„Vinum de Marchica terra - transit guttur tanquam serra"
„Märkischer Erde Weinerträge - gehen durch die Kehle wie 'ne Säge"
Trotz dieses Spottverses der Studenten aus Frankfurt/Oder aus dem 16. Jahrhundert kann der Weinanbau in Brandenburg heute auf eine 800jährige Tradition zurück blicken. Schon im Mittelalter brachten die aus dem Süden stammenden neuen Herrscher und die Klöster den Wein in den deutschen Norden. Dabei machten sich insbesondere die Zisterzienser um den Weinanbau verdient. Da es zu teuer und zu schwierig war den einfachen Wein für den täglichen Verbrauch von weit her heranzuschaffen, nutzten die Mönche die regionalen und klimatischen Besonderheiten, um an geschützten südlichen Hanglagen eigene Weinberge anzulegen. So wurde besonders das klimatisch sehr günstig gelegene Werder an der Havel (bei Potsdam) zu einem Zentrum des Weins in der Region. Dort lebten im 18 Jahrhundert mehr als ein drittel der Einwohner vom Weinanbau. Selbst in Berlin erinnern noch heute Straßennamen wie Weinbergsweg an diese alte Tradition.
Doch die Verbesserung der Verkehrswege und der damit einhergehende Import qualitativ hochwertigerer Tropfen, machten dem regionalen Wein im Laufe der Zeit mehr und mehr zu schaffen. So konnten die Berliner im Jahre 1756 bereits aus einer reichen Palette von Angeboten wählen und in der Gazette de Berlin warben die Händler mit allem was das Herz des Weinliebhabers begehrte: Wein vom Rhein, Medoc, Cahors, Burgund und selbst Champagner fehlte nicht. Fortan sollte in Werder der Obstanbau die Tradition des Weins verdrängen.
Am Ende des Zwanzigsten Jahrhunderts begann jedoch eine behutsame Renaissance des Weinanbaus und man besann sich auf die alten Traditionen. Heute sind die Weingüter Schloss Rattey im Stargarder Land (Mecklenburg) und der Werderaner Wachtelberg in Werder/Havel die am nördlichsten gelegenen offiziellen Weinanbaugebiete Deutschlands.
Frank Drauschke
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