hedwigs Kathedrale. Sie wurde 1747 bis 1773 mit Spenden aus ganz Europa in Anlehnung an das Pantheon in Rom errichtet.
In den Ausgaben der Gazette de Berlin vom Februar/März 1756 wurde ausführlich über diese Spendenaktion berichtet. In jeder Ausgabe finden sich lange Listen mit dem Namen und der Höhe der jeweiligen Spende. Die Liste reicht vom König von Portugal über das Kloster Einsiedeln bis hin zu Herrn Saturgus aus Königsberg.
Frank Drauschke
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